Mit "Schattenlichter" treten Anderwelt ins Licht
Atmosphäre
Einheit
Abwechslung
Konzeptumsetzung
4.0Sterne

Lust, in eine Welt der menschlichen Abgründe und musikalischer Spannungsbreiten einzutauchen? Dann ist das Debütalbum „Schattenlichter“ von Anderwelt ein heißer Tipp für euch.

„Schattenlichter“ ist das erste Album der jungen Dark Ambient und Doom Band Anderwelt. Doch das Debütwerk ist nicht nur eine Scheibe bestehend aus zusammengewürfelten Songs – Anderwelt haben sich für ihren Tritt aus dem Schatten etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Inspiriert vom Buch „Die Hunde des schwarzen Todes“ von dem britischen Schriftsteller Richard Adams haben sie ein Konzeptalbum mit Nachdruck geschaffen.  Vorhang auf für Anderwelt.

Die Vielfalt von Anderwelt

Anderwelt Schattenlichter Cover

Albumcover „Schattenlichter“ (c) Simon Öller, Alexander Dornstauder

„Grundsätzlich waren wir eine ganz konventionelle Band“, so Alexander Dornstauder, kurz „Lex“. Doch das sollte sich spätestens mit den Aufnahmen von „Schattenlichter“ ändern. Um ihrem Sound eine ganz spezielle Note zu verleihen, wollten Anderwelt den Klang ihres Konzeptalbums mit einem Cello verstärken. „Das Ganze hat dann so gut gepasst, dass wir unseren Studiotechniker und Cellisten Andreas Pilsl gleich fix dabei haben wollten“, lacht Lex. Seitdem besteht Anderwelt aus sechs Mitgliedern unterschiedlichster Musikstile und Berufsfelder: „Das ist das Schöne bei uns – wir alle kommen aus verschiedenen Richtungen und bringen unterschiedliche Skills mit, aber wir haben eine ähnliche Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll“, so Simon Öller.

Auf dieser Reise werden individueller Klang und Experimentierfreude groß geschrieben. „Wir haben zum Beispiel elektrische Sounds und Naturklänge – hier ein Danke an Arno Deutschbauer – integriert und den Cellobogen einfach einmal auf der Gitarre ausprobiert“, erzählt Simon. „Auch das Klavier wurde zerlegt, um die Saiten direkt aufzunehmen.“ Das Endprodukt dieser experimentellen Ausflüchte hat zwar einige Zeit auf sich warten lassen, aber kann sich nun umso mehr sehen lassen. Ergänzt durch schwere Gitarrensounds und dunkle Growls ist „Schattenlichter“ daher nicht nur für ein Debütalbum ein klangliches und emotionales Erlebnis geworden.

Mut zum Ungewissen

Wichtig ist der Band vor allem, zu berühren. „Die Songs sollen in die Tiefe gehen, dürfen verstören, polarisieren, und sollen zeigen, wie nahe sich Schönes und die menschlichen Abgründe stehen“, erzählt Simon. Dafür bietet das Buch „Die Hunde des schwarzen Todes“ von Richard Adams die perfekte Basis. Es geht um zwei Hunde, die aus einem Versuchslabor ausbrechen und plötzlich mit der Außenwelt konfrontiert sind. Mit ihrem Album versuchen Anderwelt diese Geschichte auf unsere Gesellschaft zu projizieren. „Es ist für Beobachter oft verwunderlich, wie lange Tiere oder Menschen in gewohnten Mustern verharren, obwohl es ihnen schon extrem schlecht geht und ein enormer Druck auf ihnen lastet. Bis sie ausbrechen, dauert es oft sehr lange“, so Simon.

„Die Songs dürfen verstören“

Bereits in den ersten Minuten der ersten Nummer „I Metamorphosis“ bekommt man als Zuhörer den Wunsch Auszubrechen deutlich zu spüren. Leise, rauschende Klänge umgarnen einen und man sehnt sich einerseits einen musikalischen Ausbruch herbei, während man andererseits den Wunsch verspürt, in der berauschenden Klangwolke zu verweilen. Auch die anderen drei Songs, „II Evacuation“, „III Of Wolf and Moon“ und „IV Enlightment“, beginnen mystisch, geheimnisvoll und entfalten sich bevorzugt im letzten Drittel. Das klingt einerseits nicht besonders spannend, jedoch scheint dieser ähnliche Aufbau perfekt zum Muster des Albums zu passen. Auch die Länge der Songs trägt ihren Teil zur Wirkung der Nummern bei, hat der kürzeste Song eine Dauer von 08:16 und der längste gar von 13:25. Für Veränderungen und klangliche Vielfalt bleibt da ausreichend Spielraum und „Schattenlichter“ ist für jeden Fan der Ambient und Doom Richtung ein Muss.

Anderwelt Live

Wer sich auf die geballte Ladung aufwühlender, mitreißender und sprengstoffhaltiger Klänge auch live einlassen möchte, der hat am 30. Dezember 2015 im Venster99 in Wien, am 05. Februar 2015 im Ann&Pat in Linz und am 01. April 2016 in der Kapu ebenso in Linz die Möglichkeit. Auch neue Songs und ein Video sind im kommenden Jahr Projekte von Anderwelt. Bis dahin gibt es „Schattenlichter“ in voller Länge auf bandcamp.com zu streamen.

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