Fabian Römer präsentiert uns mit „Kalenderblätter“ sein bislang persönlichstes Album. Auf zwölf Kalenderblättern erzählt uns der Musiker seine emotionale Geschichte.

3 Jahre, 8 Monate, 20 Tage – so lange dauerte die Wandlung von F.R. zu Fabian Römer, die Zeit zwischen Ganz normaler Wahnsinn und Kalenderblätter. In der Rapszene ist eine derart lange künstlerische Pause heutzutage selten. Dabei stellen sich Fragen nach einem Karriereende als Musiker oder die Arbeit an einem aufwendigen Album. Zum Glück war letzteres der Fall, „Kalenderblätter“ erschien am 22.März und sorgte für Diskussion. Fabian Römer wird als Musiker zwar immer noch gefeiert, trotzdem ist die Musik, die er jetzt macht, nicht jedermanns Sache. „Zu Pop-lastig“ – so oder in ähnlichen Worten sehen die Kommentare unter seinen neuen Musikvideos aus. Trotzdem herrscht keine Hate-Stimmung, wie bei vergleichbaren Künstlern, man respektiert Fabian Römer für das was er tut, denn das was er tut, das macht er sehr gut und professionell.

Fabian Römer legt großen Wert auf durchdachte Texte, die Message wird hier oft durch passende Metaphern verdeutlicht. Schon auf dem Opener „Nachtluft“, ist Nachtluft die Metapher für eine Frau, „Die Schwere von gestern verfliegt – wenn man auf sie trifft“. Der nächste Vergleich bezieht sich auf verschlossene Herzen, in denen es sehr schwer ist, einen Platz zu finden. In „Blauwalherz“ geht es sowohl um das Herz von Fabian Römer, als auch um das Herz einer Frau, welches ähnlich einem Tresor fest verschlossen ist. Nicht fest verschlossen, aber fest verankert im Kopf von Römer ist sein „Zimmer ohne Zeit“. In diesem Song verarbeitet er grob sein Jugendzimmer, den Spagat zwischen dem Teenagerleben und seiner Musikkarriere, bis hin zu seinem Umzug nach Berlin. Fast jeder Hörer sollte hierbei auch Parallelen zu seinem früheren bzw. noch aktuellen Zimmer finden, das macht „Zimmer ohne Zeit“ zu einem der besten Songs auf dem Album.

„Dreh den Nebel um, dann steht da das Leben“

Wer bis dato noch schlecht gelaunt sein sollte, den wird das nächste Lied „Dreh den Nebel um“ bestimmt positiv stimmen. Denn wenn man den Nebel umdreht, steht rückwärts gelesen das Leben. So banal diese Tatsache ist, Fabian Römer verpackt diese Message lebensbejahend in die Lyrics, der Song ist ebenfalls einer der besten des Albums. Genauso lebensbejahend geht es in „Nur für uns“ weiter, in diesem Track thematisiert Römer seinen früheren Freundeskreis, mit dem man viel Zeit auf den Straßen verbrachte, bis sich die Wege trennten. Trotz der räumlichen Trennung, denkt man immer noch mit positiven Gedanken an die alte Zeit zurück, jeder Hörer entdeckt bestimmt auch hier Ähnlichkeiten mit seiner eigenen Vergangenheit. Den Triplepack der positiven Lieder beenden wir mit „Übersommern“, ähnlich wie in „Dreh den Nebel um“ soll man das Leben annehmen und das Beste daraus machen. „Als wär‘ der Himmel ein Touchscreen, einfach die Wolken wegschieben, und die Sonne groß ziehen“.

Es wird Zeit für den Titelsong des Albums: „Kalenderblätter“ ist das einzige Lied mit einem Featuregast, und das ist niemand geringeres als MoTrip. Textlich und musikalisch gesehen kann man an diesem Lied absolut nichts aussetzen, der einzige Kritikpunkt ist der Zeitpunkt dieses Releases, denn das Lied „Kalenderblätter“ ist zu 100 Prozent ein Lied für den Herbst, melancholisch und nachdenklich. Melancholisch geht es zum Teil auch auf „Kein Mensch mehr“ weiter, im ersten Teil des Songs steckt Römer in einem emotionalen dunklen Loch, bis er schließlich durch ein Licht, welches eine Frau repräsentiert, unmenschlich gute Erfahrungen macht. Am Ende des Liedes ist er wieder auf der Suche nach diesem Licht, allerdings weiß „Kein Mensch mehr“ etwas darüber.

„Wohin führt nur dieses Dominoleben?“

Die Lebensbejahende Thematik, die wir bereits auf vorigen Songs gehört haben, setzt sich auf dem neunten Song fort. „Dominoleben“ ist eine Metapher für ein Leben, dass man im Alltagstrott lebt, man fügt sich seinem Schicksal, ohne den Versuch auszubrechen, oft nur aus reiner Bequemlichkeit. „Wohin führt nur dieses Dominoleben? Wo die Weichen sowieso schon gelegt sind, es läuft an dir vorbei.“ Mit dem zehnten Track kommen wir nun schließlich zum letzten Viertel des Albums, in „Stille“ thematisiert Römer seine Ex Freundin, welche ihm in vielen stillen Momenten noch durch den Kopf wandert. Abgeschlossen wird dieser Song mit einem Teil des Instrumentals von „Zimmer ohne Zeit“, vielleicht gibt es eine Verbindung zwischen diesen beiden Songs? Wir können es nur erahnen.

Es gibt einige Lieder zu Beziehungen auf diesem Album, das emotionalste Lied dieser Kategorie ist aber wohl „Nach dir (Anna)“. Es geht um eine Jugendliebe, die man lange nicht gesehen hat, und sich schließlich mit ihr trifft, um etwas miteinander trinken zu gehen. Beide Personen haben hier einen Tunnelblick nur füreinander und vergessen ihr Umfeld, man findet viele Gemeinsamkeiten und es endet wie erwartet. Beendet wird das Album aber nicht mit einem Beziehungssong, Fabian Römer versprüht noch einmal positive Laune, und schließt die Platte mit dem Song „Das Beste kommt noch“ ab. Dieses Lied soll motivierend wirken, Dinge zu tun, für die man sonst keinen Mut hätte, da sie einen blamieren könnten. „Der Horizont ist wie ein kleines Kind. Versteckt sich etwas ungeschickt hinter Mauern und Wolken, aber ein Teil von ihm ist immer zu sehen“. Diesen Horizont gilt es zu erreichen, man muss sich einfach nur trauen.

Pop? Hip Hop? Egal!

Egal, wie man es nennen will, ein Pop Album mit Rap Elementen oder umgekehrt, es kommt nicht auf das Genre an, sondern auf gute Musik, und die liefert Fabian Römer hier par excellence ab. Natürlich mag es nicht jedermanns Geschmack sein, aber man kann nicht abstreiten, dass diesem Album lyrisch kaum das Wasser zu reichen ist. Geht es um die musikalische Komponente, so ist es Geschmackssache. Zu bewerten ist aber, ob die Musik zu den gewählten Texten funktioniert, und das tut sie größtenteils. Durch die Videoreihe auf Fabian Römers Facebook-Seite „Track by Track“, merkt man auch, wie ungemein viel ihm dieses Album bedeutet. Hinter jedem Song steckt eine Geschichte, über die es sich lohnt nachzudenken. Mit jedem der zwölf Songs, mit jedem einzelnen Kalenderblatt, setzt man ein weiteres Puzzleteil zusammen, um den Menschen Fabian Römer besser kennen zu lernen. Viel Spaß beim Kennenlernen eines jungen Mannes, der mit seinen 25 Jahren schon viel zu erzählen hat.

Foto: Ramon Haindl

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