Mo-Torres - Jung us'm Veedel
Beats
Flow
Thema
Lyrics
4.3Sterne

Komm mit und blicke in den Alltag des „Kölschen Jung“.

Kölns treuester und echtester Sprechgesangsvirtuose, Moritz Helf a.k.a Mo-Torres, ist zurück. Nach seinem zweiten Album „Irgendwo dazwischen“ erschien nun am 27. Mai 2016 in Eigenregie die EP „Jungs us’m Veedel„. Für alle, die den Begriff „Veedel“ nicht kennen: Es handelt sich um das kölsche Dialektwort für Viertel. Es muss nicht unbedingt ein Stadtviertel gemeint sein, sondern viel mehr ein bestimmter kleinerer Teil der Stadt, in dem starker Zusammenhalt herrscht.

Der Tonträger ist keine Fortsetzung des Vorgängerwerks. Der Künstler möchte nicht das Gleiche machen, sondern herum experimentieren und die nächsten Schritte auf dem Weg in Richtung neuem Longplayer gehen. Natürlich dürfen Liebesbotschaften zu seiner Heimatstadt Colonia und dem 1.FC Köln nicht fehlen.

Auf insgesamt sechs Songs verpackt er diese Gedanken und Gefühle. Zusätzlich wurden zwei weitere Bonustracks auf die Mini-Platte gepackt. Dabei handelt es sich um die Akustik-Version des Songs „Heimat“ sowie um die ergreifende FC-Hymne “Mein letztes Hemd”.

Analyse

Als einziger Feature-Partner liefert der Kölner Sänger Darius Zander zweimal vokale Unterstützung. Die markante und soulige Stimme passt sehr gut zu den drückenden und stimmigen Produktionen, die Sytros und Johnny Illstrument gebaut haben.

Der Rapper ist ein Typ wie du und ich. Studiert an der Uni, vergewaltigt den Konsolen-Controller, spielt exzessiv FIFA und arbeitet in einer Agentur. Moritz verpasst kein Spiel seines Heimatvereins und besucht oft das Rheinenergie-Stadion. Der Künstler führt ein stinknormales Leben und macht Alltagssituationen zum Thema. Es dreht sich um seine Stadt, seine Heimat und seinen Fussballclub. Er thematisiert seine Kindheit, vergleicht sie mit der heutigen Jugend und spricht Alltagsprobleme offen an. Das Intro macht den Standpunkt sofort klar: Der Hörer darf sich über ehrliche und reale Musik freuen – Nostalgie, Spaß und Heimatliebe.

„vom Dom zum Kiez, nur glückliche Musik
so ein Release, bei dem es keinen Scheiß Lückenfüller gibt
kein gepaartes, konzipiertes Ding vom Reißbrett, kein Liebeslied,
kein Scheißtext, kein Quoten-Sorry-Track, der mich reinwäscht“

Scheinwelt & Maskenball“ schildert den täglichen Kampf einer echten und geraden Person mit der sogenannten Scheinwelt, mit anderen Menschen, die sich anpassen und ihre Maske je nach Situation anpassen und vor stetigen Lügen nicht zurückschrecken und verschiedene Charaktere benutzen. „Kein Leidgesang“ ist eine Hymne für die Kinder der Neunziger-Jahre. Der Song ist speziell gestaltet und beinhaltet kein hohles, einfaches Phrasengedresche. Viel mehr verknüpft der Künstler bestimmte Situationen mit erlebten Erinnerungen  und formt ausdrucksstarke Bilder. Diese Sichtweise wird mit der heutigen Jugend verglichen. Man erkennt eindeutige Muster wie die Generationen sich Schritt für Schritt verändern.

Heimat“ huldigt dem Müngersdorstasdion, dem roten Meer, dem Zuhause der Fans des 1.FC Köln. Der Traum, Europacup zu spielen, wird nach der starken Saison zurecht gefordert. Die kommenden Jahren lassen dies hoffen. Dieser Song wird nicht nur jeden echten Fussballfan begeistern, sondern ist auch künstlerisch ein starkes Stück. Wortspiele wie zum Beispiel die Line

„Ich seh nur dich, hab einen Weiß- und Rotstich“

passen wie maßgeschneidert zu der Songidee. Der Lobgesang bezieht sich aber nicht auf den Fussballclub, sondern auch auf die Stadt und beschreibt ihre Heimat als schönsten Ort auf dem Planeten.

Mo-Torres (c) Denis Delic

Mo-Torres (c) Denis Delic

Mo-Torres beweißt im nächsten Song „Ärmste Sau der Welt“ Sinn für Humor und spielt mit den Eigenarten und Vorurteilen der beiden Geschlechter. Klassische Männerprobleme und kurze Ausflüge in die Welt der Frauen wurden unterhaltsam verpackt und beschrieben. Den wahrscheinlichst besten Beat der Platte findet man im Titelsong „JUV„. Ein episches Soundgeflecht vom Über-Produzenten Sytros. Die Produktionen des Soundtechnikers sollten ein größeres Publikum ansprechen, denn die Qualität ist nicht klein zu reden. Der Rapper flowt was das Zeug hält, representet und resümiert die vergangene Zeit zwischen dem letzten Release. Genauso soll Rap sein. Der Edelweißpirat ist vollends begeistert und stellt die These auf: Drei Jahre vergehen und sein FC wird deutscher Meister.

Ich bin knappe zehn Monate weggewesen
JUV beste EP des Jahres oder ich fresse nen Besen
Dafür klopfe ich dreimal auf Holz
Ich greife zweimal nach den Sternen und noch einmal nach Gold

Die zwei Bonus-Songs sind eingefleischten Fans schon länger bekannt. Jedoch ist es eine feine Geste, diese mit auf die EP zu packen.

Fazit

Der Kölner MC hat mit einer starken EP nachgelegt und dem sehr autobiographischen Longplayer „Irgendwo dazwischen“ einen würdigen kleinen Nachfolger präsentiert. Dieses Mal liegt der Fokus verstärkt auf der Heimatverbundenheit und dem Alltagsgeschehen. Der Flow ist traditionell äußerst gut und schnittig und passt sich den bombastischen Soundteppich der zwei Produzenten optimal an.

Die Atmosphäre ist etwas softer und wohl klingender gehalten, obwohl Mo-Torres keinen Radio-Move oder ähnliches plant, sondern einfach seinen Drang nach guter Musik erfüllt. Das zwanglose Schaffen realer und authentischer Musik ist ihm geglückt. Kurze ironische Ausflüge stehen der Platte äußerst gut und machen Lust auf das nächste Album. Vielleicht hat Mo-Torres nun die richtige Richtung gefunden, die Nische wäre gestopft. Ein Longplayer mit ähnlichem Konzept würde bestimmt viele Leute begeistern. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.

JUV Cover (c) Denis Delic

JUV Cover (c) Denis Delic

Am 03. Juni feiert die Posse eine standesgemäße Releaseparty in der Kölner Szene-Location Underground (FB-Event). Gespielt wird mit einem Live-Drummer, weitere musikalische Überraschungen und jede Menge Special-Guests stehen bereit. Support kommt von Notyzze.

Tracklist öffnen

01. Intro (prod. Sytros)
02. Scheinwelt & Maskenball (prod. Johnny Illstrument)
03. Kein Leidgesang (prod. Sytros)
04. Heimat feat. Darius Zander (prod. Sytros)
05. Ärmste Sau der Welt (prod. Johnny Illstrument)
06. JUV (prod. Sytros)

Bonus:
07. Heimat feat. Darius Zander (prod. Darius Zander)
08. Mein Letztes Hemd (prod. Sytros)

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.