…und Aufstieg in schwindelerregende Höhen. Ihr fünftes Album klingt gewaltig und gleichzeitig emotional. Ein Album wie aus einem Guss.

Ebony_Archways_Moonburnt

Moonburnt – Lebendiger können leere Augenhöhlen nicht sein

12,5×14 cm… Mehr Platz bleibt dem in den Mond gebrannten Totenkopf nicht, um seine dämonische Anziehungskraft in den Raum zu strahlen. Natürlich, der Raum ist nicht groß, eher ungewöhnlich klein, dennoch fasziniert die Ausdrucksstärke der toten Augenhöhlen. Keine Pupillen, keine Iris, nur dunkle Höhlen zwischen den Kratern der Mondoberfläche. Das ist Moonburnt… Ein Album das man gerne in Händen hält. Nicht als Stream, nicht als Download, eine CD versteckt hinter einem stilvoll designten Cover. Auch im Inneren der Hülle wird der erwartungsvolle Hörer vom Mann im Mond begrüßt. Ein von Kratern durchzogenes Booklet mit sämtlichen Texten ist ebenfalls enthalten. Ebony Archways haben bei ihrem fünften Album Liebe zum Detail bewiesen.
Nicht, dass eine CD-Hülle besonders im Vordergrund stehen sollte, aber bei diesem hübschen Exemplar möchte man schon mal ein bisschen drüber reden. Nimmt man die Scheibe, auf der ebenfalls der totenkopfverzierte Mond thront, und legt sie in den nächstgelegenen Player – meine Auswahl an Abspielgeräten hält sich da ohnehin in Grenzen – kommt man zum Wesentlichen. Schlagzeug … Gitarren … Mehr Schlagzeug … Mehr Gitarren …

Dampfwalzend… Wie? Dampfwalzend!!!

Dampfwalzend beschallt From the Depth I Call meinen kleinen Raum, der sichtlich Mühe hat diesem Ausbruch an Energie und Vorwärtsdrang standzuhalten. Wie es musikalischen Handwerkskünstlern gebührt, beginnen Ebony Archways ganz unten, „And then I realized, this ist the place god had forgotten“. Doch ihr Aufstieg, den das lyrische Ich in „From the Depth I Call“ zwar nicht mehr für sich zu vollbringen vermag („…no more try to gain the surface over once again. Deep I will remain“), kann bereits jetzt erahnen. Denn nicht nur die gemeinschaftlichen Hey-Rufe, während der zweiten Hälfte des Vierminüters, lassen erahnen, dass sich die Nummer als Live-Klassiker der Band etablieren könnte.
Nicht weniger gewaltig als sein Vorgänger, beginnt Your Pallid Hands durch den, für die Wucht zu klein werdenden, Raum zu schallen. Im Gegensatz zu From the Depth I Call, versetzen die vier Musiker dieses Klangschauspiel jedoch spätestens zum Refrain, in einen, unerwarteten aber stets wünschenswerten, leichtfüßigen Schwebezustand. Das Schlagzeug scheint Zukünftiges hervorzusehen, noch bevor der Hörer es zu erahnen vermag; die restlichen Instrumente folgen vertrauensvoll.

Aber man muss nicht immer dampfwalzen…

Broken bringt die ersten ruhigen Töne in den Raum, gibt dem alten, mitleiderregenden Mauerwerk einen Moment um sich wieder zu sammeln. Doch die Ruhe währt nicht zu lange, denn das ist Hard Rock ohne Hitradio-Strategien. Eine verträumt gezupfte Gitarre geleitet in den Refrain; mit dem bedrohlich klingenden Gesang von Michel Sedaghat, „Broken, crawling in between the graves of light. Spoken, all the words that justified the pain, we never wanted to be!“, beginnt die schnellere Passage der Komposition.

I’m the Stake erscheint mir als Prototyp des Genres, die gezerrten Gitarrenmelodien gehen ins Ohr, der Refrain ist mitreißend, der Gesang düster. Nach mehrfachem Anhören, fehlen jedoch die außergewöhnlichen Ecken und Kanten, das gewisse Etwas.

The same old song, what’s away that’s forgotten, a melody of some rotten…

Das Gitarrenintro zu Hero In A Tragedy erinnert an AC/DC’s Thunderstruck. Der Song an sich weist Ähnlichkeiten zu I’m the Stake auf, hat aber das, eben noch vermisste, Spezielle. Der Drang des Songs die Flucht nach vorne zu ergreifen, zaubert ein kleines Lächeln auf die Lippen des konzentrierten Hörers. Spätestens zur letzten Strophe, lässt die Harmonie zwischen Gitarre und Gesang auch die Augen des noch immer lächelnden Hörers funkeln. „The same old song, what’s away that’s forgotten, a melody of some rotten…“

Sensibler ist Hard Rock selten

Ebony_Archways_Moonburnt_03

Moonburnt – Out Now!

Past the Hollow, die Gänsehaut verbreitende Ballade eines liebenden Vaters, kommt so gefühlvoll rüber; der eigene Blick muss zwangsläufig aus dem Fenster, in die Ferne (zumindest bis zum nächsten Häuserblock) schweifen. Während die Wolken über das Blau des Himmels ziehen, die ruhigen Klavierklänge und dieses Gitarrensolo, das nie ein anderes hätte sein können, den, schon viel zu oft malträtierten, Gehörgang umschmeicheln, erübrigt sich auch die Frage zu den Worten die „Past the Hollow“ beschreiben. Das Lied ist schön, wunderschön… „As your father, always pure and undisguised, a soothing mirror you like yourself to see.“
Für einen kurzen Moment muss man sich schütteln, um wieder zu sich zu kommen, den Rest erledigt Blood. Gitarrist Christian Lechner beweist, dass er anstrengende Arbeit nicht scheut, zumindest nicht an der Gitarre. Dass der Mann weiß was er tut, hätte uns schon vor einiger Zeit klar sein können, doch jetzt haben sich selbst die letzten Zweifel erübrigt. Sein Solo geht auf den Hörer los, wie ein gut geöltes Maschinengewehr. „Abide, Decide, Suicide“. Von wegen… Mehr davon!

Das Ende naht, doch zuvor… Metastoned!

Im Intro trommelt Christian Forjan sein Schlagzeug vor uns auf und ab, die Gitarre streut zarte Töne darüber. Leidender Gesang setzt ein und… Metastoned! Ein bemerkenswertes Hörerlebnis, das kompositorisch hervorsticht, der Anklang einer Hard Rock Oper. Ebony Archways werfen ein letztes Mal all ihre instrumentalen, gesanglichen und Songwriter Fähigkeiten in den Pot und gewinnen.

Metastoned I creep, metastoned with style we fall.

Trotz den obligatorischen Gitarrensoli, beeindruckt die Ausgeglichenheit der Instrumentierung, die Artisten harmonieren hörbar.
Irgendwann wird irgendwer – wahrscheinlich wird es der Kerl sein, mit dem ohnehin niemand mehr reden will, weil er ohnehin alles besser weiß – herantreten und Moonburnt Monotonie vorwerfen. Für mich ist es viel mehr ein gefestigter Stil, ein roter Faden, der Moonburnt zu einer Einheit macht, es klingen lässt wie aus einem Guss.
Das standgehaltene Mauerwerk des kleinen Raumes gibt mir die Möglichkeit auf Repeat zu drücken.

Fotocredits: Ebony Archways

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.