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Mother's Cake - No Rhyme No Reason
Kreativität
Performance
Albumsound vs. Livesound
4.8STERNE

Ab 27. Jänner werden Mother’s Cake unsere romantisch-winterlichen Kamin-Kuschelabende mit ihrem bereits dritten Studioalbum unwiederbringlich terminieren. Wieso uns das alles andere als stören wird, verrät euch dieses Review.

Nach den Vorboten „The Killer” und „Black Roses” ist es bereits nahezu unmöglich, „No Rhyme No Reason“ nicht mit Spannung zu erwarten. Während „The Killer“ einer der treibendsten, intensivsten und eingängigsten Nicht-Metal-Single Releases 2016 war, könnte der tragende, teilweise epische Track „Black Roses“ ohne Weiteres als James Bond Soundtrack fungieren. Der Opener auf „No Rhyme or Reason“ wiederum wirkt, wenngleich nicht so smashig wie „The Killer“, doch um einiges repetitiver, straighter und strukturierter als die meisten früheren Werke der aus Tirol stammenden Psychedelic-Rocker. Tatsächlich legt er den Grundstein für ein Alternative-Album mit Popambitionen.

H8“, Track Nummer zwei, bestärkt den Eindruck, dass das Trio rund um Gitarrist und Sänger Yves Krismer sich auf diesem Album in wirklich unbeschreiblich spezieller Manier dem Mainstream-Rock annähern wird. Obwohl sich der Song ab gefühlter Mitte voll und ganz in ein an Filmmusik erinnerndes Outro verliert, ist das, was bis dahin passiert, um einiges direkter, als man es sich von Mother’s Cake vielleicht erwarten würde. Vor allem aber ist eine Hookline erneut nicht lange zu suchen – der Refrain würde auch bei DurchschnittsradiohörerInnen durchwegs hängen bleiben und die erste Hälfte des Tracks, dank des 4/4 Takts, möglicherweise sogar von Alternative-scheuen MusikfreundInnen getanzt werden.

Mother’s Cake – No Rhyme No Reason (c) Membran Entertainment Group

Während „Now or Never“ getrost als erster, beeindruckender Rückfall zu Mother’s Cake-typischem, experimentellem Rock mit unaufdringlichem Refrain gesehen werden kann, beschert Track fünf, „Big Girls“, die erste richtige Überraschung auf „No Rhyme No Reason“. Obwohl abermals aufgefrischt durch eine Genregrenzen-sprengende Vielfalt an unterschiedlichen Parts, vermittelt „Big Girls“ hauptsächlich positive, nahezu fröhliche Vibes. Außerdem wieder mit von der Partie: Ein klar erkennbarer, sich wiederholender Refrain. Und gerade wenn man denkt, es sei nun, nach zwei Studioalben und fünf Songs an der Zeit für einen endgültig durchbruchverschaffenden Hit, liefern Mother’s Cake mit „The Sun“ den wahrscheinlich Mother’s Cake-typischsten Song des ganzen Albums ab. Wenn ein Gitarrenriff sexy sein kann, ist es dieses; wenn ein Song Erwartungen mehrmals brechen kann, ohne dabei auch nur ein einziges Mal anstrengend zu werden, ist es dieser; wenn man sich wünscht, dass ein Lied kein Welthit wird, weil man es am liebsten für immer in einem Club mit 50 Leuten abfeiern will, dann „The Sun“.

An dieser Stelle des Albums fühlt man sich zugegebenermaßen etwas verarscht. Es ist, als würden die Jungs regelrecht auf einen radiotauglichen Hit hinführen, nur um dann alle Erwartungen wieder zu zerstören – noch nie im Leben wurde man lieber verarscht. Und in genau dieser Tonart geht es weiter. „Streetja Man“ irritiert auf ansprechend progressive Weise und ist mehr langer, genialer Jam als Song. Die Tatsache, dass er am Album ist, unterstreicht einmal mehr den Mut der Jungs, sich nicht an konventionelle Popmusikcharakteristika zu halten. (Und endlich hört man Bassist Benedikt Trenkwalder ausgiebig slappen, wenn auch er sich am Rest des Albums perfekt passend zurückhält.)

Mother’s Cake – (c) Andreas Fleckl/PARADOX

Und boom, es passiert. Gerade hat man sich daran gewöhnt, dass „No Rhyme No Reason“ Kommerzfähigkeit lediglich andeutet, kommt „Enemy“ mit einer geballten Ladung Funk und Soul auf derart ausziehende Weise angetanzt, dass man sich beim Schreiben eines Albumreviews im Sitzen beim Shaken ertappt. Eine leidenschaftliche Emotionsexplosion, gepaart mit verwaschenen Sounds und ja, dennoch wieder Parts, die das Lied von jedem Mainstreamradio fernhalten werden. Der Teil des Herzens, der Mother’s Cake nichts mehr als den weltweiten Durchbruch wünscht, weint, aber der für Rock’n’Roll-lebende lacht derart laut, dass das Weinen verstummt. Und daran ändern auch die beiden letzten Tracks, „Hide & Seek“ und „Isolation“, nichts mehr – Mother’s Cake werden der alternativen Szene erhalten bleiben.

Resümee

Normalerweise hebt man bei einem Album-Review MusikerInnen hervor, lobt oder kritisiert. Aber immer, wenn Mother’s Cake bis jetzt ein Album vorgelegt haben, hat das keinen Sinn gemacht. Und so auch diesmal. Es bleibt leider, wie schon bei den beiden Vorgängeralben, zu sagen, dass kein Studio die nahezu unverschämt hohe Live-Qualität von Drummer Jan Haußels, der nach wie vor unvergleichlich das Fundament der Band darstellt, Trenkwalder und Krismer einfangen kann. Und dennoch wird „No Rhyme No Reason“ jeden Mother’s Cake Fan mehr als bloß zufriedenstellen. Vor allem deshalb, weil sie ihrer Zielgruppe treu bleiben – wir bedanken uns aus tiefstem Herzen.

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