„Naked Wolf“, erstes Album von Naked Wolf

Der Tiroler Drummer Gerri Jäger war (diesmal mit der Band „Naked Wolf“ ) wieder produktiv: Am 7.November letzten Jahres erschien das neue Album „Naked Wolf“, welches im Electric Monkey Studio in Amsterdam aufgenommen wurde. Typisch und auch dieses Mal kennzeichnend für die Produktionen, bei denen Gerri Jäger dabei war, sind dämonische Sounds mit viel Elektronik, wilde Soli, scharfe, aber erdige Beats, hypnotische Riffs und poetische Texte. Naked Wolf ist eine internationale Band, die Musiker stammen aus Frankreich, Brasilien, Österreich, Finnland, den Niederlanden und Australien, sie haben sich in Amsterdam gefunden und erobern auch von dort aus die musikalische Szene. Die Musik Naked Wolfs verbindet mehrere Genres wie Jazz, Electronic, Industrial, Klassik, Worldmusic und Pop. Nach den Erfolgen bei den Festivals in Cerkno (Slowenien), North Sea Jazz (Niederlande) und Wels haben die Wölfe unter dem belgischen Label El Negocito Records ihr erstes Album released.

furioser start

1. umpteenth funeral march

Das Album startet mit einem interessanten Bassriff (gespielt von Luc Ex am Akustikbass), welches den Groove für das Lied vorgibt, und man kann schon an der Qualität der Nebengeräusche der Saiten erkennen, wie professionell die Aufnahme gemacht worden ist. Mit einem gewaltigen Offbeatakkord der Gitarre startet die Rhythmusgruppe, die durch gut getimte Effekte die Bläserriffs vorbereitet (unterstützt von der Sängerin Felicity Provan). Daraus entwickelt sich ein interessantes Gitarrensolo (Miskael Szafirowski versteht es, mit einfachsten Mitteln große Wirkung zu erzielen und man hat das Gefühl, als ob man zusammen mit der Gitarre in den Himmel steigt). Die Musik wird dann immer wilder, Industrial Einflüsse machen sich mehr und mehr bemerkbar, der Song artet in totaler Freiheit aus, bis der Anfangsgroove wieder etwas Ruhe bringt. Es ist ein Powertrack, der perfekte Opener für diese Album.

2. dont quiver

Beim zweiten Song des Albums beginnt die Sängerin Felicity Provan mit einzelnen Worten, die nach und nach von den anderen Musikern mit kurzen Statements begleitet werden (klingt nach Einflüssen zeitgenössischer Klassik wie z.B. Edgar Varese oder Luciano Berio, wozu vor allem Yedo Gibsons Klarinettenspiel beiträgt).  Die kontinuierliche Steigerung spornt Felicity immer mehr an, sie wird gesanglich und ein kurzer Groove entsteht. Beeindruckend für mich ist, wie sorgfältig die Band Felicity begleitet und wie trotz der improvisatorischen Freiheit ein interessantes Rhythmusgefühl entsteht.

nackter wolf wird zärtlich

3. kera cahol

Der dritte Song aktiviert wahrscheinlich das Herzchakra und strahlt Versöhnung und Frieden aus. Der Klavierklang (von Ofir Klemperer gestaltet) ist wunderschön und verbindet sich perfekt mit dem Sound der E Gitarre Miskael Szafirowskis. Die beiden wechseln zwischen Unisonolinien und interessanten, freundlichen Harmonien und bereiten auf diese weise Ofir Klemperers Gesang in hebräischer Sprache mit Trompetenbegleitung vor.

4. metals in water

Beim vierten Song gehts wieder zurück zum Energielevel des ersten Songs. Das Bass- & Trompetenriff ist einfach nur geil, (die Gitarre ergänzt es quasi mit einem Antiriff) und Ofir Klemperer fügt sich gesanglich sehr gut ein. Gerri Jäger legt einen sehr groovigen zweideutigen Rhythmus (6/8 bzw. 4/4-Takt) zugrunde. Diesen Part könnte man ewig hören, doch es entsteht ein freier Teil, der mich klaviermäßig an Franz Liszt, insgesamt an György Ligeti erinnert und die ewige Weite des Kosmos simuliert. Irgendwann beginnen dann Gerri Jäger und die Gitarren zu pushen, woraus ein wilder Groove entsteht. Kurz vor dem Höhepunkt bereitet das Klavier eine versöhnliche Melodie, gesungen von Ofir Klemperer und Felicity Provan, vor, und mit dem geilen Anfangsgroove geht dieser aufregende Track zu Ende.

5. pockets

Beim fünften Song fehlt mir die sonst so gelungene Einheit, die Musiker wirken nicht so gut aufeinander abgestimmt wie bei den anderen Tracks, der Song ist zerklüftet wie ein unwegsames Felsgelände. Dem Gesang fehlt der Nährboden und wirkt desorientiert.

wieder wilder

6. trip trap

Track Nummer sechs fängt auch frei und wild an, man merkt jedoch, dass die Musiker wieder zusammengefunden haben und es entsteht ein rockiger Groove. Die Saitengeräusche des Akustikbasses von Luc Ex kommen wieder gut zur Geltung sowie auch die Effekte des Gitarristen und Ofirs MS20 Synthesizer. Sehr passend und auch perfekt produziert sind die diversen Percussioninstrumente Gerri Jägers. Dann kommt der große Auftritt Yedo Gibsons, der sein Tenorsaxofon zum wilden Wolf werden lässt (Der Brasilianer ist einer der Rädelsführer der freien improvisierten Musik und hat – obwohl erst knapp über 30 – schon mit sehr vielen Bands Musik aufgenommen und in Amsterdam das Royal Improvisers Orchestra gegründet, welches aus 20 Musikern verschiedenster Stilrichtungen besteht). Nach einem kurzen Noise Break und einem Gitarrensolo mit Wah-Effekt endet dieser energiegeladene Track mit schrillen Bläsermelodien. Bei dieser Gelegenheit möchte ich die sehr gute Arbeit der Studiotechniker des Electric Monkey Studios in Amsterdam hervorheben, die diese CD perfekt aufgenommen und abgemischt haben. Es war sicherlich eine Herausforderung, die vielen Ideen der Musiker umzusetzen und auszubalancieren, das Ergebnis kann sich auch in dieser Hinsicht sehen und vor allem hören lassen.

7. cosmos soda

Ein Gewirr an Geräuschen steht am Beginn der siebten Nummer, während eine verzerrte Stimme ekstatische Ausbrüche vollzieht. Nach einem kurzen Ruhepunkt entsteht dann Industrial pur: schräge Sounds, aufregende Stimmung, die etwas später ins Nachdenkliche übergeht. Hochspannungsintensität, subtile Momente, Impressionen von Industrialisierung, Mittelalter und Krieg. Ein sehr gutes Exempel dafür, wie emotional vielschichtig Musik sein kann.

sattes ende

8. the wolf and his coat

Zum Abschluss beginnen zarte Geräusche den hungrigen Wolf nachzuahmen, was extrem gut gelungen ist, es folgt eine heroische Trompetenmelodie (von Yedo Gibson mit Saxofonsolo begleitet), die Energie wird langsam gesteigert bis ein kurzes Drumsolo von Gerri Jäger zu einem Klavier / Trompete (Felicity Provan) Duett überleitet, Bass, Percussion und Effekte gesellen sich dazu und unterstützen die beiden dann beim ruhigen Ausklingen: der hungrige Löwe ist satt geworden.

naked wolf

„Naked Wolf“, das ertse Album Naked Wolfs

Die Musiker: 

Seb El Zin                             (Vocals)
Felicity Provan                    (Vocals, Trompete)
Yedo Gibson                        (Saxophon, Klarinette)
Miskael Szafirowski           (E-Gitarre, Percussion)
Ofir Klemperer                    (Klavier, ms20-Synthesizer, Vocals)
Gerri Jäger                           (Drums, Percussion)
Luc Ex                                   (Akustikbass)

„Inmitten der Soundgewitter kann ein tanzbarer Groove auftreten. Fühlen Sie sich frei zu tanzen“ ist Naked Wolfs Motto. Ihr erstes Album ist extrem gut gelungen, die Musiker harmonieren meist perfekt, vor allem soundmässig wurde auf kleinste Details geachtet und emotional einiges transportiert. Die Symbiose zwischen den Instrumenten und den Gesangsstimmen (die klanglich auch sehr gut ins Gesamtkonzept passen) ist hervorragend,  „Naked Wolf” kann man für 12€ hier bestellen. Für abenteuerlustige und tiefgründige Musikhörer eine Bereicherung ihrer CD-Kollektion!

Fotocredit: Naked Wolf

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