Neonlight - "My Galactic Tale"
Produktion
Atmosphäre
Story
Kunstanspruch
4.6Sterne

Ein Konzeptalbum, welches gleichzeitig Harmonie und eine brachiale Gewalt ausstrahlt, aber auch auf dem Dancefloor bestens funktioniert

Seit dem 6. Mai 2016 steht das Debütalbum „My Galactic Tale“ von Neonlight in den Läden. Die Platte wurde auf dem holländischen Erfolgslabel Blackout Music veröffentlicht und umfasst 16 Songs, die den Hörer quer durch die Galaxis befördern. Zweieinhalb Jahren dauerte der Schaffensprozess.

Tobias und Jakob sind ein dynamisches Duo, das der Drum’n’Bass-Szene schon seit Jahren mächtig ihren Stempel aufdrückt und zu den innovativsten Produzenten-Teams auf dem Globus zählt. Seit ihrem ersten Release 2007 auf No Breaks hat sich viel getan. Zahlreiche Releases auf renomierten Labels wie Bad Taste, Trust in Music, Viper, Eatbrain, BSE Recordings und RAM Records sprechen eine deutliche Sprache.

Neonlight Promo (c) Paul Kuchel/Pykado

Neonlight Promo (c) Paul Kuchel/Pykado

Nach der „Sidus“ EP, die den Thron der Beatport Drum & Bass Charts erklomm, wurden die beiden Künstler exklusiv bei Blackout unter Vertrag genommen. Im letzten Jahr folgte die „Edge“ EP mit Wintermute und eine groß angelegte Tour durch Australien und Neuseeland mit der Blackout-Posse .

Analyse

Szeneexperten und DJ-Größen loben die Platte in höchsten Tönen. Ed Rush von Virus Rec. betitelt das Werk als „Monsteralbum“. Pendulum geben zu, dass sie lange darauf gewartet haben und es großartig finden. Die Labelchefs von Black Sun Empire haben seit Tagen feuchte und benetzte Unterhosen, da sie sich so sehr über das Release freuen.

My Galactic Tale Cover (c) Steve Sroka

My Galactic Tale Cover (c) Steve Sroka

“… my name is Dr. Martin Shepherd and this is my galactic tale!”

Genau das sind die letzten Wörter des Prologs, der von MC Lowqui eingesprochen wurde. Ein gestandener Lyriker, der regelmäßig für Größen wie S.P.Y., Goldie, DJ Marky oder The Upbeats am Mikrofon steht. Der Sprechsänger schafft eine stellare Atmosphäre und stellt den Hörer auf die folgenden 72 Minuten ein. Man darf ein detailreiches und grandioses Konzeptalbum bewundern. Die Platte kommt mit drei Feature-Partnern locker-lässig um die Ecke. Neben Loqwui nehmen der Leipziger Freund Wintermute und die Sängerin Solah am Geschehen teil. Das sind wohldosierte Gastbeiträge, die der Scheibe guttun. Die Platte baut auf einem fünfseitigen Comic auf, der auf dem CD-Booklet abgebildet ist. Eine extra hierfür konstruierte Science-Fiction-Story, die auf jeden Song zugeschnitten wurde. Das im Comic-Stil kreierte Coverartwork spricht Bände und man kann sich die Geschichte schon ein wenig vorstellen.

Nicht nur auf visueller Ebene besticht der Konzeptgedanke der galaktischen Geschichte. Man trifft auf einen Helden, ein Raumschiff und auf einen Gegenpart, den Bösewicht. Man erlebt eine Katastrophe und schlussendlich eine Flucht. Die Produktionen ähneln einem Film-Soundtrack. Beispielsweise der Track „Neon City„, der direkt nach dem Introtune ertönt. Orchester-Klänge, Symphonien und Töne, die hart und weich zu gleich klingen, türmen sich gegenseitig nach oben und entfachen beim Break einen Dancefloor-Kracher der Extraklasse.

Es enstehen ausdrucksstarke Bilder. Eine Verfolgungsjagd zweier Raumschiffe läuft vor dem inneren Auge ab und beschwört ein Szenario, das einem alten Science-Fiction-Spiel von einer 16-Bit-Konsole ähnelt. Ein düsteres Soundbild, welches auf und abspringt, variable Höhen und Tiefen charakterisieren die einzelnen Tunes. Als weiteres persönliches Highlight muss „Frontier“ genannt werden. Der dezente Gesang von Solah setzt dem Song und der Story die Krone auf.

Das Abenteuer von Dr. Martin Shepherd, seiner jungen Assistenten Mary Sinclair und dem Piloten Jack Leinad ist spannend und fesselnd geschrieben. Tracks wie „Towering Inferno“ machen einfach Spaß. Dunkel und drückend, ein echter Banger, der pure Dopeness ausstrahlt. Die restlichen Songs sind alle qualitativ hochwertig und feinster Neurofunk, aber auch musikalische und harmonische Elemente wuchern hin und her. Es kracht, es rumst. Manchmal hektisch und manchmal verträumt. Man denkt wirklich, man wäre in einer fernen Galaxie.

Fazit

Wie Syncopix bin ich der selben Meinung, dass das Schaffen der „entspannten“ Aggressivität den beiden Produzenten hervorragend gelungen ist. Das ist nicht nur erstklassiger Neurofunk-DnB, das ist Musik mit nachhaltiger Substanz. Der Aufwand, die Mühe und die Präzision haben sich gelohnt, die Produktionen sind einzigartig. Ohne gewohnte Pfade zu verlassen, erweitern die beiden Leipziger ihr Kunst-Spektrum. Ein unglaublich fetter Sound.

Man kann sich fast nicht entscheiden, welche Songs am besten sind. Ein sehr homogenes Album, das keine Schwächen aufzeigt. Der Kunstanspruch ist sehr hoch, die Science-Fiction-Geschichte ist passend arrangiert. Die Odyssee durch den Weltraum ist stimmig und spannend. Welcher Produzent kommt denn auf solche „neuen“ Ideen? Das nennt man Selbstverwirklichung. Eines der wenigen Konzeptalben, die die Drum’n’Bass-Szene zu Gesicht bekommen hat. Ich sage hervorragend, alles richtig gemacht.

Tracklist öffnen

01 – NEONLIGHT – Intro feat. LOWQUI MC

02 – NEONLIGHT – Neon City

03 – NEONLIGHT – Project Flare

04 – NEONLIGHT – Critical State

05 – NEONLIGHT – Queen Beth V

06 – NEONLIGHT – Ignition

07 – NEONLIGHT – Microbots

08 – NEONLIGHT – The Towering Inferno

09 – NEONLIGHT – Tailspin

10 – NEONLIGHT – Lost Signal

11 – NEONLIGHT – Rascals

12 – NEONLIGHT – Triple B

13 – NEONLIGHT & WINTERMUTE – Shovel Groove

14 – NEONLIGHT – The Story Of Sidus

15 – NEONLIGHT – Bad Omen

16 – NEONLIGHT – Frontier feat. SOLAH

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