Neues Kreisky-Album "Blitz": Konsequent mies gelaunt
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4.2STERNE

Kreisky bleiben ihrem kaum verwechselbaren Stil  treu.  Am 16. März erschien mit „Blitz“ nun das fünfte Album der Wiener Band bei Wohnzimmer-Records.

Wer bereits mit dem musikalischen Werk von Franz Adrian Wenzl (Gesang, Orgel, Synthezizer), Martin Max Offenhuber (Gitarre, Backing Vocals), Gregor Tischberger (Bass, Backing Vocals) und Klaus Mitter (Schlagzeug) vertraut ist, weiß, worauf er sich einlässt: Ätzende, schlampig heruntergeschrammelte Gitarrenakkorde und Noise-Elemente vermischen sich mit mal unschuldig harmonischen, dann wieder aggressiv plärrenden Orgel- und Synthezizerarrangements. Unterlegt wird das Ganze mit einem simplen aber massiven Boden aus Bass und Schlagzeug. Immer wieder gibt es auch melancholischere, ruhige Nummern. Gewürzt ist das Ganze mit einer Prise stilistischer Weirdness und mies gelaunter Lyrik.

Brave Pferde und Geschlechterklischees

Mit diesem Stil halten die vier Musiker auch auf „Blitz“ nicht lange hinterm Berg. Die ersten Takte der Eröffnungsnummer „Bein Bauch Bein Po“ werden dem Hörer unvermittelt ins Gesicht geschleudert. Es empfiehlt sich, den Lautstärkenregler – vor allem wenn man Kopfhörer trägt – zunächst nicht zu hoch zu schieben. Als nächstes folgt „Veteranen der vertanen Chance“. Dazu gibt es bereits ein Musikvideo, das die Band sich selbst beweinend und miteinander solidarisierend in der Selbsthilfegruppe der „Anonymen Loser“ zeigt. Auch bei „Blitz“ lassen sich Kreisky auf kein bestimmtes Genre festnageln und bedienen eine beachtliche stilistische Bandbreite. „Braves Pferd“, ein Stück über menschliche Treulosigkeit und Verrat aus der „unschuldigen“ Sicht des Tieres, enthält verzerrte Hardrock-Gitarrenriffs. Zu den sarkastisch klingenden Lobpreisungen an den allwissenden und stets intervenierenden Vater im Heimat-Stück „Saalbach-Hinterglemm“ kann dank Disco-Beat gut getanzt werden. „Autokauf ist Männersache“– was zunächst klingt wie der Programmtitel einer Mario-Barth-Show, ist ein Stück über Eitel- und Verletzbarkeiten des männlichen Geschlechts.

„Ich löse mich auf“ ist eines der klassisch kreisky’schen Melancholiestücke, welche man am Besten nach einem schrecklichen Tag in sich aufnimmt und wirken lässt – samt ohrwurmverdächtigem Refrain. Im Vergleich zu ähnlich misanthropischen Kreisky-Songs wie „Die Menschen sind schlecht“, entfaltet der Text allerdings nicht sein volles Potential. Er stützt sich auf Zeilen, die allzu klassisch für derartige „Ich-rechne-mit-der-Menschheit-ab“-Nummern klingen. Es fehlt etwas an charakteristischer Note und Brillanz wenzl’scher Songlyrik. Sänger Franz Adrian Wenzl lässt sich auch auf „Blitz“ nicht vom Zwang des Reimens unterkriegen. Er schwankt  phasenweise zwischen Pop-Gesang und resignativer Plauderei. Gerade dieser Stil gibt Kreisky-Nummern seit jeher authentische Kraft.

Fazit

Kreisky bieten die wundervollste Ästhetisierung schlechter Laune, die es in der österreichischen Musiklandschaft gibt. Diesem Ruf werden sie mit „Blitz“ wieder einmal gerecht. Die Platte zeichnet sich weiters durch musikalisch-lyrische Vielfalt aus. Regelrecht hymnentaugliche Nummern wie „Scheiße, Schauspieler!“, „Dow Jones“ oder „Pipelines“ sucht man dieses Mal aber leider vergeblich.

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