Life is Pain präsentiert das vierte Soloalbum „Eiskalter Engel“ des Essener Rappers PA Sports, welches viele Fragen offen lässt.

Albumcover - Eiskalter Engel

Der griechische Dichter Pindar sagte einmal: „Lerne, was du bist, und sei es.“
Wofür genau PA Sports nach diesem Album steht, fragt sich wahrscheinlich nicht nur meine Wenigkeit, denn zu auffällig sind die inhaltlichen Kontraste des Essener Rap-Künstlers auf Eiskalter Engel.
Auf der einen Seite haben wir das Battle-Flow-Monster, das ohne Gnade alles terminiert, was sich ihm entgegenstellt und dabei nur zu gerne auch die „schönen“ Seiten des Lebens in Form von Mercedes Benz, leichten Frauen, Knarren und Diamanten lobpreist.
Auf der anderen Seite steht der nachdenkliche Parham Vakili, so PAs bürgerlicher Name, der eben all das verteufelt und Jugendlichen davon abrät.
Ein Widerspruch, der sich durch das ganze Album hindurchzieht. Aber der Reihe nach…

Von der Strasse, für die Strasse

Eiskalter Engel beginnt mit einem starken Intro, in dem PA gewohnt flowsicher und druckvoll die „Aufräumphase“ einläutet, samt sauber produziertem Beat und der passenden Atmosphäre. Passt!
Weiter geht es mit Auf dem Weg. Hungrig und wütend werden Benz, Bentley und die fünf Sterne-Residenz gefeiert. Wer`s mag… den Gesang hätte sich PA allerdings sparen können.

Natürlich darf in den entsprechenden Hotel-Suiten nicht der passende RNB-Rap-Collabo-Song fehlen, der mit einem Feature vom RNB Sänger Donell Lewis in Form von All Day um die Ecke kommt. „Ich komme nur auf die Party, wenn das Business sich lohnt“ … mehr muss man denke ich nicht sagen.

Meine Werte könnte den ersten Themen-Song darstellen, aber versagt leider inhaltlich total. Bis zur letzten Zeile fragt der Hörer sich vergeblich, was die Werte PA Sports sind? Benz, Gold, Patte? „Meine Werte bleiben echt“ schallt es aus den Boxen und es wäre echt schön, wenn man wenigstens einen dieser Werte dann mal identifizieren könnte. Flowtechnisch brennt der Song allemal und selbst die Gesangseinlage PAs sitzt… Schade, dass inhaltlich nichts rüberkommt!

Technisch volle Punktzahl

Hinter jedem starken Mann ist eine starke Frau“ heisst es in Scherbenpuzzle. Untermalt mit einem schönen Beat und einem solide auftretenden PA kann der Song durchaus überzeugen und seine Hörer nicht allein durch die passende Atmosphäre in seinen Bann ziehen, selbst wenn das Thema für viele nicht neu ist. On point.
Karma is` ne Bitch erinnert mich auf den ersten Blick natürlich direkt an Nas` „Life`s a bitch“ und weiß auf seine Art auch zu überzeugen. Ein toller Beat, kraftvolle Raps, eine weitere solide Gesangs-Hook und teilweise echt Ohrwurm Potential. Vielleicht würde es dem Gesamtkonzept gut tun, wenn PA mal die Knarren und Kugel-Sätze weglassen würde, aber alles in allem ein gelungener Song.
Jetzt folgt eines der absoluten Highlights der Platte mit Rap Heavyweight. Vorweg, auch hier stören mich die Knarren und Kugel-Sätze, da ich mir nur schwer vorstellen kann, dass PA in Essen City mit einer Beretta rumläuft. Dennoch ist der Song dermaßen pervers geflowt, dass so ziemlich alles zersägt wird, was nicht niet- und nagelfest ist. Eine Atomexplosion in Rapform. Fantastisch! Böse! Hip Hop.

Azizam ist ein netter Lückenfüller, auf den dann der beste Song des Albums namens Zendegi folgt, was so viel wie Leben heißt. Auch wenn das Thema und das Wort Leben ein allgemein oft genutztes Wort im Hip Hop Bereich ist, lässt sich auch im weiteren Verlauf des Albums nicht leugnen, dass Azads erste LP „Leben“ einen bleibenden Eindruck bei PA hinterlassen hat. Zendegi kann mit einem atmosphärisch starken Vocal-Sample-Beat überzeugen und bietet PA die perfekte musikalische Untermalung für einen wirklichen Gänsehaut Rap, der keine neuen Fragen stellt, aber das bereits Bekannte auf unglaublich intensive Art und Weise zu verpacken weiß. „Wir sind verblendet von dem Gift der Vergänglichkeit, ich kann verstehen warum sich niemand hier die Hände reicht.“ TOP!

Wer ist PA Sports?

Verblendung kommt mit Desperado-Bruder Kianush und dem Sänger Amir daher und zieht mich nicht wirklich in seinen Bann, selbst wenn ich nach wie vor eine Schwäche für die Raps von Kianush habe.
Fernglas stellt jetzt die alles entscheidende Frage. Wer ist PA Sports?
Der Song zeigt einen sehr nachdenklichen jungen Mann, der Kids und Jugendlichen anscheinend konstruktive und sinnvolle Ratschläge fürs Leben geben kann, die aber andererseits völlig konträr zu vielen anderen Aussagen stehen.
Warum verteufelt PA den Materialismus und Statussymbole hier, wenn er sie an anderer Stelle bis ans Limit lobpreist? Ich erinnere an meinen Einleitungssatz „Lerne, was du bist, und sei es.“
Der nächste Song Sommer unterstreicht diese Misstände so dick, dass einem schon fast die Worte fehlen. Nicht nur, dass KC Rebell und Kurdo inhaltlich am Sommer-Thema komplett vorbei schreiben und man im Grunde alles feiert, was in Fernglas als schlecht identifiziert wird, so fällt auch ein Satz, der mich wirklich an den „wahren“ Absichten PAs in Bezug auf Hip Hop zweifeln lässt. So sagt Kurdo in seinem Part, „Scheiß auf Hip Hop, meine Jungs nicken nicht.“ … Nicht das solche Sätze neu wären in der Szene, doch gerade ein PA Sports hat in Interviews immer die Fahne für Hip Hop hochgehalten und sich als 24/7 Rapper und Hip Hop-Fetischist verkauft. Sollte man sich da nicht mal die Parts seiner Rap-Kollegen auf dem eigenen Album genauer anhören? Vielleicht nur ein Missverständnis, das dem übereifrigen Hip Hop Redakteur auffällt…
Kille mit den Lines macht da weiter, wo Sommer aufhört. Nutten bangen, Pumpgun, Benz und Edelleder im Bentley. Langweilig.
Aus Hamburg hat sich PA für Battlefield Life Ex-Rattos Locos MC BOZ mit ins Boot geholt, der auch ordentlich abliefert. Solide.
Beim nächsten Track Alemania Westside mit Manuellsen überkommt mich ein leiser Anflug eines Fremdscham-Tornados. #nuffsaid

Rap Heavyweight 2 fickt laut PA Sports auch alles weg, wollen wir es dabei belassen.
Zum Abschluß ein etwas überraschendes Feat. mit Raf Camora, der auf dem letzten Track Am Ziel aber doch recht gut mit Mister Sports harmoniert. Solide.

Fazit

PA Sports kann flowen, PA Sports hat Energie und die Beatauswahl passt auch. Inhaltlich enttäuscht Eiskalter Engel leider so gut wie in jedem Track, auch wenn die richtigen Ansätze immer wieder zu erkennen sind. Für mich ist PA Sports ein absoluter Könner am Mic, verliert sich aber viel zu viel im inhaltlichen Nonsens, das ist mehr als schade. Vielleicht sollte er sich mal zwei, drei Jahre Zeit für das nächste Album nehmen, um inhaltliche Essenzen besser lyrisch herauszuarbeiten. Das Potential und Talent ist definitiv vorhanden.

Bildquelle: Major Movez

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