Parasol Caravan: „Live at ORF Radiokulturhaus“
Songwriting
Sound
Innovation
Abwechslung
4.3Sterne

Im ORF Radiokulturhaus hat´s gescheppert, bis dass sich die Balken bogen. Parasol Caravan aus Linz, das ist österreichischer Stoner Rock mit gebündelter Wucht, haben dort in Wien ihr erstes Livealbum aufgenommen. Die Band bediente sich dabei der sieben Songs ihres Studioalbums „Para Solem“.

Ziel war es, die ungeschminkte akustische Kraft der Band vom Studio auf die Bühne zu hieven, um den Beweis der musikalischen Reife anzutreten. Mission geglückt: In den diesbezüglich heiligen Tonhallen des ORF hat es Parasol Caravan ebenda zur Meisterschaft gebracht. Die Oberösterreicher bestechen durch intensive Bühnenpräsenz, tightes Spiel und mächtige Riffs. Abseits des FM4-Hipster-Segments ein in Österreich leider vernachlässigtes Konzept. Das Quartett hingegen beweist trotzdem Mut zu paukenprallem Ostinato und haucht damit dem österreichischen Stoner Rock neues Leben ein.

Parasol Caravan live at Radio Kulturhaus (c) Panta R&E

Mit „Rising“ wird dem Publikum quasi der rote Teppich ausgerollt: Zornige Riffs, schmetternder Bass und brachiale Rhythmen wie vom Industriehammer in die Perkussion gestanzt, stellen etwaige Zweifel gleich zu Beginn ruhig. „Diarancor“ folgt dem Konzept der Kompromisslosigkeit. Dort werden Gitarrenhälse von oben bis unten und wieder zurück malträtiert. Zwischen den gravitätischen Orgien schwebt jedoch stets das Fanal des Ungewissen: Sphärische Klangeinlagen und Gesang in der Tradition des Stadionrocks sorgen für zusätzlichen Suspense.

Auf „Veneer“ wird der eingeschlagene Pfad nicht verlassen. Die Band ist warm gespielt, schlägt Härte und Schwere ihrer Musik dem Publikum weiter erbarmungslos um die Ohren. Der staubtrockene Fuzz-Effekt, den sich die Band gleichsam als Nukleinbase in die DNA-Helix transplantiert hat, ist dabei Substrat der triumphierenden Stromgitarren, die auf „Snash“ regelrecht in einem akustischen Kaventsmann gipfeln.

Das Rad wird hier zwar nicht mehr neu erfunden, doch Parasol Caravan beweisen nicht nur auf „Time Bender“ und „Black Monolith“ ihr Gespür für das psychedelische Element. Der progressive Zugang wird vor allem auf letzterem von einem entfesselten Keyboard getragen. Zum Schluss dann noch das über neun Minuten dauernde Drama „New Stone“, mit dem den blutenden Ohren und offenen Mündern final der rote Teppich wieder unter den Füßen weggezogen wird: Spektrale Gitarrensoli, die Hammond-Orgel aus den 70ern, das rustikale Stakkato der Rhythmus-Fraktion – es bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. „Live at ORF Radiokulturhaus“ ist feinster Desert Rock – ein Album wie ein Wüstensturm, Parasol Caravan eine Bereicherung für die österreichische Musikszene.

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