Parkway Drive - Ire
Sound
Texte und Message
Songzusammenstellung
Abwechslung
4.8Sterne

„There are the cruisy ones, the weird ones and the heavy ones“ – so beschreibt Sänger Winston McCall die Songs am neuen Album. Wir haben uns die Scheibe mal angehört.

Das neue Album von Parkway Drive trägt den sehr passenden Namen „Ire“ und wurde bereits am 25. September dieses Jahres veröffentlicht. Manchmal muss man Alben aber Zeit geben und sie einige Male ganz durchhören, um die Besonderheiten und Feinheiten wirklich schätzen zu können. Deshalb dieses doch eher späte Review.

Der Begriff „Ire“ bedeutet im Deutschen so viel wie „Wut“, „Ärger“ oder „Zorn“, und wenn man sich die Songs und die Texte anhört, wird schnell klar, dass der Name wie die Faust auf’s Auge passt (no pun intended). Die Themen des Albums sind sozial- und religionskritisch, aber die Texte beschreiben auch den Kampf mit den eigenen Ängsten.

Erste Reaktionen

Als Parkway Drive die erste Single des Albums veröffentlicht hatten, waren die Reaktionen der Fans und Kritiker sehr gespalten. „Vice Grip“ klingt definitiv sehr anders, als die Songs am vorhergehenden Album „Atlas“. Der Sound wirkt fröhlich, aufbauend und motivierend und auch der Text und das Video passen gut dazu. Das Hauptthema ist, seine eigenen Ängste zu überwinden und genau das hat die Band im Video getan – nach diversen Probesprüngen und Training ist die gesamte Band mit Fallschirmen aus einem Flugzeug gesprungen. Und das, obwohl Sänger McCall panische Höhenangst hat. Meine Hochachtung.

Zu den anfänglich eher negativen Kommentaren über „Vice Grip“ und die dadurch entstehenden Vermutungen, wie das Album wohl klingen werde, sagt Winston McCall im Interview mit Impericon: „They are opinions. I don’t think any of them are invalid. […] If you don’t like it, it’s fine.

Jeder Song ein Kunstwerk für sich..

Jetzt aber zu den restlichen zehn Songs am Album, das zwar keinen richtig ersichtlichen roten Faden hat, aber jeder Song für sich ist etwas Besonderes:

Der erste Song am Album trägt den Namen “Destroyer” und fängt gleich mit einem typischen Parkway Drive Riff an. Danach kommen Drum-Schläge hinzu und man hört im Hintergrund Stimmen “Destroy! Destroy!“ rufen. Der Song hat einen richtig guten Groove und stimmt auf den Rest des Albums ein. Von den Lyrics her geht es um Kritik am Umgang mit dem Planeten auf dem wir leben.

Weiter geht es mit dem wahrscheinlich wütendsten Song am Album, “Dying To Believe”. Vor allem die Zeilen vor dem heftigen Breakdown bleiben im Kopf hängen und regen, gemeinsam mit dem Rest des Texts, zum Nachdenken an.

„The cancer’s in your heart
The poison’s in your mind
Forked tongue motherfucker tell me how the hell do you
Sleep at night?“

Über Vice Grip habe ich oben schon berichtet, danach kommt “Crushed” – die zweite Single, die vorab veröffentlicht wurde. Die Reaktionen darauf waren deutlich positiver, als die auf die erste Single, allerdings handelten sich Parkway Drive auch hier Kritik ein. Der Song klinge viel zu sehr nach einer Mischung aus Heaven Shall Burn und Rage Against The Machine und viel zu wenig nach den alten Parkway Drive Alben. Zugegeben, der Anfang erinnert ziemlich an „Endzeit“ von Heaven Shall Burn, das liegt aber auch sicher daran, dass die zwei Bands letztes Jahr gemeinsam eine riesige Co-Headliner Tour durchgezogen haben und auch Songs voneinander gecovert haben. Ich persönlich sehe darin nichts Schlechtes und bin begeistert vom Sound von „Crushed“. Im Text geht es um Machtverhältnisse:

„‚Cause if you can’t see the change, tell me what you see is key
It’s cash, blood and oil in the age of the refugee
They try to buy our minds, we ain’t selling
Bang, bang, bang, another nail in our coffins“

Zeit für Abwechslung

Einen ersten Hinweis auf andere Einflüsse gibt uns der Anfang von “Fractures”. Klänge, die an einen Dudelsack denken lassen, leiten den Song ein, der dann aber schnell zum üblichen, schnellen Metalcore Sound wechselt. Die Gangshouts erinnern ein bisschen an die, die am Anfang von „Wild Eyes“ vorkommen.

Der nächste Song, “Writings On The Wall”, könnte durchaus als einer der von Sänger McCall betitelten “weird ones” bezeichnet werden. Beginnend mit einem Streichinstrumenten-Intro lässt der Song mit seiner Andersartigkeit aufhorchen. Die Vocals klingen komplett anders, mehr nach Sprechgesang als nach Screams, aber trotzdem noch rau und irgendwie ein bisschen bedrohlich. Der Rhythmus, den die Drums darunterlegen, gepaart mit Klavierklängen und den Streichinstrumenten, die schon im Intro vorkamen, vollenden die düstere Stimmung des Songs. Im Verlauf werden die Melodien etwas epischer und „größer“ und es entsteht eine spannende Atmosphäre.

Mein persönlicher Favorit am Album ist „Bottom Feeder“, weil der Groove und die Riffs des Songs einfach perfekt auf den Text abgestimmt sind und das Lied so viel Energie ausstrahlt. Von der ersten Sekunde wird man mitgerissen und kann nicht anders, als beim Zuhören zumindest mitzuwippen.

Parkway Drive Albumcover

Handgefertiges Albumcover (c) Callum Preston

Genauso schnell, energiegeladen und wütend kommt „The Sound Of Violence“ daher. Der Song geht leider am Album nach dem großartigen vorhergehenden Lied ein bisschen unter, aber einzeln angehört kommt sein volles Potential zur Geltung.

Vicious”, der nächste Song, fügt sich auch gut in das Album ein, fällt nicht großartig gut oder schlecht auf.

Der Einstieg in “Dedicated”, dem vorletzten Song des Albums, ist emotional. Die Zeilen

“Twelve years I’ve fought for this
Twelve years, my heart still beats
For the ones who’ve stood beside me
Still strong
You can’t break me”

und der darauffolgende rasante Breakdown sind mitreißend und man fühlt sich nach den knapp dreieinhalb Minuten so, als könnte man alles erreichen und niemand könnte einen aufhalten. Egal, ob das die Intention war oder nicht, „Dedicated“ ist motivierend und ist sicher auch in jeder Sport-Playlist gut aufgehoben.

A Deathless Song“ ist der Abschluss von „Ire“. Der ruhige, melodische Beginn und die langsameren, klareren, fast gesungenen Vocals passen gut zueinander und ergeben ein stimmiges, abschließendes Gesamtbild.

Noch ein paar Worte…

…zum Albumcover. Man möge es vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen oder realisieren, aber das Cover für “Ire” wurde von dem Melbourner Künstler Callum Preston komplett in Handarbeit gefertigt und ist einen Quadratmeter groß – bestehend aus Holz, Keramik, Beton und Ästen von Eukalyptusbäumen (natürlich aus Australien). Einzig und allein das Logo der Band wurde mit Photoshop daraufgebastelt. Wahnsinn, oder? Wenn ihr den Entstehungsprozess in Kurzzusammenfassung sehen wollt, bitte hier lang:

Fazit

Natürlich unterscheidet sich dieses Album deutlich von den vorherigen Releases der Australier. Es sind viele neue Facetten zum Stil der Band dazugekommen und es wurde experimentiert, aber man hört ganz deutlich heraus, dass trotzdem vieles beim Alten geblieben ist: Parkway Drive stehen immer noch für wahnsinnig energiegeladene Songs mit heftigen Breakdowns, zu denen man einfach nicht still stehen- und schon gar nicht sitzenbleiben kann. Mit „Ire“ hat die Band etwas veröffentlicht, bei dem sie sichtlich Spaß am Schreiben und Produzieren hatte, und das macht das Album so authentisch. Von Parkway Drive werden wir mit Sicherheit nie etwas hören oder sehen, mit dem die Band selbst nicht zufrieden ist.

Hier könnt ihr euch das ganze Album übrigens kostenlos anhören.

Wenn’s euch gefällt, dann bitte auch kaufen, und zwar am allerbesten auf Konzerten oder im offiziellen Merch Store der Band.

Tracklist

1. Destroyer
2. Dying To Believe
3. Vice Grip
4. Crushed
5. Fractures
6. Writings On The Wall
7. Bottom Feeder
8. The Sound Of Violence
9. Vicious
10. Dedicated
11. A Deathless Song

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