Philipp Archan reflektiert über das Hier und Jetzt
Originalität
Melodien
Texte
Kitsch-Faktor
3.2Sterne

Auf seiner Debüt-EP „Now“ spielt Singer-Songwriter Philipp Archan mit den Grenzen zwischen unoriginellem Country-Pop-Kitsch und entwaffnend direkter Emotionalität.

Eine Debüt-EP über Neuanfänge, Selbstakzeptanz und schicksalshafte Liebesbeziehungen – ob Philipp Archan bewusst die Entscheidung traf, den inoffiziellen Soundtrack zu einer jeden Romanverfilmung von Schmotzetten-König Nicholas Sparks zu schreiben, oder ob es sich hierbei lediglich um einen bedauerlichen Zufall handelte, lässt sich nur mutmaßen. Fest steht jedoch, dass das Erstlingswerk des Singer-Songwriters klanglich wie textlich das Potenzial hat, von nun an immer dann als musikalische Untermalung eingesetzt zu werden, wenn für die Komposition eines eigenständigen Filmsoundtracks kein Budget vorhanden ist.

Was im ersten Moment recht negativ klingen mag, ist jedoch bei weitem nicht nur als Kritikpunkt zu verstehen: Mal melancholisch, mal sehnsuchtsvoll, mal zuversichtlich versteht es Archan, komplexe Emotionen in einfach verständliche, nachvollziehbare Songtexte zu verpacken. Egal, ob es sich hierbei um den Gefühlscocktail, der mit Neuanfängen einhergeht („Now“), oder um die an Ektase grenzende Euphorie angesichts eines sorgenfreien Sommertages („No Worries“) handelt – der Grazer findet für jede Situation und jedes Gefühl genau die richtigen Worte. Dass diese – oder ähnliche – Worte in der Vergangenheit bereits von einer Vielzahl anderer Künstler entdeckt wurden, gerät angesichts eines derart hohen Identifikationsfaktors mitunter schnell in Vergessenheit.

Untermalt werden diese Texte von wehmütig-sehnsüchtigen Melodien, die von dem omnipräsenten Geklimper einer Akustikgitarre mit Country-Flair getragen werden. Dieses fällt mal mehr („Now“), mal weniger melancholisch („I Believe“) aus, kann seine unterschwellige Schwermut jedoch nie vollständig abschütteln. Und während sich so in einigen Fällen eine gelungene Ergänzung des Liedtextes ergibt, wirkt diese Getragenheit in einigen Fällen unpassend und irritierend – so beispielsweise im vorletzten Song der EP, „Sun on my Skin“.

Fazit

Now“, die Debüt-EP von Singer-Songwriter Philipp Archan, ist geprägt von melancholischen Gitarrenklängen und bemüht sich, weniger durch Originalität als vielmehr durch emotionale Nachvollziehbarkeit zu überzeugen – und vielleicht ist das sowieso wichtiger.

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