Pimf - Jonas Justus EP
Beats
Flow
Texte
Gesamtkonzept
4.0Sterne

Eine EP von einem jungen Rapper, die reflektiert und erwachsen klingt

Ohne große Promosprünge veröffentlichte Pimf am 3. Februar 2017 via Heart Working Class die „Jonas Justus“ EP. Seit seinem nach innen gekehrten Debütalbum „Memo“ hat sich vieles verändert, der junge Musiker hat sich gefunden und viele Selbstzweifel aus dem Weg geräumt.

Die Liebe zum alten Sound und die gelebte Oldschoolmentalität schwingt auch wieder unterschwellig mit und ist bestimmt auch ein wenig für die Namensgebung verantwortlich. Der bekannte Detektiv der 3 Fragezeichen dominiert die Grundidee, zusätzlich heißt der Künstler auch Jonas. Fest steht dass man den alten Einfluss und die Wertevermittlung sofort hört. Pimf klingt absolut nicht wie der typische 22-Jährige. Für die ausgereiften Produktionen zeigt sich Marc Figuli hauptverantwortlich, der sieben Songs kreierte. Silvio Vincent bastelte das Intro zusammen.

Analyse

Der Rapper besitzt den Anspruch, zeitlose Musik zu kreieren, und legt keinen Wert auf ein konstruiertes Image oder erfundene Geschichten. Er rappt aus der Perspektive der Mittelschicht, einigen wird das wohl etwas zu unspektakulär erscheinen, jedoch spricht es bestimmt auch viele an, da es dem normalen Leben verdammt nahe kommt. Die Instrumentals schaffen eine verwegene und verstrahlte Atmosphäre, die viele kleine Details beinhalten.

Der erste Song „Sorgenfalte“ richtet sich primär an seine Mutter, eine kurze Danksagung für das entgegengebrachte Vertrauen. Es wird erklärt, warum er nicht den typischen Weg eingeschlagen hat und warum er für seinen Traum weiter alles auf eine Karte setzen möchte. „Einfach Mukke hören“ unterstreicht die innere Haltung bei den neumodischen Musiktrends und Vermarktungsstrategien nicht mitzuziehen, sondern lieber die Musik für sich sprechen zu lassen. Die Halbwertszeit, die inszenierte Prototyp-Verkörperung und gekünstelte Chartplatzierungen sind schon ziemlich gute Argumente. Das Gesagte wird gründlich dargelegt und dabei verständlich beschrieben. Das ist Musik mit Substanz und das Gegenteil von hohlen Phrasen.

Ich mach den ganzen Scheiß nicht des Geldes wegen
Auf’m Splash! in ’nem windschiefen Zelt im Regen
Is‘ mir lieber als irgendwo in Hotels zu leben
Ich will ein randvolles Plattenregal und ansonsten ist mir alles egal

Der nächste Track nennt sich „Golden State Hofgeismar“ und ist seiner Heimatstadt gewidmet. Der Rapper reflektiert seine Jugend und erzählt vom Leben auf dem Land. Jonas berichtet mit ehrlichen Zeilen und represented Hofgeismar äußerst sympathisch. Besonders die Hook ist ein klangliches Highlight und animiert zum Kopfnicken. Im vierten Track „Chatten zuviel, reden zu wenig“ mischt sich Weekend in das Geschehen ein. Beide Musiker philosophieren über die schnelllebigen und unpersönlichen virtuellen Welten und ihre Alltagsfolgen. Das ist richtig gut.

In „So weit so gut“ berichtet Pimf über seine aktuelle Situation in Verbindung mit den Erwartungen und Träumen aus seiner Jugend. Im Grunde ist dieser Track auch ein Spiegel der gesamten EP. Die Lyrics fassen das ganz gut zusammen.

Die einen ham‘ studiert, die anderen ham‘ gelernt
Ich hab mich auf der Suche nach mir selbst von allen anderen entfernt
Und was ich fand, ist der Grund, warum ich die Platte mache
Ich hatt es die ganze Zeit in der Jackentasche
Denn der Spruch über das Glück und diesen Schmied hat gepasst
Und dabei ist er noch nicht mal besonders tief

In „keine Mathematik“ erklärt der Rapper die Unterschiede zu einem normalen Beruf und seine Herangehensweise an die Kunst. Die Devise lautet, dass er keinen strikten Busisness-Plan verfolgt, sondern sich eher von seinem Gefühl leiten lässt. „Buzz Lightyeah“ mit Kico besitzt ein interessantes Thema und lässt die Jugendzeit und die damit verbundene Unbeschwertheit Revue passieren. Jedoch harmonieren die beiden Künstler nicht wirklich miteinander und der Song klingt auch vom Aufbau wie ein liebloses 0815-Feature. „Kinderzimmer“ sorgt für einen gebührenden Abschluss, verurteilt manche Machenschaften der Rapkollegen und bekräftigt nochmal das Vorhergesagte.

Gewinnspiele sind whack es geht um Reichweite und Klicks
Ich hab das Internet nie gecheckt aber live bin ich der Shit
Komm vorbei, du kannst dich gern für ein paar Pennys überzeugen
Und wenn ich nicht gestorben bin dann rappe ich noch heute

Fazit

Die Beats klingen richtig gut und wirken wie ineinander verknüpft, der Flow ist konstant flüssig. Genau das fördert den Hörgenuss und den Langzeitwert der Platte. Ein Release, der von seinen ehrlichen Lyrics lebt und das Leben des Künstlers genauso aufzeigt, wie es in der Realität stattfindet.

Pimf schaut zurück auf seine Jugend und reflektiert die sorgenfreie Zeit, die er damals hatte. Dabei zeigt er sich geordnet und erwachsen, wirft den Blick zurück, aber schaut auch fragend mit dem Fernglas in der Hand nach vorne. Eine gelungene EP von einem Künstler, der vielleicht wieder ein bisschen mehr in die Battlekiste greifen könnte. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen, man darf auf das zweite Soloalbum gespannt sein.

Tracklist öffnen

01. Sorgenfalte
02. Einfach Mukke hören
03. Golden State Hofgeismar
04. Chatten zuviel, reden zu wenig (feat. Weekend)
05. So weit so gut
06. Keine Mathematik
07. Buzz Lightyeah (feat. Kico)
08. Kinderzimmer

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