Poesie am Dienstag
Kreativität
Abwechslung
Songwriting
Konzept
Layout
4.7Poetisch

Nicht der Montag, sondern der Dienstag muss als Albumtitel herhalten. „Words on Tuesdays“ heißt das neue Album von Chili and the Whalekillers und Poesie trifft es hier schon ganz gut.

Die fünfköpfige Band Chili and the Whalekillers aus Wien hat im Mai 2015 ihr Album „a dot in the sky“ veröffentlicht und  Anfang 2016 gleich noch einen draufgelegt. Am 12. Februar erschien „Words on Tuesdays“, das bereits vierte Album der Band.
Die österreichischen und isländischen Mitglieder formierten sich 2009 in Salzburg. Zwei Jahre später ernteten sie mit ihrem Debütalbum „The Tragic Tale of Julie and the Crying Clown“ schon die erste positive Kritik. Dem folgte „The Banker on the Run“ und mit “Turn” erreichten sie den ersten Höhepunkt ihrer Karriere. Mit dem gleichnamigen Song landeten sie in Island auf Platz drei der Radiocharts. Auch andere Radiostationen in Österreich und Großbritannien spielten diesen Song. Nachdem Chili and the Whalekillers 2015 ihr viertes Album „a dot in the sky“ veröffentlichten, starteten sie ihre erste Tour durch Großbritannien. Und damit nicht genug, denn gleich darauf ließen sie mit „Words on Tuesdays“ aufhorchen.

Worte zum Dienstag

Cover "Words on Tuesdays" c)Chilli and the Whalekillers

Cover „Words on Tuesdays“ c)Chilli and the Whalekillers

Der Dienstag ist nicht nur irgendein Tag in der Woche. Die Poesie ist der Grund dafür, dass gerader dieser Tag ausgewählt wird. Es ist nicht mehr der Montag und noch nicht der Mittwoch. Irgendwie ist es der unscheinbarste Tag der Woche. „Da schwingt weder die Euphorie eines alkoholschweren Freitagabends, keine Tristesse eines Samstagabend-Barbesuchs über den letzten Abend mit der Option ausschlafen zu können, kein idyllisch entspannter Sonntag und kein Neubeginn wie Montag mit. Es ist einfach Dienstag“, verraten uns Chili and the Whalekillers. Über diesen Tag haben sich die Jungs also ordentlich Gedanken gemacht.
Die Songs gestalten sich sehr vielfältig – von tanzbaren Popsongs bis zu kunstvollen, verträumten Songs, wo man einfach die Gedanken schweifen lassen kann, ist so ziemlich alles dabei. Daher ist die Wiener Band auch schwer einzuordnen. Gewechselt wird zwischen Pop, Indie, Folk und auch Surfer Rock, weshalb auch das neue Album nicht langweilig wird.
Bei dem ausgefallenem Titel „Portait of a Ladyfish“ handelt es sich um den ersten Song der Platte. Dazu haben sie bereits ein Video gedreht.

Zwei Künstlerinnen und ein Künstler legen richtig los und zeichnen mit konzentrierten Gesichtern was das Zeug hält. Passend zur Rhythmik gleitet der schwarze Kohlestift mal schneller und mal langsamer über das Papier und anschließend auch über die Haut. Verträumter Pop trifft hier auf den psychedelischen Sound der 60er und „Portait of a Ladyfish“ zählt garantiert zu den Songs, zu denen getanzt werden kann.

Breitgestreute Thematik

Die Themen des neuen Albums sind besonders vielfältig und Chili and the Whalekillers haben uns ausführlich erklärt, wie breit die Thematik eigentlich gestreut ist: „Von euphorischen Liebeserklärungen mit Medizin und Schlaftabletten, bis zu Spaziergängen über sonnige Gehsteige auf denen ein nackter Mann im Zuge einer Performance einen Rollstuhl zerlegt (die lokale Polizei kann seine Intention allerdings nicht anerkennen und verhaftet ihn).“ Mit dabei ist auch ein Requiem für einen geliebten Menschen, dessen Aufmerksamkeit und Interesse sie an sein eigenes, geschlossenes Universum verloren haben. Auch das eigene Älterwerden und die Überforderung mit der Gegenwart wird thematisiert. Julias Reise nach Amerika mit einem Kafka Taschenbuch und den Postkarten, die sie schickt und ein Brief, in dem nicht alles steht, weil es unformulierbar bleibt – das alles sind Themen, die von Chili and the Whalekillers in Songs verwandelt werden.

Mit Letzterem ist wohl „Julie’s gone to America“ gemeint. Auf der Flucht vor sich selbst erwartet sie in Amerika das zu finden, was sie zu Hause nicht finden kann. Einen Monat später schickt sie eine Postkarte mit dem Inhalt, dass es ihr gut geht, und sie von Gin und Zigaretten lebt. Darauf folgt passend „The Letter“, der wie der vorherige Song auch wieder sehr gefühlvoll ist.
Es scheint ein Hoch und Tief der Gefühle zu sein. Die Songs sind optimal aufeinander abgestimmt und es scheint, als würde man in einer anderen Welt versinken. Sind dann plötzlich die Worte „Pornographic Princess“, zu hören, wird man kurz aus der Welt herausgerissen.

Aus Österreich und Island c) Lisa Pointner

Aus Österreich und Island c) Lisa Pointner

„Sunshine Day“ sorgt auch gleich für gute Laune und mit diesem Sound hatte ich auf einmal einen sonnigen Sandstrand aus den 60ern vor Augen.

Worte, die Bilder malen

Im Laufe der Jahre haben sich Chili and the Whalekillers weiterentwickelt. Die Songs wurden erzählender: „Es werden konkrete Sequenzen beschrieben und detailliert abgehandelt. Die Musik ist sehr verschieden, aber das ist ja genau das Genre-Schubladen Problem. Wir passen da nicht rein und sind aber immer wieder verblüfft und amüsiert, mit welchen Fremddefinitionen wir konfrontiert werden.“ Wie sie uns bestätigen, haben sie sich auf jeden Fall verändert. Dabei handelt es sich aber nicht um eine bewusste Veränderung, sondern es passiert eher permanent. Sie wollen sich nicht selbst reproduzieren und Sachen neu verpacken, die sie schon einmal veröffentlicht haben. „Dazu gibt es auch viele spannende Ansätze und Herangehensweisen, als dass wir aufhören würden, nach neuen Wegen zu suchen.“

Fazit

Mit Poesie am Dienstag wird hier auf keinen Fall zu weit gegriffen. Die 13 Songs auf „Words on Tuesdays“ sind abwechslungsreich und optimal aufeinander abgestimmt. Auf der einen Seite laden Chili and the Whalekillers dazu ein, einfach mal die Seele baumeln zu lassen, auf der anderen Seite sind wieder Songs mit von der Partie, um ausgelassen zu tanzen. Die Themen sind breit gestreut und so erzählt, dass man sich in die jeweiligen Protagonisten gut hineinversetzen kann. Julie reist mit ihrem Koffer voller Sticker nach Amerika und lässt mit einer Postkarte von sich hören. Chili and the Whalekillers gelingt es, richtige Bilder zu malen, die in unseren Köpfen Wirklichkeit werden.

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