Porn to Hula - abgedreht wie eh und je
Abwechslung
Aufnahme
Instrumental
Vocals
Lyrics
3.6Sterne

Drei Jahre nach „The Long March“ bringen Porn to Hula am 09. September ihr neues Album „Big Cups’n’Refills“ auf den Markt. Verrückter Machorock aus Linz.

Wenn man einen Blick auf Porn to Hula wirft, kommen einem zunächst Assoziationen mit typischen Rednecks in den Sinn. Rednecks – das amerikanische Pendant zu dem österreichischen Proleten, nur ohne VW aber mit selbstgebranntem Schnaps und Waffen. Dass es sich bei der White Trash Optik mehr um eine Persiflage handelt, liegt auf der Hand, oder es ist zumindest anzunehmen. Trotzdem kann man sich den Rock, den Porn to Hula da fabrizieren, auch gut als Partymukke auf einem amerikanischen Freiluft-Dorfbesäufnis mit Fusel und Mädels in karierten bauchfreien Tops und Hotpants vorstellen.

Optisches und akustisches Gesamt(kunst)werk

Eigentlich macht das Album schon alleine beim Songtitel durchlesen wirklich glücklich – zumindest solche Menschen, die abartige Besonderheiten mögen und einen etwas verschrobenen Sinn für Humor ihr Eigen nennen. Da stolpert man nämlich über Perlen wie „Nazi Saucers From Outer Space“ oder „The Cat’s In Her 8th“. Auch das Auge weiß „Big Cups ‚N‘ Refills“ wirklich zu befriedigen und nicht nur jeder Comic-Nerd wird das Album-Cover lieben, zeigt es doch kaum zu beschreibende Absonderlichkeiten in einer wundervollen Grafik im amerikanischen Comic-Stil gehalten. Dass das Artwork gefallen würde, war jedoch zu erwarten – immerhin wurde es von SBÄM aka Stefan Beham geschaffen, der schon mit Bands wie NOFX oder Flogging Molly zusammen gearbeitet hat.

Die aus Linz stammenden Porn to Hula wurde bereits 1998 gegründet, als Tribut zu den damals gerade aufgelösten wunderbaren Kyuss. Seit 2006 sind die Mannen als eigenständiges Projekt unterwegs, doch zumindest Anklänge an die amerikanischen Stoner-Rock Giganten hört man noch immer wieder durch, wie bei „Locked up“, eine Nummer, die durch ihren schleppenden Stoner-typischen Gitarrensound punkten kann. „Big Cups’n’Refills“ ist aber auch mit einer schönen Prise Hillbilly versehen. So kommt zum Beispiel bei „The Cat’s in her 8th“ auch ein Mundharmonika zum Einsatz.

Album mit Überraschungseffekt

Neptunes Daughters ist wohl die Nummer auf dem Album, die am meisten aus bestehenden Schema herausbricht. Nicht nur, dass eine weibliche Zweitstimme zu hören ist, auch werden deutlich sanftere Töne angeschlagen. Auch ein Gesicht zur Nummer gibt es übrigens – als besagte Tochter Neptuns darf man sich die Nixe auf dem Albumcover vorstellen – die darauf gezeigten Charaktere sind nämlich Dieselbigen, die im Album besungen werden. Aus dem siebten Track spricht auch weniger der schleppende, Machohafte Hula-Rock, sondern er erinnert mehr an romantischen 80ies Rock – wobei mit Romantik mehr eine härtere und bösere Form derselben gemeint ist. Love hurts.

In „Blue“, der neunten und vorletzten Nummer auf dem Album hört man Stellenweise Rock’n’Roll-Anklänge und Akkorde, die an katalanische Gitarrenklänge erinnern. Langweilig wird es einem beim Durchhören des Albums einmal sicher nicht – für Abwechslung ist gesorgt.

„Big Cups’n’Refills“ macht es einem wirklich schwer es zu bewerten. Irgendwie ist der Track ziemlich „leiwand“, irgendwie ziemlich trashy, hin und wieder ist man dann ziemlich sauer, weil die Aufnahmequalität eigentlich besser sein könnte. Stellenweise ist dieser abgefuckte Machosound, den Porn to Hula da an den Tag legen, schlichtweg der Bringer und in anderen Momenten geht er dem Hörer einfach nur auf den Senkel. Als Gesamtes betrachtet ist „Big Cups’n’Refills“ ein sehr eigenwilliges Ding, das wegen seines rebellischen und unangepassten Charakters auch sehr sympathisch ist. Es handelt sich dabei aber sicher um kein Album, das man in Dauerschleife durchhört – für Porn to Hula muss man schon in besonderer Stimmung sein.

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