Der Whiskeyrapper mit einer neuen, wohlgemerkt kostenlosen, EP. Entgegen dem strukturierten Album, grüßt Prezident hier den Untergrund und übt sich in klassischen Disziplinen.

Whiskeyflavour: Check! Atmosphärische Beats: Check! Mir eh egal Einstellung: Check! Features aus dem Dunstkreis: Check! Damit beinhaltet die neue Prezident EP sämtliche Zutaten, die schon alle vorherigen Werke ausgezeichnet haben. Alle Weichen scheinen also gestellt…

Ein Schluck Selters?

Filmsamples sind etwas, das eigentlich in die obige Aufzählung noch inkludiert werden müsste. Und weil kein Prezident Release ohne charmante Filmklassikerzitate auskommt, beginnt auch die Handfeste EP in genau dieser Manier. Der titelgebende Introtrack präsentiert Prezident in gewohnt lockerer Form. Das Whiskeyglas liegt immer noch gut in der Hand, alles beim Alten! Und das scheint auch der Sinn oder die Botschaft zu sein – die er mit der EP nach draußen schicken will: „Jetzt mal wieder zurück zur Basis, ich hab hier n´ bisschen schmutzigen Rap mit klaren Ansagen!“.

Den Track „Aus´m Funkloch“ kennt der geneigte Prezident Hörer bereits. Das Video dazu ist schon länger auf Youtube zu sehen und mit den beiden Featurepartnern Elsta und Flip Ferocious hat Prezident ein gutes Händchen bewiesen. Die Parts harmonieren wunderbar, die „3 Typen aus Städten von der Industrie geprägt“ liefern allesamt einen entspannten Flow, immer auf Augenhöhe, souverän und auf den Punkt. Ein sehr schöner Song, der auch der Soundtrack zum nächsten Coffeeshopbesuch sein könnte. Und damit ist sicherlich nicht der nächste Starbucks gemeint.

„Oswald Spengler“ ist dann wieder so eine, für den Prezi typische, Ansage ans Musikbusiness im Gesamten und die Rapszenerie im Speziellen. Man merkt ihm diese Distanz, eine Art Unverständnis und Befremden, immer wieder an und es wirkt ehrlich. Vielleicht liegt darin auch der Hund begraben, die weiterhin vorhandene Abneigung gegen zu stark auf das Unternehmerische fixierte Bestandteile der Musikszene, in der sich Prezident ob er will oder nicht bewegen muss.

„…und zeig demjenigen dann bei der Gelegenheit, anhand von dieser Puppe, wo dein A&R dich angefasst hat / während sich Rest-Deutschrap beim Charts stürmen nass macht…“

Aber auch wenn die kritische Beobachtung etwas ist, das ihn als Künstler ausmacht, dominiert auf der gesamten EP vor allem das eingangs erwähnte klassische Konzept. Representer-Sound eben, mit einem Schuss Battlerap. Im nachfolgende Song „einsneunzigaufbühnen“, klar jamtauglicher Sound, wird dann auch noch einmal klargestellt, dass Prezident eine klare Linie zu halten gedenkt, während seiner Meinung nach zu viele andere Rapper die Haltung eines Grashalms im Wind aufweisen. Der fast schon standardmäßige Kollabotrack mit den Jungs aus Prezidents Umfeld darf natürlich nicht fehlen und so wird mit „Bonusstufe“ auch diese Bringschuld erfüllt. Der Gastgeber, die Kamikazes wie auch Elsta dominieren den Track, was das Degenhardt Feature angeht, so beginnt sein Part stark aber verwässert danach, wirkt sogar aufgesetzt. Bei soviel ihn umgebender Qualität kein großes Manko, aber es bleibt klar der schwächste Part der sonst sehr hochwertig eingerappten EP.

Gut und Böse

Die beiden letzten Tracks der EP (abgesehen von einem unverhofften Bonustrack) präsentieren sich dann wie Tag und Nacht. Wo „Barbecuesauce“ ein von einem düsteren Epic Infantry Beat umhüllter Battletrack ist, zeigt „Mount Average“ wieder den leicht versoffenen Philosophen, diese bukowskihafte Seite Prezidents. Beide Lieder bleiben, unabhängig voneinander, unglaublich starke Tracks. Ruffkidd als Partner für „Barbecuesauce“ zu organisieren stellt sich dann auch als genialer Schachzug heraus. Der Beat wirkt wie ein zähnefletschendes Monster und genau so beißt sich auch der Featuregast im Einstiegspart in den Soundteppich fest. Bei Ruffkidd scheiden sich oft die Geister, was hier auch nicht zur Debatte stehen soll, aber kaum jemand bellt so gekonnt aggressiv auf solche Soundstrukturen wie er. Das Prezident mit seinem eher laid-back orientierten Flow bei soviel Dominanz untergeht, stellt sich als falsche Vermutung heraus, viel eher macht es den Track abwechslungsreicher und zu einem wahren Brett.

Als kleines Schmankerl befindet sich noch der Track „Special Effects“, mit dem leider verstorbenen NMZS der Antilopengang als Feature, auf der EP. Diesen Track hat Prezident zu NMZS Todestag 2014 ins Netz gestellt und schon als er auf Youtube auftauchte, konnte man mutmaßen ob hier nicht eine bereits bestehende Vocalspur montiert wurde. Zu wenig passt der NMZS Part ab und an vom Takt her. Eine nette Respektsbekundung allemal, aber es wäre nicht fair diesen Bonus, der nicht einmal auf der Tracklist auftaucht, als Negativpunkt in die Bewertung dieser ansonsten runden EP einfließen zu lassen. Ein wenig Nostalgie eben. Das kann man so stehen lassen.

Fazit

Erdig und rauchig, die Wertung die man auch nach einem guten Whiskey treffen kann, passt ebenso zur Handfeste EP. Prezident schafft es, unterstützt durch den qualitativ hochwertigen Support der alten Bekannten Jeffkoe, Epic Infantry, den Kamikazes, sowie den Featurepartnern, allen voran Elsta und Ruffkidd, ein rundes Gesamtpaket zu liefern. Wie eine poliertere Version seiner ersten Werke steht die Handfeste EP für typischen Prezident Sound. Ob das Werk jetzt ein Appetithappen ist, als Vorbereitung zur nächsten LP fungieren soll oder, viel wahrscheinlicher, entstand weil der Prezi mal wieder Bock auf kompromisslosen Rap hatte. Dem Hörer kann es gleich sein. Das Resultat gehört auf Dauerschleife in den Player. Prost!

Die EP gibt’s übrigens wie schon erwähnt HIER, über Prezidents Homepage in digitaler Form und umsonst.

Artwork by Hybris
Infos zu Prezident auf: www.whiskeyrap.de

2 Responses

  1. Gerd Huhn

    Ganz guter Artikel, der sich durch die vielen Grammatik- und Zeichensetzungsfehler aber sehr holprig liest. Korrekturlesen wär doch mal was.

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    • Björn Jerrentrup

      Hi,

      da sind uns tatsächlich einige Flüchtigkeitsfehler durchgerutscht. Danke für dein Feedback und den Hinweis.

      MFG

      Antworten

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