Nach der schwarzen EP im Winter, folgt jetzt die weiße EP im Sommer. Kann RAF Camora die Vorfreude auf 2016 steigern?

RAF Camora hatte es schon im Winter auf seiner schwarzen EP gesagt:

„Diese EP ist für die wahren Fans/
die warten bis 2016/
Sechs Tracks RAF Camora Sound/
direkt aus dem Herzen“

Gewartet wird noch immer auf 2016, es steht ein großes Album an. Der gebürtige Schweizer, der in Wien aufgewachsen ist, und nun in Berlin lebt, wird dann wohl wieder ein RAF 3.0-Album auspacken. Damit wir bis dahin nicht ganz ohne Raphael Ragucci auskommen müssen, macht der Musiker nun nach der schwarzen EP, auf der sechs Tracks waren, mit der weißen EP, auf der ebenfalls sechs Songs sind, das Dutzend voll. Das neueste Release von RAF unter dem Namen Camora, erschien Ende Juni: Die weiße EP.

Was macht ein Rabe im Sommer?

Es scheint wie ein geschickter Marketingplan, mit der Farbe schwarz eine eher düstere Platte im eisigen Winter zu releasen. So sollte man jetzt mit der weißen EP eine CD für den Sommer haben, die das genaue Gegenstück bildet, das Ying zum Yang, der Pluspol zum Minuspol. Aber ist das tatsächlich so? Nein! Die Platte ist thematisch genauso düster wie sein Vorgänger, somit kann man die Theorie des geschickten Marketingplans ausschließen, auch wenn es auf der Hand gelegen ist. RAF Camora ist und bleibt ein Künstler, der von Raben (seinem Markenzeichen) geprägt zu sein scheint, und daher überwiegend düstere Musik macht. Fans wissen das zu schätzen, und lieben ihn genau deswegen.

Auf dem „Intro (Buddah!)“ merkt man bereits, dass RAF hier keine locker flockige EP veröffentlicht hat. Der Beat knallt ordentlich durch die Boxen und RAF „streckt die Hand zum Reich der Sonne, nimmt sie als Megafon und fickt die Welt, bis die Welt ihn liebt“. Im Video dazu sieht man RAF mit Rooz Lee (Hiphop.de) in einem Hotelzimmer im dezent gehaltenen, schwarz-weißem Video. Der Musiker flog für die Videosnippets, die für diese EP aufgenommen wurden in die USA und verbrachte dort mehrere Tage mit Joshi Mizu.


Weiter geht es im zweiten Song „Eins – Null“, in dem macht RAF klar, was ihm bei seiner Musik wichtig ist. Er distanziert sich dabei von anderen MC’s die nur für den Erfolg miteinander kollaborieren. Unter anderem äußert er sich positiv über seine Fans, besonders die, die ihn seit Tag eins begleiten.
„Eins für die Winner/
Die sich seit Tag eins erinnern/
Bleiben Champions für immer.“

Diese Stelle könnte eine Anspielung auf RAFs ersten großen Hit „Winner“ aus dem Album „Nächster Stopp Zukunft“ sein.


Song Nummer Drei ist „Karma Camora“, wie der Name schon sagt, glaubt RAF selbst nicht an das Karma, er nimmt es selbst in die Hand. Am Ende des Liedes verändert sich der Beat in eine Reggae-Richtung, ein Stilmittel, welches Ragucci des Öfteren bei seinen 3.0-Releases verwendet, allerdings passt es auch gut zu seinen Camora-Songs. Die EP wird mit „Todesengel“ fortgesetzt, dies ist der einzige Track auf der weißen EP, auf der ein Feature ist. BRKN singt den Refrain und zeigt auf dem leicht angehauchten Reggae Beat seine beste Singstimme. Der Song handelt von einer Frau, von der man sich getrennt hat, die man aber nicht vergessen kann. Der Songname „Todesengel“ ist hier mit einer Line schnell geklärt:

„Auf Französisch heißt Amor mit t hinten Tod“ (à mort)


Einer der besten Songs auf der EP ist die Nummer Fünf „Sphäre“. Thematisch handelt der Song von RAFs Umfeld in Berlin Kreuzberg, seiner Sphäre. Er erzählt uns seinen Alltag in einem unglaublichen Flow, der ab der Mitte beider Parts wieder zu einem Reggae-artigen Flow wird. Damit zeigt Ragucci uns hier seinen Variantenreichtum allerfeinster Sorte. Abgeschlossen wird die EP mit „Nichts war für nichts“. Der Song handelt von allen Einflüssen, die RAF zu dem Menschen gemacht haben, der er heute ist. Es geht von Mozart über französischen Rap, bis hin zu Kurt Cobain, wer RAF kennt weiß, dass er ein riesiger Nirvana Fan ist. Soundtechnisch ist das aber eher auf seinen 3.0-Songs zu hören, wenn er zur E-Gitarre greift.


Die weiße EP ist eine Platte die sich mit keiner anderen Camora-Platte vergleichen lässt. RAF probiert hier des Öfteren, wie oben auch schon oft erwähnt, einen Reggae Sound in Camora-Songs zu packen. Bisher konnte man das nur auf seinen 3.0-Releases hören, aber dieses, nennen wir es mal Experiment, ist Ragucci mit der weißen EP geglückt. Zu verdanken haben wir das einer sehr guten Zusammenarbeit der Hauptproduzenten RAF Camora und den Steroids. The Royals sind am Song „Eins – Null“ beteiligt gewesen, der auch sehr gut geworden ist. Die EP hat das geschafft was sie sollte, sie macht Lust auf mehr, und wir sind jetzt schon gespannt auf 2016.

Foto: Peter Schings

Eine Antwort

  1. Lyricall

    Super tolles Review über die weiße EP und RAF im allgemeinen. Danke für soviel Verständnis zur Sache und die Liebe zum Detail! AH! Indipendenza bis zum Tod! ❤️

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