Rapido - Messias
Flow
Beats
Reimtechnik
Lyrics
Professionalität
4.2Gesamtwertung

Ein Newcomer ist Fresh as Fvck – Ohrwurm Hooks und Doubletime-Salven, bis der Arzt kommt

Der in Deutschland mit französisch-deutschen Wurzeln aufgewachsene Künstler Rapido ist seit seiner Kindheit besessen von Musik. Die Passion des selbsternannten Messias ist es, mit aggressiven Representern und Punchlines, aber auch melodisch geformten Zeilen die Herzen seiner Zuhörer zu erobern. Bereits mit sechs Jahren entdeckte er seine Begeisterung zur Musik, wenig später begann er seine eigenen Songs zu schreiben.

Um auf sich aufmerksam zu machen und seine Musik zu verbreiten, veröffentlichte er Videoauskopplungen auf diversen Internetportalen und nahm an Battle Turnieren, wie dem Juliens Blog Battle (JBB), teil. Ein Format, das über mehr als eine Million Abonnenten verfügt. Nach vielen gesammelten Erfahrungen im Rapgeschäft will er nun seine Fußpuren hinterlassen und sich auf Longplayer Basis verewigen. Für sein Debütalbum „Messias“, welches am 5. Februar 2016 releast wird, hat er namhafte Rapper wie Olexesh und Twin als Verstärkung verpflichten können. Der Sprechgesangsartist veröffentlicht sein Debütwerk ohne Schützenhilfe ala Major Label im Rücken.

Rapido Promo, (c) Andreas Woernle

Rapido Promo, (c) Andreas Woernle

Die Platte startet standesgemäß mit dem „Intro„. Der Künstler beginnt sofort mit seinen Doubletime Reimen und man merkt sofort, dass man es mit einem wahren Flowmonster a.k.a Rapido zu tun bekommt. Ein Skit in Form der „Ansprache“ und dem „Schlusswort“ ist eine feine Idee, die den Entertainment Faktor hebt. Jedoch ist die Lautstärke der Skits um ein Vielfaches leiser als bei den üblichen Songs, das ist nervig. Das hätte man vielleicht merken können. Ein Highlight der Scheibe ist der Track „Vollautomatisch„, bei dem ein Scaletta und DK BeatZ Instrumental als musikalischer Rahmen dient.

„Angespannte Lage wie der Muskel meiner Oberarme ist
In der Locaphase Bitch
Das zieht bei den Mädels so wie Pokerkartentricks“

Danach geht es in „Winchester“ mit omnipräsenter Waffenprahlerei weiter. Kumpel Steez supportet den FaF-Rapper und passt sich schön der Richtung des Tracks an. Der Feature Gast ist dem ein oder anderen vielleicht auch als TeflonDon bekannt. Bei seinem Alias verdeckt er sein Gesicht mit einer Bane Maske. Beide harmonieren mit dem Beat und besonders Rapido’s Hook ist richtig on Point und entwickelt einen besonderen Raumklang. In „Rolle meine Bündels“ erinnert der Refrain etwas an einen bekannten Haftbefehl-Tune. Das ist aber auf keinen Fall schlecht gemacht; der Song könnte auch in einem angesagten RnB Club laufen. Auf einem mitreißenden Beat, der mit weiblichem Gesängen unterlegt ist, entfalten sich die Money Hustle Sprüche zweckgemäß.

Muskelfaserriss„, wie der Name schon erahnen lässt, kann man diesen in die Sparte klassischer Fitness Rap einordnen. Der Motivationsgedanke dominiert den Song, demütige Sprüche wie „einmal pumpen gehen, Mc Fit muss komplett neu renovieren“ sorgen für den ein oder anderen Lacher. Eine gewisse Anzahl an Punchlines darf da natürlich nicht fehlen. „Dick interessiert“ beinhaltet zwei Feature Beiträge von den mir unbekannten Rappern Schmidt und Tonino, die jedoch alles andere als enttäuschen. Einzigst die Hook nervt ein wenig. „GDB“ ist ein weiterer Club Hit, in dem Hip Hop als Schlampe, die es mit jedem treibt, betitelt wird. Schnelles Geld und schnelle Autos dominieren den Wunschgedanken des „Flittchens“. „Schnell, schneller, Rapido“ zeigt die technischen Fähigkeiten auf. Kollegah, prominentester Vertreter der Sparte Doubletime Rap, hat in diesem Alter bestimmt nicht flüssiger geflowt. Überzeugt euch davon in der offiziellen Videoauskopplung.

Etwas ruhigere Töne schlägt der Sprechgesangsartist in „Fossil“ an, wo er ein wenig von seinem Innersten preisgibt. Der Track handelt von Wünschen, Träumen und Zielen.“Der Messia ist da“ könnte auch eine JBB Runde sein, das wird die Höhrerschaft bestimmt derb feiern. Einige Rapper, besonders Timatic, Laskah und Zarrus, bekommen ihr Fett weg und werden mit Punches K.O geschlagen. Manche Flow Passagen sind die Höhepunkte der Scheibe, das ist ganz großes Kino. Weiter geht es mit seinem Partner in Crime Alfa, der auch zu Fresh as Fvck gehört. In „Backsteine“ harmonieren die zwei Künstler genauso gut wie in den Free Tracks, es wird mächtig Wirbel entfacht.

„Deutsche Rapper, meine Member killen sie
denn das sind allesamt nur Fotzen in den engen Skinny Jeans

Twin liefert in „Voll auf die 9“ einen typischen Battle Part mit Schläger und Hooligan Anleihen. Absolut authentisch, was da erzählt wird. Ein weiterer namhafter Rapper nimmt nun auch an dem regen Treiben teil, und zwar Olexesh. Eine, wenn nicht sogar die größte Straßenrap Hoffnung der Szene hätte man nicht unbedingt auf dem Messias Album erwartet. Wenn man aber bedenkt, dass die zwei Künstler in Darmstadt beheimatet sind, ist der Gedanke gar nicht so abwegig. Tolle Nachwuchsförderung nennt man das. „Halbfranzose“ pendelt auch etwas mehr in die deepe Richtung, danach folgt das angesprochene „Schlusswort“ und das „Outro„, in dem nochmal richtig aggressiv in das Mikrofon gespuckt wird. Alle Unentschlossenen dürfen sich hier das Snippet des Longplayers zu Gemüte führen.

Fazit

Die Platte wird von epochal klingenden Beatkrachern dominiert. Ein paar Clubbanger und wenige ruhigere Beats bilden den restlichen musikalischen Rahmen. Dass der Soundteppich nicht aus einer oder wenigen Händen stammt, tut der Sache keinen Abbruch. Dieser Mann sprüht nur so vor Hunger, den deutschen „Laden“ aufzuräumen. Seine druckvollen Doubletime Lines und der Stimmeinsatz bzw. die Stimmfarbe sind für einen sogenannten Newcomer schlicht gesagt herausragend. Der selbsternannte Hook King, Messias, Konstruktor und Fitnessfreak Rapido liefert zum Großteil auf höchstem Niveau ab. Sein Rap geht sprichwörtlich sehr in die Fresse und ist mit den wechselnden Doubletime Passagen abwechslungsreich gestaltet, die melodischen Hooks sorgen für ein passendes Gleichgewicht.

Leider gibt es aber auch einige textliche Widersprüchlichkeiten. Kunstfigur hin oder her. Das Paradebeispiel ist in einem Track zu sagen, wie stolz man auf seinen Bizepsumfang ist und quasi einen Song später zu rappen: Was bringen die Muskeln der Anderen, wenn man mit der besagten Winchester vorbei kommt. Weitere Kritikpunkte wären die oben angesprochenen Skits, der ein oder andere Zweckreim und die große Anzahl der Tracks, die teilweise einfach zu gleich klingen. Die klassische Rap Platte hat elf bis 15 Songs und kann auf einen erhöhten Fokus und Anspruch bauen. Ein Spiegel einer höchstprofessionellen Arbeit findet man hier leider nicht, auch wenn das vielleicht für den Großteil der Rezipienten keine Rolle spielt. Jedoch ist das Debütalbum absolut positiv zu bewerten. Ich sehe großes Potenzial, um die Schwächen zu minimieren, die Stärken noch etwas mehr zu betonen um in den nächsten Jahren die deutsche Rapszene weiter aufzumischen. Seien wir gespannt.

Tracklist öffnen

01 – Intro
02 – Ansprache Skit
03 – Vollautomatisch
04 – Winchester (feat. Skeez)
05 – Rolle meine Bündelz
06 – Rah Rah
07 – Muskelfaserriss
08 – Dick interessiert (feat. Schmidt & Tonino)
09 – GDB (Hip Hop)
10 – Schnell, schneller, Rapido
11 – Fossil
12 – Der Messias ist da
13 – Halleluja
14 – Backsteine (feat. Alfa)
15 – Wir sind die Götter
16 – Voll auf die 9 (feat. Twin)
17 – Rucksackgesicht (feat. Olexesh)
18 – Halbfranzose
19 – Schlusswort Skit
20 – Outro

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