"Renegade" von Montague - Eine EP mit Playlist-Potenzial
Gesamteindruck
Eingängigkeit
Stilistische Kontinuität
Texte
3.4Sterne

Mit „Renegade“ haben die Vorarlberger Indie-Rocker Montague ein Erstlingswerk vorgelegt, das man am Besten in Einzelteile zerlegt genießt.

Im Zeitalter des Musikstreamings verliert das Konzept des in sich abgeschlossenen Albums zunehmend an Bedeutung: Viele Musikkonsumenten gehen inzwischen dazu über, ihre persönlichen Lieblingstitel von diversen Alben in einer Playlist zu sammeln, statt die festgeschriebene Reihenfolge der einzelnen Tracks einzuhalten und sich ein Album „von vorne bis hinten“ anzuhören.
Mit ihrer „Renegade“-EP haben die Vorarlberger Indie-Rocker Montague eine Platte aufgenommen, die sich perfekt in dieses Konsumverhalten einfügt, ist sie doch wie geschaffen dafür, in Einzelteile zerpflückt zu werden.

Ein Trio auf den Spuren von Romeo und Julia

„Montague“, das sind Sänger und Gitarrist Philipp Spiegel, Drummer Benedikt Fritz und Albert Oberscheiter am Synthesizer. Seinen klangvollen Namen hat sich das Trio aus Dornbirn bei einer der berühmtesten Figuren der Theatergeschichte abgeschaut: Romeo Montague, dem Titelhelden aus William Shakespeares „Romeo und Julia“. Dieser Bandname lässt bereits erahnen, dass die Band in ihrer Musik thematisch gern Geschichten über die ausweglose Liebe erzählt.
Seit etwa einem Jahr machen die Vorarlberger gemeinsam Musik. „Renegade“ entstand Anfang des Jahres beim Feldkircher Indie-Label Keller Records und ist die erste längere Veröffentlichung der Band.

Bunt-gemischtes Indie-Allerlei

Laut eigener Aussage hören Spiegel, Fritz und Oberscheiter privat recht unterschiedliche Musik. Ihrem gemeinsamen Erstlingswerk hört man das an: Die Tracklist auf „Renegade“ ist ein bunt-gemischtes Allerlei aus Stilen, die alle erntfernt mit Indie Rock verwandt sind. Die Songs auf der EP reichen dabei von verzerrten Sounds, die entfernt an frühe Veröffentlichungen der New Yorker Garagerocker The Strokes erinnern, bis hin zu Nummern, bei denen man Anleihen aus Post Punk und New Wave herauszuhören glaubt.

„Renegade“, der Titeltrack der gleichnamigen EP, ist vergleichsweise vielschichtig instrumentiert, allerdings wirken die Instrumente die meiste Zeit über eher zurückhaltend, blechern und beinahe dünn. Alle Einzelkompotenten verschwimmen zu einem „großen Ganzen“, das im Hintergrund mitläuft. So wirkt die Instrumentierung eher wie ein Mittel zum Zweck, eine Art Unterlage für die Genre-typisch verzerrten Vocals von Sänger Philipp Spiegel, als wie einen eigenständiger Songbestandteil. Ähnliches gilt auch für den Folgetrack „Demian“, der mit seiner treibenden Melodie und dem latenten Hintergrundrauschen Erinnerungen an das Strokes-Debüt „Is This It“ weckt.
„Lengthwise“, der dritte Titel auf „Renegade“, überrascht mit einem deutlichen Stilbruch: Sänger Spiegels ruhige Stimmlage und der Nachhall, mit dem seine Vocals unterlegt sind, erinnern stilmäßig an New Wave- und Post Punk-Revival Bands wie etwa White Lies oder Interpol – ein Eindruck, der durch die ständige Präsenz eines Synthesizers zusätzlich verstärkt wird. Der dominante Beat des Schlagzeugs verleiht den Versen des Songs außerdem einen starken Pop-Charakter, der im Kontrast zu dem verträumten Refrain steht, in dem das Schlagzeug beinahe komplett wegfällt und vom Geplänkel eines Windspiels ersetzt wird.
Track Nummer Vier trägt den Titel „You“ und ist möglicherweise das Highlight der EP: Der Song wirkt wie einen Kombination aus den ersten drei Tracks und ermöglicht so als erster Titel auf „Renegade“ einen Eindruck davon, wie Montague klingen können, wenn das Trio seine diversen musikalischen Einflüsse miteinander in Einklang bringt und einen eigenen Stil findet. Vordergründig ist es ein einfaches Stück Indie Rock, doch verleihen die Synthie-Melodien, die ganz besonders das Intro und den Refrain von „You“ prägen, dem Song eine besondere Note.
Zum Abschluss ihrer EP erlauben sich Montague einen letzten Stilbruch: „July“ ist eine sentimentale Akkustik Pop-Nummer mit Blechbläser- und Synthie-Einlage und – für sich genommen – ein angenehmer und unaufdringlicher Song, der auf „Renegade“ jedoch merkwürdig deplaziert wirkt.

Eine Platte mit Playlist-Potenzial

Montagues Erstling „Renegade“ ist eine EP, die wie geschaffen ist für das Zeitalter von Playlists und Individual-Streaming: Als Ganzes ist die Platte stilistisch inkonsistent, was angesichts der Tatsache, dass es sich dabei um die erste Veröffentlichung einer noch unerfahrenen Band handelt, nicht verwunderlich ist. Für Musik-Enthusiasten, die großen Wert darauf legen, dass eine Veröffentlichung von Anfang bis Ende ein rundes Bild abgibt, ist „Renegade“ daher nur bedingt geeignet. Wer allerdings lieber Playlists erstellt oder sich einzelne Songs – losgelöst vom „Kontext“ des Albums, auf dem sie veröffentlicht wurden – anhört, für den sind die einzelnen Tracks dennoch einen Blick wert.

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