Roadtrip mit "Lizard Garden" von den Suricates
Musikalische Performance
Groove
Einheit
Cover
Konzept
Professionalität
4.4Sterne

Mit ihrem Debüt-Album „Lizard Garden“ starten die Suricates gleich so richtig durch: Die faszinierende Mischung aus Old School Rock und Rockklängen der Gegenwart bescherte den Grazern und Wienern bereits den ersten Filmauftritt.

Ihr plant einen Roadtrip oder einen Urlaub in einem unserer schönen Nachbarländer und habt eine ewige Autofahrt vor euch? Dann ist das Debüt-Album der Suricates genau das Richtige: Groovende Drums, treibende Basslinien, verführerische Gitarrensoli und eine Stimme, die den Rock der 80er in die Gegenwart katapultiert – mit dieser Kombination verwandelt die junge Rock-Konstellation aus Graz und Wien wohl jede langatmige Situation in einen Rocktempel. „Lizard Garden“ nennt sich das gute Stück und hat der fünfköpfigen Band schon so manche Türen geöffnet.

Von Erdmännchen, Eidechsen und weidenden Rindern

Suricates_Release Show

Suricates bei der Release-Show von „Lizard Garden“ im PPC Graz (c) Bernhard Wimair

Die Songs der Suricates sind nicht nur rockig und voller Power, sondern vor allem auch exzessiv. Die Energie, die hinter jeder einzelnen Aufnahme steckt, sprüht förmlich aus den Lautsprechern, wenn Songs wie „Old Dirty Road“ oder „Now“ erklingen. Diese Leidenschaft verdanken die Nummern größtenteils der Probetechnik der Band: Mit drei in Wien und zwei in Graz lebenden Musikern kommt ihre ganze Kreativität bei Proben im Burgenland geballt zum Vorschein. „Das Gute daran ist, dass es im Proberaum keine Ablenkung gibt, mitten im Nirgendwo auf einem Biobauernhof. Da können wir maximal Kaffee und Bier trinken, Zigaretten rauchen und den Rindern beim Weiden zusehen“, so Sänger und Drummer Alex Strasser.

Nicht nur weidende Rinder nehmen Einfluss auf den musikalischen Output der Suricates. Das Debüt-Album nennt sich „Lizard Garden“, zu Deutsch in etwa „Eidechsen-Garten“. Dank der Bassistin Marie Theres Pfeifer fanden die fünf Musiker heraus, dass Suricates (deutsch: „Erdmännchen“) liebend gerne Eidechsen verspeisen. Wo wäre ein Suricate also eher im Paradies, als in einem Garten voller Eidechsen? – Und mit Einflüssen à la Led Zeppelin, Queens of the Stone Age, Pink Floyd, Red Hot Chili Peppers und vielen mehr befinden sich die fünf Erdmännchen wohl mit ihrem Album eindeutig in ihrem eigenen kleinen Paradies voller lecker schmeckenden Eidechsen.

Vielfalt im Einklang

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, doch in einer Sache sind sich die Suricates einig: Sie machen Rock. Die unzähligen Subgenres, die den Musikmarkt heutzutage zu überschwemmen drohen, scheinen es der Band aber nicht gerade leicht zu machen, sich auf einen klar definierten Stil festzulegen. So findet man Old School Sounds wie in „Love Radar“ oder Party-Kracher wie „Now“ auf der Scheibe, bei dem die Band auch an diverse Mitsingmöglichkeiten für ihr Publikum gedacht hat. Dazu gibt es groovende und um sich greifende Stoner Rock Songs wie „Scarlet Sky“ oder „Kayaskéjk In Mathàsthul“, letzerer ist definitiv auch etwas für Freunde von etwas härterer Musik.

Suricates_Cover

„Lizard Garden“ Cover (c) Philipp Grein, Isabel Garger

Ihre unterschiedlichen Ideen und Vorlieben pressen die Bandmitglieder erst bei ihren Proben in ein gemeinsames Modell: „Das ist das Spannende: Dass kein Song komplett von einer Person selbst angefertigt oder vorgedacht wurde“, erzählt Alex, „es passiert immer in gemeinsamer Arbeit.“ Auch wenn sich die Interessen aller in jedem Song widerspiegeln, so hat am Ende doch jeder seinen eigenen Favoriten am Album, wobei es laut Marie sehr stark auf die aktuelle Gemütslage ankommt: „Bei mir ist es sehr stark stimmungsabhängig, ob ich das Bedürfnis habe, ordentlich abzutanzen oder in einen ärgeren Stonerjam zu verfallen.“

Fest steht, dass „Lizard Garden“ genau diese Vielseitigkeit ermöglicht und sogar etwas für ruhige Momente bietet. „Dead Sheep“ ist mit seiner Mundharmonika-Partie wohl das traurigste und melancholisch stimmendste Lied am Album. Auch „Black Widow“ räumt mit seinem etwas an „Stairway to Heaven“ erinnerndem Intro so manche Möglichkeiten für Grübel-Orgien ein. Wie die Titel unschwer erkennen lassen, scheinen Tiermotive die Texte der Suricates mehr als nur geprägt zu haben. Das liegt zum größten Teil an Marie: „Meistens versuche ich, menschliche Gefühle und Probleme in animalistische Metaphern zu packen und innerhalb der Lyrics auch einmal den Blickwinkel zu ändern, wie bei ‚Black Widow‘.“

Musikalischer Höhenflug

Zu betonen ist bei den Suricates die demokratische Behandlung der Instrumente sowie der unglaublich facettenreiche Gesang: Neben mehrstimmigen Highlights und einer durchdachten Struktur von der ersten bis zu letzten Sekunde, sorgt vor allem das neueste Mitglied der Truppe, Johannes Molnar, mit seiner rauen und fetzigen Stimme für die nötige Kraft der Songs. Zum Beispiel betont Gitarrist Bernhard Friedl die Wichtigkeit des passenden Gesangs bei „Inside Your Cave“: „Bis einen Tag vor unseren ersten Studioaufnahmen hatte ich keinen Plan von dem Lied und bin immer wieder begeistert, was daraus geworden ist. Johnny hat da all sein Gefühl reingebracht und Lux‘ (Lukas Neubauer) und Maries Text so richtig creepy gemacht.“

Die Kombination aus derben und groovenden Rockpassagen, gefühlvollen Clean-Parts und dem nötigen Flow des Instrumentalapparats hat den Suricates bereits ihren ersten Filmauftritt ermöglicht: Ihr Song „Old Dirty Road“ ist ein Teil des Soundtracks zum neuen Film von Michael Ostrowski „Hotel Rock’n’Roll“, der im August seine Premiere feiern wird. Auch in Zukunft wird man wohl noch so einiges von den fünf Herzblutmusikern zu hören bekommen – das nötige Potential haben sie mir ihrem Debüt-Album „Lizard Garden“ auf jeden Fall auf den Tisch gelegt.

Ins Album hineinhören kann man hier.

Tracklist öffnen
1. Enter The Garden
2. Blood Lovers
3. Love Radar
4. Black Widow
5. Muddy Grounds
6. Scarlet Sky
7. Inside Your Cave
8. Dead Sheep
9. Now
10. Kayaskéjk In Mathàsthul
11. Of Horus And Seth
12. Old Dirty Road
13. Lizard Shit Blizzard

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