Slona - Stimmt so
Beats
Flow
Sound
Kreativität
4.0Sterne

Frischer und innovativer Sound, der sich nicht in eine Schublade werfen lässt

Wer denkt, Slona wäre ein Newcommer, befindet sich auf dem Holzweg. Der werte Herr war früher als Slonesta unterwegs. Der Ex-Dancehall-Wortakrobat steht nicht erst seit gestern vorm Mikrofon und wurde 2011 vom RIDDIM Magazin einstimmig zum Newcomer des Jahres gewählt.

Etliche Veröffentlichtungen auf Soulforce oder Rootdown Records sprechen eine deutliche Sprache. Etliche EPs und Mixtapes später war es an der Zeit sich zu wandeln. Es ist endlich Zeit für das Debütalbum. Seit dem 24.Juni 2016 kann die Platte „Stimmt so“ digital aus den Regalen gegriffen werden. Als Labelpartner fungiert Urban Tree Music. Weit weg vom ursprünglichen Sound wurde alles Gewohnte abgelegt und die Komfortzone verlassen. Der Künstler ist vielseitig bewandert, steht zusätzlich an den Plattentellern und produziert auch fleißig Beats.

Analyse

Slona möchte sich nicht auf ein Genre beschränken, somit pendeln mehrere Einflüsse hin und her. Alle Beats wurden selbst produziert, nur Homie Daddie Phoane hat bei der Gestaltung mitgewirkt. Andere Kumpels wie Noah Slee hat den Chor in Liebe“ beigesteuert und Marius hat lustigerweise beim Finale von „Bei mir“ live geklatscht. Einige Beats sind schon im Jahr 2012 entstanden. Nach eigener Aussage hätte die Tunes damals niemand verstanden. Da könnte der gute Mann recht haben. Die Platte lässt sie in keine wirkliche Schublade stecken, Elemente Trap, Jersey, Future Bass, R’n’B, Pop und Dancehall. Bei dieser kontroversen Mischung sollte doch für jeden etwas dabei sein.

Die Boxen vibrieren und man bemerkt den leichten Sound aus seiner Vergangenheit. Es beginnt mit einem persöhnlicheren Track. Das Spiel kann beginnen. Im ersten Song „Stimmt so“ beweißt Slona Humor und spricht an, dass früher die meisten Leute seinen Namen Slonesta falsch ausgesprochen haben. Sein musikalischer und menschlicher Wandel werden angesprochen, ein solider Einstieg in den Longplayer. Der Flow ist natürlich on Point und veredelt das instrumental stilvoll. Außerdem geht es um Schönheit. Jeder Mensch ist an sich schön und versucht seine ekligen Seiten innen zu verstecken.

„Nenn mich Slonesta aber schnall meine Message,
ich bin ein Mensch außen schön innen hässlich
zieh meine Wendejacke an und dann
text ich, kurz vor verletzlich“

Porzellanladen“ ist sozialkritischer gestaltet und eine kleine Anit-Hymmne gegen unsere Gesetze, Vorschriften, den Schilderwald und Bürokratie Wahnsinn. Der Song beziehungsweise die Hook haben einen sehr experimentellen Klang. Einige versteckte Kritik kommt bei den folgenden Lines zum Vorschein, wo angesprochen wird, dass man in Baden-Württemberg nach 22 Uhr keinen Alkool mehr kaufen kann und im allgemeinen zu wenig Förderung für öffentliche Einrichtungen im Vergleich zur Industrie angeboten wird.

„Man hat es nicht leicht so als Dschungeltier,
Bierchen im Park wird bestraft wenn es dunkel wird
und bitte nicht spielen auf dem Rasen, deshalb
häng ich mit dem Löwen und dem Tiger auf der Strasse“

Nun wird der Chillmodus angeschaltet, „Abhängen“ erzählt über gemütliche Momente. Wohlfühloase – Weedrauchen, Fifa zocken und den Tag den Tag sein lassen versteht der Künstler darunter. Der Song ist extrem langsam gerappt und soll einen Gegenpart zu Doubletime darstellen. Die Idee des Songs liegt schon ein paar Jahre zurück, umso erstaunlicher dass der Track den heutigen Zeitgeist ala Cloudrap trifft. „Taubenjagd“ behandelt den Umgang mit Frauen, wenn man (noch) nicht die Richtige gefunden hat. Der Stil des Textes zielt auf die Jagd- und Schussmetapher ab. Schönes Ding, da hat sich jemand einige Gedanken gemacht und diese toll umgesetzt. Ein Kompliment an den Scharfschützenkönig.

Diese Dates werden in „Bei Mir“ intensiver behandelt. Außerdem wird thematisiert, dass es schwierig ist die äußere Gefühlswand zu durchbrechen. Die Art des typischen Lovesong findet man in „Liebe“ wieder. Hier beschreibt Slona seine langjährige Beziehung zu seiner Ex-Freundin. Ihm wurde zu spät klar, dass er der jenige war, der zu wenig investiert hat. Nur wer in schlechten Zeiten zusammenhält, darf auch von echter Liebe sprechen. Der Musiker kreiert detaillierte Sprachbilder und schildert einige typische Situation. Sein Gespür für catchende Hooks kommt hier besonders zum Vorschein.

Frei“ beschreibt die Krisen und das meistens damit verbundene Ende einer Beziehung. Schlechte und gute Gefühle wechseln sich ab, irgendwie ist man froh darüber, doch hat die schönen Moment noch immer vor seinem inneren Auge. „Nix Anderes“ ist eine Hymmne und eine Huldigung an seine Freunde. Menschen, die für ihn da sind und denen er vertaut. Sein Freundeskreis erhalten eine weitere Wertschätzung. Der Flow geht ziemlich nach vorne und passt hervorragend zu den wechselnden Basstrukturen.
Bei „Schwerelos“ geht’s nicht um das typische Astronauten-Dasein, sondern eher um Abschied oder Tod. Manchmal weiß man einfach nicht weiter und möchte nichts mehr mit seiner Umgebung zu tun haben und die Schotten dicht machen. Zum Thema Tod stellt er interessante Fragen. Wer erinnert sich zum Beispiel an einen wenn man nicht mehr unter den Lebenden weilt? Feinschmecker können einige philosophische Zeilen entdecken und bewundern.

geht’s um Abschied und Tod, da heißt es
alles hat ein Ende und nix ist für Immer
und Klugscheißen macht nix nur Abschiede schlimmer,
aber auf Wiedersehen würd‘ so nicht stimmen,
denn die Meisten kommen nicht mehr zurück aus dem Himmel“

Fazit

Eine erfrischende Platte, die experimentell und persöhnlich um die Ecke kommt. Die endgültige der Scheibe entfaltet sich erst nach mehrmaligem Hören. Manche Teile erschrecken eventuell das Hörorgan ein wenig, aber werden von Mal zu Mal harmonischer. Er verzichtet auf unnötigen Kitsch und redet meistens Frei Schnauze ohne in’s Asoziale abzudriften. Sehr wenige deutsche Künstler sind mit Slona vergleichbar. Wir dürfen gespannt sein, was als Nächstes kommt. Ein wenig Potential nach oben ist noch drin und ich bin überzeugt, dass der gebürtige Offenburger die Herausforderung meistern wird.

Tracklist öffnen

01. Stimmt So
02. Porzellanladen
03. Abhängen
04. Taubenjagd
05. Bei Mir
06. Liebe
07. Frei
08. Nix Anderes
09. Schwerelos

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