Solar Blaze: Progressiver Funkrock mit psychedelischem Konzept
Sound
Musik/Songwriting
Stimme / Texte
Atmoshäre
4.2Sterne

 Solar Blaze legen mit „Empathy Box“ ein gewaltiges und vielseitiges Debütalbum vor. Sie beweisen damit, dass Konzeptalben und Popappeal keine unvereinbaren Gegensätze sind.

Nach ihrer ersten EP „Seen The Light“ im Jahr 2014 melden sich Solar Blaze aus Wien nun endlich wieder zurück und haben einiges im Gepäck. „Empathy Box“ ist nicht nur ein textlich ausgesprochen gewichtiges Album, sondern vor allem auch musikalisch sehr anspruchsvoll und gleichzeitig tanzbar. Eine Kombination, wie sie nicht viele Bands geschafft haben.

Knalliger Groove

Bass und Schlagzeug liefern eine funkige Unterlage für Gitarren mit progressivem Touch und psychedelischen Keys, abgerundet von einem gelegentlichen Theremin. Wenn Kansas und die Red Hot Chili Peppers ein Kind bekommen hätten, würde es wohl „Holy Snatch“ heißen. Dabei handelt es sich auch gleichzeitig um die erste Singleauskoppelung aus „Empathy Box“

Dass Solar Blaze damit einen funktionierenden Grundstein für ihr eigenes Subgenre gelegt haben, ist auch gleich beim Opener „Adventure Time“ klar und deutlich zu hören. Die Nummer groovt von Anfang an und lädt zum Tanzen ein, ohne dabei jemals wirklich monoton zu werden. Die beiden Gitarren sorgen, gerne auch mal auf unkonventionelle Art, für Abwechslung, allerdings ohne dabei ohnehin schon komplizierte Songstrukturen unübersichtlich zu machen. Diese Grundidee zieht sich durch einen Großteil des Albums, allerdings wären Solar Blaze wohl nicht sie selbst, wenn sie es einfach dabei belassen würden.

Der grundsätzlich funkige Progressive Rock wird immer wieder durchbrochen von ruhigeren Momenten mit einem wesentlich stärkeren psychedelischem Einfluss und wunderschönen Chören. Diese Passagen lassen unweigerlich an die goldene Zeit des Psychedelic Rock zurückdenken. Überraschenderweise gehen diese Einwürfe nicht auf Kosten der Kontinuität innerhalb der einzelnen Songs oder des gesamten Albums. Besonders hervorzuheben ist hier der Doppeltrack bestehend aus „Aporia I“ und „Aporia II“. Beide fallen nochmal besonders durch ihre Einzigartigkeit auf und stellen ein eigenes Kapital in der Geschichte des Konzeptalbums „Empathy Box“ dar.

Dystopische Postmoderne

Textlich gesehen ist das Album schwerwiegender als die Musik alleine es vielleicht vermuten lässt. Das Album erzählt in den miteinander zusammenhängenden Tracks eine Geschichte von der Überforderung des einzelnen in der modernen Welt, vom untergehen in der grauen Masse, von Ausweglosigkeit und schlussendlich, in „Merry Pranksters“, von der Flucht in eine Fantasiewelt. In dem Closer „Plant A Flower“ wird der Mensch schlussendlich von seinen Trieben geleitet und „Empathy Box“ findet auch musikalisch ein würdiges Ende. Alles in allem ist „Empathy Box“ ein Album zum Zuhören und Genießen, wird aber auch öfters energetischer und zeigt damit Potenzial für tolle Livekonzerte.

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