Sommergefühle mit Vague
Einheit
Stimmung
Lyrics
Musikalische Performance
Artwork
4.6Sterne

Das Debütalbum von den Postrockern Vague namens „In The Meantime“ trotzt der einbrechenden Kältewelle und macht Lust auf den Sommer.

Das Debütalbum der Wiener Postrocker Vague ist weniger ein Sammelsurium aus aneinandergereihten Songs als vielmehr ein Gefühl, eine Stimmung. Zehn Nummern unterstützen den Aufbau dieses ganz besonderen Eindrucks und laden uns in eine verträumte, entspannte und zugleich nachdenkliche Welt ein. So kommt es, dass der Stil von Vague sich nicht allein dem Begriff des Postrocks zuordnen lässt, sondern sich musikalisch als auch textlich an der entstehenden Stimmung orientiert. Mit der Attitüde eines Grungers, der Melancholie eines Postpunkers und den Riffs eines Postrockers machen sich die fünf Jungs aus Wien ans Werk – und leisten einen herausragenden Job.

Die mysteriöse Zwischenzeit

Schon der Titel „In The Meantime“ spiegelt eine gewisse Leichtigkeit und Flüchtigkeit wieder. „Die Zwischenzeit ist die schönste aller Zeitebenen und sich in ihr zu befinden, ist zugleich doch ein kleines Paradoxon“, beschreibt Gitarrist und Songwriter Simon Dallaserra die Faszination an dieser Zeitspanne. Außerdem hätte diese mysteriöse Zwischenzeit auch etwas wunderbar Lapidares an sich, als hätten die Jungs das Album schnell in der Mittagspause aufgenommen. Da einige Songs tatsächlich erst im Studio entstanden sind und dann sogleich aufgenommen wurden, ist die erdachte Spontanität nicht nur bloße Fantasie sondern Realität bei Vague.

In The Meantime Cover

Cover Artwork (c) Gabriel Hyden

Ein weiterer Hinweis auf die musikalische Stimmung von „In The Meantime“ ist das Cover Artwork. Ineinander verschmelzende Farben verbildlichen unterschiedliche Emotionen, verschiedene Ereignisse aus dem alltäglichen Leben und diverse musikalische Stilgriffe. „Wir dachten, unser Debüt kann wie eine Fotografie sein, die einen vergangenen Moment für andere zugänglich macht – eine Momentaufnahme unseres Schaffens“, erzählt Simon Dallaserra von dem erdachten Gesamteindruck des Werkes. Zugleich macht das Cover Lust auf den Sommer – wie auch der Sound der Band.

Entspannt und verträumt

Von der ersten Nummer „Vacation“ an bis zu den letzten Tönen von „Collisions“ versprüht die Musik Vagues einen ungekünstelten Charme. Ein entspannter Bass, beruhigende Vocals, zurückgenommene Drums und zart eingeworfene Gitarrensounds sind nicht nur kennzeichnend für die zweite Nummer namens „Death Of Ivan“. Zu diesem Song gesellt sich auch noch ein äußerst melancholischer Text, der die empfundene Stimmung noch intensiviert. Auch wenn so manche Textpassagen in einigen Songs aus dem Zusammenhang gerissen wirken, harmoniert der Gesang mit dem instrumentalen Unterbau außergewöhnlich gut und hüllt den Zuhörer in eine betäubende Klangwolke.

Richtige Sommerstimmung kommt bereits in der vierten Nummer „Park“ auf. Man kann das grüne Gras beinahe unter den Füßen spüren und den Wind durch die Blätter wehen hören. In dem darauffolgenden Song „Untitled“ fühlt man sich schlussendlich zur Gänze in den besungenen Park versetzt. Das Gitarrensolo zieht einen in den Bann und lädt dazu ein, die erzeugte Stimmung mit all ihren Farben und Facetten wirken zu lassen. Dieser Song ist auch für alle ein Anspieltipp, die gerne ein wenig etwas zum Mitwippen haben. Die durchgehende Basslinie steht im Kontrast zum variierenden Gesang und es entwickelt sich ein gewisser Flow.

Gitarrenpop

Die zweite Hälfte des Albums wird von einem Instrumental eingeleitet. Um ihren Gitarren die nötige Ausdruckskraft zu geben, haben sich die drei Songwriter und Gitarristen Gabriel Hyden, Konstantin Heidler, Simon Dallaserra hier bewusst gegen Gesang entschieden. Der Sound der Saiteninstrumente steht nun im Zentrum, was auch durch die Hommage an die Psychedelic Rock Band The Brian Jonestown Massacre im achten Song namens „You Know It’s There“ betont wird.

Vague Band

Vague (c) Gabriel Hyden

Das Ende des Albums kommt plötzlicher als erwartet – und das nicht nur, weil die Scheibe von Vague sich beinahe ewig drehen könnte, ohne ihre Wirkung zu verlieren. Der letzte Song „Collisions“ beginnt  mit einem Akustikgitarren-Intro und wirkt überraschenderweise viel strukturierter als die vorangehenden Nummern. Viel Text wurde in die letzten Minuten gepackt, der zwar mit dem Klangteppich aufs Neue verschmilzt, aber dennoch ungewohnt erscheint. Dann – ohne Vorwarnung – ist das Album plötzlich zu Ende, ohne jeglichen Nachhall. Die beste Lösung, um diesem abrupten Ende zu kontern: Einfach wieder bei Song Nummer eins starten und das Postrock-Erlebnis von vorne genießen.

Fazit

„In The Meantime“ findet mit Sicherheit bald einen Platz in den virtuellen Regalen aller 80er und 90er Postrock Fans. Die Leichtigkeit und Entspanntheit der Songs lädt nicht nur zum Träumen ein, sondern ruft auch Erinnerungen an schöne Sommerstunden und besondere Momente hervor. Melancholische Textzeilen und verhalten hineingeworfene Gitarrenklänge mischen sich unbekümmert unter den rhythmischen Unterbau. Der so entstehenden Klangwolke kann man sich einfach nicht entziehen.

Tracklist öffnen
1. Vacation
2. Death Of Ivan
3. Sweet Stranger
4. Park
5. Untitled
6. Looking Queer
7. Head
8. You Know It’s There
9. Comeback
10. Collisions

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