Aufmerksame Music News-Fans können sich vielleicht noch erinnern: vergangenen Sommer habe ich schwer begeistert von einem Konzert der Grazer Band L4DIES berichtet. Was mich damals so umgehauen hat waren die smoothen, gefühlvollen Nummern, die die Jungs mit einer unglaublichen Coolness rüberbrachten, und die tolle, soulige Stimme des Frontmanns und Pianisten Matthias Kaltenegger. Seither ist es zwar konzerttechnisch ziemlich ruhig geworden um die Band, deren Genrezugehörigkeit bewusst undefiniert ist, aber das hat auch einen guten Grund: denn die letzten Monate haben die L4DIES fleißig an ihrer ersten EP mit dem Titel „As I speak“ gearbeitet. Vor dem offiziellen Release der 5-Track-EP hatte ich die Freude, schon vorab reinhören zu dürfen.

Soulige Melancholie, musikalisch top umgesetzt

Die Musik, die jemand anderer geschrieben hat, zu beschreiben oder gar zu bewerten, ist generell ziemlich schwer: gerade bei den L4DIES hört und spürt man, dass in dieser EP viel Herzblut drinsteckt, und dass sich da wirklich jemand Gedanken gemacht hat. Ich finde die Songs sind wunderbar melancholisch und gleichzeitig sehr dynamisch aufgebaut, weshalb sie in all ihrer Ruhe nicht schleppend oder eintönig werden. Gerade höre ich „Heading North“, das sich erst ganz langsam und – passend zum Songtitel und -Text – ‚karg‘ entwickelt, um dann im letzten Refrain, den Drummer Mathias Schalk rhythmisch aufbaut und einleitet, so richtig dramatisch aufzugehen. Eine weitere Nummer auf der EP ist „Epicentric“: die ist ähnlich soulig-nachdenklich, hat ein paar gut platzierte Breaks und bringt den Gesang des Frontmanns so richtig zur Geltung. Dann plötzlich ein Solo von Gitarrist Franz Duca, das die Stimmung des Songs perfekt unterstreicht (und das ich gerade zum dritten Mal anhöre). Wer einen Eindruck vom Stil der Band bekommen möchte, sollte sich unbedingt den Song „KŪS“ anhören und das dazugehörige Video anschauen: nordisch-kühl, minimalistisch, trotzdem oder vielleicht gerade deshalb aussagekräftig. Das (erlaubt mir die saloppe Ansage) sind keine Bubis von nebenan, das sind ‚ausgewachsene‘ Musiker, die schon wissen, was sie musikalisch machen und wie sie sich der Öffentlichkeit präsentieren wollen:

Weniger ist hier definitiv mehr

Ich mag an den L4DIES, dass sie sehr tight zusammenspielen (ich kann bezeugen: nicht nur auf der Aufnahme sondern auch live) und genau wissen, was sie tun, und alles sehr gut und feinfühlig ‚dosieren‘, sodass die einzelnen Instrumente wirklich ihren Platz haben und das Ganze immer sehr präzise und nie übertrieben wirkt. Ich empfehle: Unbedingt mit Kopfhörern anhören, zurücklehnen und genießen. Eine kleine Vorwarnung jedoch für unter akutem Liebeskummer Leidende: aus eurem Kummer wird euch diese EP wohl eher nicht rausreißen, die regt nämlich eher zum Nachdenken als zum Vergessen an. Eine deutschsprachige Nummer ist auch mit drauf: sie heißt „Augen“ und zeigt, da im Dialekt gesungen, eine andere Seite des Frontmanns (den man, wenn man nur die Tracks mit englischen Lyrics kennt, durchaus für einen US-Soulsänger halten könnte). Erwartungsgemäß geht es in dem Song um blaue Augen, die einen Eindruck hinterlassen haben. Die Lyrics sind aber angenehm ‚unter-determiniert‘, sodass man zu dem Song super abschalten und die eigenen Gedanken laufen lassen kann. Das Piano dazu ist unglaublich gefühlvoll, auch der Rest der Band spielt wie gewohnt wohldosiert und präzise dazu. Da ich – zugegebenerweise – keine Expertin in diesem Genre bin, möchte ich an dieser Stelle gar kein großes Fazit abgeben. Ich denke aber, die L4DIES haben es mit dieser EP geschafft, ihren Stil zu finden: nachdenklich und teils düster, sphärisch, kühl aber trotzdem gefühlvoll. Ich finde, ihr Logo und ihr visueller Auftritt auf ihrer Homepage passen da auch perfekt dazu. Erinnern mich persönlich vom Stil ein klein wenig an die dänische Band „The Desoto Caucus“, die ich wegen genau dieser melancholisch-kargen Stimmung so mag. Ach ja: die EP „As I speak“ wird es – passend zum cool-eleganten Style der Band – auf Vinyl, aber auch zum downloaden geben. Ich werd mir die Platte holen.

Fotocredit: L4DIES

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