T2theSide - "!&?#$*"
Beats
Flow
Lyrics
Stimmeinsatz
Betonung/Variation
1.4Sterne

Eine unterirdische Leistung, die bestenfalls mit einem gehörigen Augenzwinkern feierbar wäre.


Der Wiener Rapper Dominik Tietze aka T2theSide ist zurück mit seiner EP „!&?#$*„. Das Release beinhaltet vier Tracks und kann seit dem 20. März 2016 bei iTunes und Amazon gekauft werden. Die komplette Produktion wurde im Studio11 in Wien durchgeführt.

Mix- und Mastering stammen ebenfalls vom namhaften Produzenten Freshmaker, welcher bereits Beats für Kollegah oder Farid Bang bastelte. Produktionstechnisch stimmt da alles, aus dem vorhandenen Spuren wurde das maximale Ergebnis geformt. Freshmaker steuerte drei Beats bei, Egzon Surkishi lieferte das Instrumental zu „L.F.2.T.K“. Die Beats klingen allesamt richtig gut und sind vollends ausproduziert.

Das sind leider die einzigen Stärken der EP, das Potential der geilen Produktionen wird überhaupt nicht ausgenutzt. Zu Anfangs fiel das analytische Zuhören immens schwer, wenn man sich aber eingesteht, dass der künstlerische Anspruch nahe am Nullpunkt liegt, macht das Zuhören Spaß, da man Lachkrämpfe nicht vermeiden kann. Ich würde empfehlen, das Ganze noch weiter durchzuziehen und stillosen Comedyrap ala Moneyboy zu betreiben. Die Namensgebung der EP und den einzelnen Tracks ist auch sehr abstrus. Man musste erst mehrfach nachfragen, um den Sinn herauszufinden. T2theSide beschreibt die Sonderzeichen als Chance, nun darf man sich die detaillierte Erklärung des Künstlers ansehen:

! – das ich eine Chance will, der Schrei nach einer Chance
& – und was ist jetzt mit meiner Chance
? – bekomme ich eine Chance – Ja oder Nein
# – ich setze das Zeichen auf eine Chance
$ – spielt Geld eine Rolle, dass ich eine Chance bekomme
* – ob die Sterne wollen, dass ich eine Chance bekomme

Die Erklärungen sind natürlich jedem Menschen auf den ersten Blick sofort klar, keine Frage. Man darf verwundert sein, oder einfach nur herzhaft lachen. Ich empfehle letzteres. Gehen wir nun aber die Tracks Schritt für Schritt durch. Warum der erste Song „Arschgarage“ heißt, erschließt sich natürlich. Es geht um eine verwöhne Person, die nichts leisten muss und Geld in den Hintern gestopft bekommt. Wenn man sich aber die Lyrics genauer anschaut, könnte man beinahe annehmen, er meint seinen eigenen Opa. Dem ist aber nicht so. Grammatikalische Meisterwerke wie „doch ich ging in diese Welt“ sind nur die Spitze des Eisberges und für einen 23-Jährigen Mitteleuopäer einfach beschämend und peinlich. Die Aussprache der Anglizismen sind zudem auch mehr als merkwürdig.

K!LL Ch!LL“ soll anscheinend etwas in die Battlerap- und Representerrichtung gehen. Die sogenannten Lyrics wirken einfach nur lächerlich und dürfen gleich bewundert werden. Keine Zeile passt zu der anderen, manchmal werden auch nur irgendwelche Wörter, die sich reimen, aneinander gereiht. Die eingefügten Addlips erfüllen ihren Zweck auch nicht.

„das Karma fickt dich du Farmer, Drama
ohh Panorama, Marihuana aus Parma
hilft dir nicht weiter, steig auf die Leiter da oben
fühlst du dich high, hier unten bist du nicht frei“

Nun folgt der Titeltrack „!&?#$*„, die Sonderzeichen sollen laut den obigen Erklärungen das Wort „Chance“ symbolisieren. Der Rapper ist anscheinend wirklich von seinen Fähigkeiten überzeugt, seine Hoffnung scheint nicht zu fallen. Völlig sinnentfremdete Aussagen und die Bitte nach einer Chance dominieren den Song, den Beat hätte man besser nutzen müssen. In „L.F.2.T.K“ wird auf einen orientalisch angehauchten Beat gerappt, an manchen Stellen kann man wenigstens von einem durchwachsenden Flow sprechen. Dies darf als absolutes Highlight bezeichnet werden. Zeilen und flache Phrasen wie „chillige, billige, willige Bicht mach mich rich“ kommen zum Einsatz. Die Wörter „Dancefloor“ und „House“ werden in der Hook so komisch betont, dass man sich fragt ob das überhaupt gewollt ist. Mit dieser EP möchte der junge Rapper ein Zeichen setzen und die Leute auf ihn aufmerksam machen. Die Betonung liegt auf möchte.

Fazit

Professionellität oder ein hoher künstlerischer Anspruch sehen definitiv anders aus, das Hören der EP war zu Anfang ziemlich schwer und anstrengend. Wenn man sich aber einfach entertainen lässt und die Musik als ungewollten Comedy-Rap betrachtet, hat man kurzweiligen Spaß an der Scheibe. Die Leistung ist mehr als unterirdisch – besonders weil der Künstler schon einige Jahre Musik macht und jede Menge Geld in das Release gesteckt hat. Die Rechtschreibfehler und der nicht korrekte Satzbau in den Lyrics und den Pressetexten sind nur einige der weiteren Kritikpunkte.

Die nicht vorhandene mediale Relevanz spiegeln die musikalische Qualität gut wieder, der Großteil wird den Rapper ignorieren. Die Beurteilung ist anhand dieser Gesichtspunkte noch großzügig ausgefallen. Dem Gesagten ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Ich persöhnlich werde die vier Songs ab und an laufen lassen. Sie sind immer für einen Lacher gut und heitern mich in Zeiten, in denen es mir nicht gut geht, immens auf. Denn dann weiß ich, egal wie heftig ich auf die Schnauze falle, es gibt Schlimmeres.

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01 – Ar$chgarag€

02 – K!LL Ch!LL

03 – !&?#$* (Chance)

04 – L.F.2.T.K

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