Tag Sieben bricht an
Lyrics
Vocals
Instrumental
Ambiente
Konzept
4.0Sterne

Anfang Juli hat die Tiroler Progressive Metalband „Tag Sieben“ ihr Debütalbum „Live in Bethlen“ rausgebracht. Wir haben es uns angehört.

Am 7. Juli diesen Jahres haben Tag Sieben ihr sechs Songs schweres Debütalbum veröffentlicht. Die Scheibe trägt den Titel „Live in Bethlen“ und ist lyrics-technisch ganz in deutscher Sprache gehalten. Wer bis jetzt nicht geschlafen hat, sollte schon bemerkt haben, Tag Sieben will auf etwas hinaus. Veröffentlichungsdatum ist der 07.07., Name der Band ist „Tag Sieben“ und der Albumtitel erinnert an Betlehem. Da zeichnet sich ein Muster ab. Dazu später mehr.

Das Album ist wie eine Live-Aufnahme gehalten – soll heißen, dass am Anfang und Ende der Songs (und teils auch zwischen drinnen) Applaus-Soundelemente eingebaut sind. Die Inszenierung eines Live Ambientes bei einem Studioalbum ist immer etwas heikel. Hier funktioniert es trotzdem. Einerseits, weil das Konzept wirklich konstant durchgezogen wird. Die Ausnahmen bestätigen hierbei die Regel, wie zum Beispiel das Ende von Track Nummer zwei und drei – „Sympdaemonisch“ und „Zwist“. Andererseits, weil der eingespielte Applaus sich dezent im Hintergrund hält und nicht an die vollkommen durchdrehenden Massen bei einem Slayer Konzert erinnert, wodurch die komplette Stimmung des Albums sonst wo gewesen wäre.

Wer sind Tag Sieben?

Damit wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Ihr habt richtig gelesen, für das Album gibt es ein Konzept. Und nicht nur für das Album, sondern für die gesamte Band, ihr Auftreten in der Öffentlichkeit, ihr Wording, kurz: Tag Sieben ist ein lebendes Kunstgebilde, bestehend aus Kunstpersonen. Die Namen der Bandmitglieder werden auch aus diesem Grund nicht bekanntgegeben. Die Illusion rund um Tag Sieben soll aufrecht erhalten werden . Die Jungs ziehen ihre Story strikt durch – wobei man annehmen kann, dass es sich um eine reine Männerband handelt. Falls nicht, sieh dies als Entschuldigung, oh du gesichtsloses, geheimnisumwobenes weibliches Bandmitglied.

Die Band spielt mit teils historischen Fakten, Legenden und Numerologie, um einen eigenen Mythos rund um ein antikes Skript aufzubauen, zu welchem es auf der Bandwebsite umfangreiche Infos gibt. In diesem Skript ist mehrfach die Rede von „Tag Sieben“, wobei nicht genau darauf eingegangen wird, was „Tag Sieben“ ist – ein Tag oder eine Wesenheit – oder was an ihm exakt passieren wird. Wird an beziehungsweise durch Tag Sieben im Skriptum die Welt untergehen? Man weiß es nicht. Auch Fakten über die Band sind vage gehalten. So beginnt die Bandhistorie auf der übrigens außerordentlich feschen Website nicht etwa 2000-irgendwas, sondern am 6. Juni 367 nach Christi-Geburt.

Keine Antworten, sondern Fragen

Man merkt, es ist wirklich leicht sich in dem umfangreichen Konzept rund um Tag Sieben zu verlieren. Aber zurück zum Album. Eröffnet wird die Scheibe durch – wie sollte es anders sein – den Track „Skript“. Auf dem legen die Jungs (?) gleich richtig los. Es wird auf die Drums gehämmert und in schöner Progressiv Metal-Manier drauf losgegeigt. Begleitet werden die eben nicht sanften Klänge durch die rotzigen Vocals des leicht angezwidert klingenden Sängers. Durchgehend leicht angezwidert sind auch die Lyrics von „Live aus Bethlen„. Sie handeln von „der Zerstörung der Welt, Philosophie und Theologie, inneren Konflikten, emotionaler und sozialer Abgestumpftheit und literarischen beziehunsgweise historischen Aufarbeitungen“. Kurz: Es geht düster zu. Aber Tag Sieben wollen auch keine Antworten liefern, sondern Fragen stellen.

Aus dem Schema der restlichen Songs bricht Track Nummero vier heraus, „Intelligible Welt“. Er startet ruhig, die Vocals sind sanft und zur gleichen Zeit kraftvoll und das Ambiente melancholisch. Am Anfang des Songs bricht ein Strahl der Hoffnung durch, doch mit dem ist es zur Minute 2:00 aus und vorbei. Mit Textzeilen wie „wir steigen dem Abgrund zu“ kommt Weltuntergangsstimmung auf.

Auch der Song „Marsch der Tränen“ macht mit seinem Titel keine leeren Versprechungen und zeigt einen schönen Gesellschaftspessimismus. Durch die Backvocals und wohlgefallen-erregende Gitarrenriffs kommt Abwechslung in die Nummer. Abgeschlossen wird das Album durch den Track „Mal dich an“, bei dem Tag Sieben ein starkes Intro hinlegen.

Wenn die letzten Tackte verklingen, hat man erst mal was zu verdauen. Die Texte regen zum Nachdenken an und gehen nicht einfach bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus. Der Finger ist verführt, auf die Repeat-Taste zu klicken. Weiters merkt man, das Tag Sieben ihr Herzblut in ihre Band gesteckt haben. Vom Albumcover, über die Website bis zu den Lyrics – alles ist mit Liebe zum Detail und Sorgfalt erschaffen worden. Jetzt wollen wir nur mal hoffen, dass durch Tag Sieben die Welt nicht doch untergeht. Wenn nicht, könnt ihr das Album hier bestellen.

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