The Libertines - Anthems For Doomed Youth
The Libertines beweisen sich wieder und sind mit diesem Album im Indie-Olymp angekommen; wenn sie nicht eh schon die ganze Zeit dort waren.
Songwriting10
Lyrics10
Abwechslung6
Sound8
8.5Gesamt

Grandios zurück und mit leichtfüßigem Indie-Rock im Gepäck: The Libertines mit ihrem Comeback „Anthems For Doomed Youth“.

The Libertines sind die weltweiten Top-Stars des Indie-Rock. Nun melden sich die vier Freigeister aus London nach elf Jahren der musikalischen Abstinenz mit dem neuen Album Anthems For Doomed Youth zurück. In diesem Zeitraum ist viel passiert. Da waren zum Beispiel Pete Dohertys häufige Drogenexzesse und Entzugskuren. Er brach sogar in das Apartment seines Bandkollegen Carl Barât ein und musste dafür zwei Monate ins Gefängnis.

Danach gab es Spannungen innerhalb der Band und mit dem Produzenten Mick Jones, dem ehemaligen Gitarristen von The Clash. Das Album wurde zwar fertig gestellt, jedoch wurde die folgende Tour von vielen Konzertabsagen geplagt. Auch daran war Doherty mit seinen Eskapaden schuld. Folglich weigerte sich der Rest der Band mit ihm auf der Bühne zu stehen und die inoffizielle Auflösung war damit besiegelt.

Auf dem Weg zu neuem Ruhm

Daraufhin gründete Doherty die Band Babyshambles und Barât die Formation Dirty Pretty Things. Keine der beiden konnte an die Erfolge und die Qualität der ersten beiden Libertines Alben anschließen. Als sie 2010 zwei Konzerte bei den Reading und Leeds Festivals für ungefähr 1,6 Millionen Euro spielten, wurden erste Gerüchte einer Reunion laut. Bis sich dieser Wunsch vieler Fans erfüllte, dauerte es aber wieder bis 2014. Da kam es aber dann ganz dick! Es gab die Ankündigung einer kurzen Europa-Tournee und eines neuen Albums.

(c) the Libertines

The Libertines – Anthems For Doomed Youth

Pete ist wieder clean, alle haben sich lieb und nun ist das seit langem erwartete Album endlich da. Vorfreude und Angst hielten sich bei mir in Waage. Wie sind die Libs‘ gealtert? Wie arbeiten Doherty und Barât, zwei der letzten, wirklichen Poeten der Musikbranche, zusammen? Wie hat sich die Band seit den ersten beiden Alben verändert?

Punk is dead

Das Album startet mit dem Indie-lastigen Barbarians, einer Nummer mit großem Mittanz- und Mitsingpotenzial. Gary Powell peitscht auf seinen Toms den Rhythmus dahin während die Lead-Gitarre in typischer Libertines-Manier verspielt über dem Song steht. Ein perfekter Einstieg in die LP, welche sich vor allem mit durchwegs exzellentem Songwriting auszeichnet. Bei der ersten Single Gunga Din, benannt nach einem Gedicht des englischen Dichters Rudyard Kipling, hört man spürbar Einflüsse der Babyshambles. Die Libertines spielen mit der gesamten Erfahrung, welche sie in ihrer beinahe 20-jährigen Bandgeschichte angesammelt haben. Nur die schnellen, dreckigen Nummern fehlen. Die zackigen Post-Punk Stücke, bei denen sie 310 beats per minute drauf hatten und live oft nicht mehr mit dem Singen nachkamen – diese Momente fehlen dem Album. Dafür gibt es einige wunderschöne Balladen wie You’re My Waterloo, The Milkman’s Horse oder Dead For Love. Diese Werke gehören zu den besten, die sie je geschrieben haben. Der Rest der Platte besteht aus Indie-Rock/Britpop Nummern, bei denen der Glanz vergangener Tage wieder aufblitzt.

Unbekümmerte, beschwingte Arrangements

We’re going nowhere, but nowhere, nowhere’s on our way

Insgesamt verblüfft Doherty mit einer ungewöhnlich klaren und starken Stimme. Es gibt kein unkontrolliertes Geschreie mehr, obwohl bei einigen Stellen hörbar mit vielen Effekten nachgeholfen wurde. Etwas Charme geht dadurch leider auch verloren. Barât nimmt man den Dandy, der er auch ist, immer wieder ab. Seine charismatisch tiefe Stimme brummt sich angenehm durch die Platte. Die beiden arbeiten gesangstechnisch so gut zusammen wie noch nie zuvor. Powell weiß, wann er sich mit den Drums zurückhalten muss und vermittelt noch immer grandios seine rohe Kraft hinter dem Set. John Hassall liefert am Bass ein Gustostück nach dem anderen ab. Die Lines seien jedem Indie-Bassisten ans Herz gelegt. Die Lyrics sind, wie gewohnt, großes Kino und erzählen von der Vergangenheit, Partys, Liebe und dem Leben. Das gesamte Album ist perfekt arrangiert. Hier hört man einmal ein Piano mit Streichern, dort Tamburin, Shaker und Orgeln. Alles fügt sich manierlich zusammen und es gibt keine Störfaktoren. Die gesamte LP ist wie aus einem Guss.

Fazit

The Libertines zeigen uns, wie man als Band reifen kann. Nach so vielen Höhen und Tiefen ein derart überzeugendes Album abzuliefern, übersteigt schon fast musikalische Genialität. Sie erfinden sich nicht neu, kehren immer wieder zu ihren Wurzeln zurück und machen weiter zwanglose, unschuldige Musik. Auch wenn sie Anthems For Dommed Youth in der Indie-Hochzeit der späten Neunziger veröffentlicht hätten, wären sie Größen des Genres geworden.

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