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The T.S. Eliot Appreciation Society - Ein Album mit Interpretationsspielraum
Eingängigkeit
Emotionen
Abwechslungsreichtum
Texte
3.8Sterne

Mit seinem aktuellen Album „Turn it Golden!“ legt der Singer-Songwriter The T.S. Eliot Appreciation Society eine Indie-Pop-Platte mit Folk-Einschlag vor, die sich auf melancholische Weise mit dem Thema Selbstfindung auseinandersetzt.

Wer hinter „The T.S. Eliot Appreciation Society“ tatsächlich eine “society”, also eine Gemeinschaft, vermutet, irrt sich: Einziges Mitglied dieser selbsterklärten Gemeinschaft der Bewunderer des amerikanischen Schriftstellers Thomas Stearns Eliot ist der Niederländer Tom Gerritsen. Nun hat der Indie-Folk Singer-Songwriter unter dem Titel „Turn it Golden!“ sein zweites Album veröffentlicht.

Spielraum für Eigeninterpretation

The Grand Tour“, der zweite Track nach dem rein instrumentalen Opener „Anne‘s Lullaby“, nimmt den Zuhörer mit auf eine phantastische Reise durch die Vorstellungskraft eines jungen Mannes. Mit seinen surreal anmutenden Lyrics, die eine zusammenhängende Geschichte erzählen, ist der Song eines von eher wenigen Beispielen für das, was „Turn it Golden!“ zu bieten hat: Viele der Songs auf Gerritsens zweitem Album sind melancholische Erinnerungen an vergangene Erlebnisse oder verträumte Gedankenspiele im Stile von „Was wäre, wenn…“. Dabei lässt ganz besonders der Songtext zu „The Grand Tour“ eine Menge Spielraum für Eingeninterpretationen – was vom Künstler wohl ganz bewusst so gewählt ist. So lädt der Song zum nachdenken und träumen ein und ist mit seiner mitreißenden Melodie eines der absoluten Highlights auf „Turn it Golden!“

Ein weiteres Beispiel für die Stärken von „Turn it Golden!“ ist „Holy Motors!“, der fünfte Track des Albums, der auf gekonnte Art und Weise eine nicht-musikalische Geräuschkulisse in die Melodie einbaut. „Holy Motors!“ beginnt mit einer minimalistischen Instrumentierung und Gerritsens nachdenklichen Lyrics über die verzweifelte Suche nach innerer Ruhe und sich selbst, bevor im letzten Drittel die Geräusche von knarrendem Holz, im Wind flatternden Segeln und seichtem Wellengang einsetzen. In Kombination mit der Melodie eines Akkordeons entsteht so eine Atmosphäre maritimer Nostalgie und Entspannung. Umso überraschender ist der Stimmungswechsel in der letzten Minute des Songs: Während des akkordeonlastigen Outros, das genauso gut aus einem Piratenfilm stammen könnte, wird aus melancholisch-maritimer Entspannung plötzlich Abenteuerlust – als könne eine Seereise jeglichen Zweifel an der eigenen Identität bereinigen.

Auch der Nachfolgetitel, „The Fall“, überzeugt mit einer eingängigen Melodie und nachdenklichen, selbstkritischen Lyrics über die Suche nach der eigenen Identität. Doch statt dabei im Selbstmitleid zu versinken, zeigt Gerritsen hier die guten Seiten seiner Orientierungslosigkeit auf: Wer noch nicht weiß, wer er ist, hat umso mehr Zeit, es herauszufinden – und kann dabei eine Menge über sich selbst und die Welt lernen.

Angenehm unaufdringliche Monotonie

Doch nicht alles an „Turn it Golden!“ ist positiv; tatsächlich sind die drei genannten Songs die einzigen, die das Potenzial haben, dem Hörer langfristig in Erinnerung zu bleiben. Alle übrigen Tracks fallen zwar nicht explizit negativ auf, haben aber nur wenig Wiedererkennungspotenzial. Stattdessen plätschert ein Großteil des Albums in wohltuend-unaufdringlicher Monotonie vor sich hin und bildet eine angenehme Kulisse an Hintergrundgeräuschen für Situationen, in denen weder laute, aufdringliche Musik, noch vollkommene Stille passend erscheinen – als konkrete Vorschläge seien hier Studien-Lerngruppen oder die Playlist eines Hipster-Coffeeshops genannt.

Außergewöhnliche Songs für den Herbst

„Turn it Golden!“, das zweite Album von Tom Gerritsen ist mit seiner nachdenklich-melancholischen Grundstimmung wie geschaffen für die kalte Jahreszeit. Als Ganzes ist das Album angenehm unaufdringlich; einige ausgewählte Songs überzeugen zudem mit außergewöhnlichen Texten und Melodien, die das Potential haben, noch lange nach dem ersten Hören in den Köpfen ihrer Zuhörer hängen zu bleiben.
Wer The T.S. Eliot Appreciation Society gern live erleben möchte, hat dazu übrigens im November die Gelegenheit.

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