Knapp drei Jahre nach der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Erstlingswerks legen The Weather Machine mit ihrer zweiten LP „Peach“ nach – ein Review über das bei uns am 5. Februar erschienene Album der fünf US-Amerikaner.

Folkig, aber bis auf den Schlagrhythmus des Singer-/Songwriters Slater Smith nicht annähernd an Mainstream Folk à la Mumford and Sons erinnernd; nicht demütig, aber dennoch nicht blauäugig hoffnungsvoll – „Wild West Coast“, der Opening Track des neuesten Werkes der aus Oregon stammenden Band, gibt musikalisch sowie textlich eine klare Richtung vor. Eine bis dato in dieser Mischung nur sehr selten gehörte Richtung. Am ehesten erinnern Stimme, Songwriting und die Art der Produktion des Songs noch an die eher unbekannten australischen Folk-Rocker von Boy & Bear.

Peach

The Weather Machine – Peach

Zumindest bis Matthew Cartmill mit seinem Cello einsteigt und gemeinsam bald darauf (nach einem weiteren Verse und einem relativ langen, nicht wirklich eingängigen Refrain) gekonnt in einen Mittelteil übergeleitet wird, der das Bild des gesamten Songs von Grund auf ändert. Nun ist die schlichte Definition eines Folk-Songs nicht mehr zulässig und muss auf eine Mischung aus eben jenem mit Spannung aufbauenden Akkordfolgen, die mit dramatischem, mehrstimmigem Gesang hinterlegt sind, erweitert werden (wahrscheinlich beschreiben The Weather Machine ihren Musikstil auf ihrer Facebook Seite deshalb als einen, den es eigentlich nicht gibt, und den sie noch dazu selbst erfunden haben: Power Americana.)

Jedoch holen uns die Jungs rund um Frontmann Smith wieder aus diesem unerwartet angebrochenem Kurztrip heraus, indem sie ihn solo mit Gitarre überleiten lassen – abermals in den vorhin beschriebenen dramatischen Teil, nur diesmal hinterlegt mit einer verspielten Melodie. Der Song endet daraufhin mit einer dramatisierten Version des Refrains und hinterlässt HörerInnen sehr wahrscheinlich auch nach mehrmaligem Konsumieren mit doch begeisterter Verwunderung.

Die detaillierte Beschreibung des ersten Tracks ist deshalb wichtig, weil sich dieses Songwriting Schema durch das ganze Album zieht, welches über das bandeigene Label „The Weather Machine“ veröffentlicht wurde. Eindeutig nicht kommerzradio-fähige Kombinationen von Songteilen und Arrangements, die zwar oft sofort ins Ohr gehen, jedoch nur selten hängen bleiben, aber dennoch nie fad werden – genau das macht The Weather Machine zu einem richtig guten Geheimtipp, der vor Selbstvertrauen strotzt. Zurecht, wirken schließlich auch jene Songs, in die versucht wird, die gesamte musikalische Bandbreite der Band (und da ist von Country über Rock bis hin zu Electro wirklich alles dabei) auf einmal zu packen, nicht wirklich überladen – spätestens nach dem zweiten Reinhören in jene Lieder wird klar, dass jeder Teil jedes Songs wirklich durchdacht ist.

Ausnahmen von der Ausnahme

Trotz des außergewöhnlichen Stils sind zwei Titel hervorzuheben. Einerseits wäre da Track Nummer sechs, der den gleichen Namen wie das Album trägt, „Peach“. Während der Rest der Band dem selbst definierten Stil treu bleibt, macht Gitarrist Colin Robson von einem für den eigentlichen Musikstil der Band sehr untypischen, sphärischen Delay Gebrauch und Drummer Luke Hoffman wechselt (zumindest am Album) während des Songs zwischen Standard- und E-Drumset hin und her.

Andererseits wäre da noch Track Nummer sieben. Dieser könnte genauso gut auf ein Comeback Album der New Jerseyer Alternative Rocker von My Chemical Romance draufgepackt werden. Hier und da ein dissonanter Akkord, für Texter Smith ungewöhnlich unverpackte Lyrics und ein schleppender Grundbeat, bei dem man sich zum Nicht-Mitschunkeln schon zwingen muss – „Breakup Song“ ist, obwohl (oder gerade weil) er sich stilistisch vom Rest des Albums abhebt, mit Sicherheit einer der am sympathischsten Songs auf „Peach“.

„PEACH“ live

Die beste Gelegenheit, sich gleichzeitig einen Eindruck von „Peach“ und den Live-Qualitäten der höchst motivierten Burschen zu machen, bietet sich an einem ihrer zahlreichen Europa-Tourdates im Februar, wo man das Album nicht nur erwerben können, sondern auch live zu Ohren bekommen wird. Genauere Infos zur Tour von The Weather Machine finden sich in unserem Tour Preview.

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