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Turbobier: Das Neue Festament im Review
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4.2STERNE

Am 27. Jänner 2017 ist es da, das zweite Album der Dranglerpunks von Turbobier. Die Burschen haben sich entschieden es am selben Tag in der Lugnercity in Wien bei „Turbobier on Ice“ zu präsentieren. Wir haben das neueste Werk vorab schon mal angehört.

Das neue Jahr ist noch jung, aber auch 2017 geht es bei Turbobier Schlag auf Schlag. Mit zwei Singles samt Videos wurde es schon letztes Jahr angekündigt und am 27. Jänner, 17.00 Uhr wird es in der Lugnercity erstmals Live präsentiert: Das Neue Festament. Anschließend gehen die Burschen mit dem Tonträger im deutschprachigen Raum auf Tour. Normalerweise sagt man, dass das zweite Album das schwierigste für eine junge Band sei. Doch soviel ist schon jetzt zu verraten: Turbobier hat auch diese Hürde bravorös gemeistert.

Bieristen aufgepasst: Das Neue Festament

Turbobier legt bei diesem Tonträger mit ihrer ersten Singleauskopplung „Verliebt in einen Kiewara“ los. Der Song wurde schon letztes Jahr beim Weltrekordversuch im Bierstechen in Hollabrunn vorgestellt. Vor Weihnachten kam dann das Video heraus, für das sie Toni Wegas als Herzblattmoderator gewinnen konnten. Der zweite Track des Albums ist allen „Feuerwehrfestln“ gewidmet und dementsprechend ein klassisches Turbobierlied. „Es geht nicht um Kulinarik, wir gehen unter wie die Titanic“ reimt Marco Pogo und erweist sich wieder als großartiger Bierpoet.

Mit ihrer zweiten Single „A Mensch is a Mensch“ werden Turbobier erstmals wirklich deutlich politisch. Sie zeigen, dass ein Musiker, auch wenn man dem Publikum meist eine bierseelige Show bietet, manchmal auch Stellung beziehen muss. Mit „Feiertag“ geht es aber gleich wieder in bewährter Manier weiter. Sie fordern ein ganzes Jahr Feiertag. Doch bei allem Feiern des „Tachinierertums“ wir schon bei den ersten Tracks des Albums klar, dass Turbobier im letzten Jahr alles andere als musikalische Tachinierer waren. Es wurde 2016 hart gearbeitet, um einen Tonträger dieser Qualität zustande zu bringen.

Mit der „Heiligen Bierbel“ wurde wieder ein Song für die von Marco Pogo gegründete Religion der Bieristen geschrieben. „Die Hostien sind kalt und flüssig.“ singt der Religionsgründer: „Bei uns gibt es nie Ebbe, immer nur Flut.“ Nach dieser Aufstellung von Glaubenssätzen wird als nächstes die Hymne an DAS Wiener Erholungsgebiet „Insel muss Insel bleiben“ präsentiert. Auch mit „Fettsein ist ein Menschenrecht“ schließt ein Song an, der sich gut zum Mitsingen auf Partys eignet.

Mit „Der Albtraum jeder Schwiegermutter“ wird Turbobier wieder etwas familiärer: „Kein Job, kein Haus und nicht adrett. Ka Chef, ka Pflicht und dauerfett.“ Ebenfalls geben Turbobier erstmalig zu, dass an dem Vorwurf, sie würden den Konsum von Alkohol verherrlichen, etwas dran sei. Die Begründung für diese Einstellung liefern die Jungs mit dem Titeltrack des Albums „Das neue Festament.“ Das Verwirklichen der persönlichen Freiheit ist ohne das Negieren gewisser gesellschaftlicher Konventionen für den einzelnen nicht möglich. Turbobier liefert eine gute Erklärung für die anarchistische Grundeinstellung der Punkbewegung der 70er und 80er Jahre und übersetzt deren Anliegen verständlich in die Sprache des Publikums des 21. Jahrhunderts.

Doch genug politisiert, es folgt mit „Mitzi“ eine Liebesgeschichte. Mit „Punkfahrrad“ schließt eine Ode an Marcos altes Fahrrad an mit der Aussage: „Schöne Dinge müssen nicht viel Geld kosten.“ Ganz ohne politische Statements geht es in diesem Album wohl wirklich nicht. Mit „An erster Stelle“ schließt das zweite Album von Turbobier mit einer Ballade und einem ganz unpunkigen Steelguitar-Solo.

Fazit

Das Turbobier nicht eine reine Blödelpartie ist, sollte ja schon früher aufgefallen sein. Dafür waren ihre Aktionen zu bewusst geplant und ausgeführt. Aber nun mit ihrem zweiten Studioalbum, von dem sie selber sagen: „Mit „Das Neue Festament“ präsentieren wir uns musikalisch gereifter, die neuen Songs sind vielseitiger und druckvoll produziert.“, ist das Bestreben, auch politisch mehr auszusagen viel deutlicher, als es bei ihren früheren Songs war. Wie schon in den 80er Jahren die EAV bewiesen hat, dass politische Aussagen in Rocksongs nicht die Liveshow und die Stimmung ruinieren, sondern sie bereichern, treten Turbobier mit diesem Album durchaus ihre Nachfolge an.

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