Velvet Rats auf Schmeicheltour
Stimme
Instrumentation
Gesamteindruck
4.5STERNE

Das Letzte, das man von Son of the Velvet Rat gehört hat, war das Live Tape im Jahr 2014. Es hörte sich beschwingt an, stellte damals schon einen Kontrast zu Georg Altzieblers gewohntem Stil dar, zumindest was den Teil angeht, der in Österreich eingespielt wurde.

Mit dem neuen Album Dorado zeigt er sich wieder von seiner ruhigeren Seite. Seit 17. Februar 2017 ist die Scheibe im Handel erhältlich. Jetzt wird ganz mit internationalem Flair vom neuen Hauptwohnsitz Kalifornien aus Musik gemacht. Treue österreichische Fans sollen aber nicht zu kurz kommen, daher ist eine ausgedehnte Tour geplant. Dazu später mehr.

Stimme

Beim ersten Reinhören wirkt die Stimme wohl als der größte Pluspunkt des Albums. Sie ist ruhig, schafft es in Sekundenbruchteilen HörerInnen den Adrenalinlevel dermaßen zu senken, dass man sich setzt und zuhört, die Musik ohne Nebenbeschäftigung genießt. Dabei machen schwindende Töne, der leicht kratzige Sound und eine gewisse Zartheit die Hauptzutaten aus. Dieser Effekt ist Kontrast zur wunderbar tiefen Stimme und harmoniert bestens mit den weiblichen Hauptstimmen und Backgroundvocals.

Instrumentation

Instrumental gesehen ist das Album aufwändig gestaltet, nicht unbedingt vom Spiel her, sondern durch die Vielfalt der eingesetzten Instrumente. Die Favoriten auf Hörerseite sind klar Violine und Bluesharp, allein schon, weil man so etwas in der heutigen Popkultur selten zu hören bekommt. Eine gelungene Abwechslung.
Eigentlich im Folk angesiedelt, bedient sich Son of the Velvet Rat bei Elementen des Country gemixt mit einer Prise Modernität, in diesem Fall der Hammondorgel und elektronischer Wendungen. Die Hammondorgel wird übrigens von Heike Binder, der Ehefrau Altzieblers, gespielt. Sie macht das Duo komplett. Für besonders Interessierte hat das Album die eine oder andere instrumentale Überraschung in petto.

Ganz weich

Das Album beginnt mit einem Spektrum an Balladen. Sehnsüchtige Melodien reflektieren die poetischer Lyrik, die gefühlvoll vorgetragen wird. Nicht jedes Riff ist so ausgeklügelt, wie man es sich wünschen würde, doch insgesamt haben alle Songs Teile, die ausgleichend wirken. Ob absichtlich oder nicht, die Instrumente, die im vorangehenden Song eingeführt werden, stehen einen Track weiter deutlich im Mittelpunkt, ohne störend zu wirken. Chapeau für die Tracklist! „Blood Red Shoes“ ist die Single, deren Veröffentlichung schon auf Youtube gefeiert wurde. Sie weckt die erste Hälfte des Albums ein wenig auf, daneben glänzt auch „Copper Hill“ mit harmonischen Wendungen, und „Love’s The Devils Face“ hat so eine derart dezent eingesetzte zweite Stimme, dass man sich denkt: Zarter geht’s nicht mehr! Es kommt fast ein bisschen Ironie auf, wenn man die Zeilen „I hear you whisper when the wind blows“ auf sich wirken lässt. Perfekte Umsetzung! – vielleicht schon zu wörtlich genommen…

Und dann etwas härter

Track 6 überrascht. „Surfer Joe“ ist das erste Lied, das nicht in das ursprünglich eingeleitete Gefühl des Verzehrens, der Sehnsucht passt. Woher kommt der Stilwechsel? Es scheint, als ob der Übergang für eine Schallplatte gemacht wäre, bei der Hörer die Chance haben, sich an neue Gegebenheiten anzupassen, weil man durch das händische Wenden der Platte sowieso schon in Aktion ist. Die plötzliche action ist somit besser zu verkraften.
Allerdings kann man sich auch auf „Angela“ freuen, ein Track, der sich Zeit lässt. Irgendwo zwischen den Zeilen des Songs verliert man sich und kommt irgendwann in der Minute, in der Son of the Velvet Rat den Song ausklingen lässt, wieder zu sich.
Manchmal wünscht man sich für das Album eine etwas vollere Instrumentation oder zumindest, dass vom bestehenden Instrumentensortiment mehr Klang erzeugt würde. Meist wird dem fehlenden Effekt jedoch mit Bläsern vorgebeugt. „Tiger Honey“ bildet die Ausnahme, es klingt sehr dünn.
Der letzte Song, „Franklin Avenue“, schließt das Album und stellt die perfekte Rückführung zu Track 1 her, die CD ist in sich also eine geschlossene Sache.

Fazit und Tourdates

Eigentlich kann man nur sagen, dass das Album gut ist. Die Stimme ist gut, der Text ist gut, die ausgewählten Instrumente passen. Wirklich ein schönes Album, dem aber das ganz Besondere, das heraussticht, fehlt. Obwohl dieses Bedürfnis in Zeiten, in denen sich jeder schnell und einfach Zugang zum aktiven Musikmachen verschaffen kann, nicht mehr selbstverständlich gefordert werden kann, sollte man es sich genau von Bands wie Son of the Velvet Rat erwarten können. Insgesamt also schön, beinahe perfekt, aber dennoch verbesserungswürdig.

Son of the Velvet Rat sind definitiv hörenswert, und diese Möglichkeit bieten sie auch an einem der folgenden Termine:

3. März 2017 Frauental @ Blue Garage
4. März 2017 Bruck/ Mur @ Kultur im Glanz
10. März 2017 Groß Gerungs @ Lichtspiele Gerungs
11. März 2017 Feldkirch @ Theater am Saumarkt
17. März 2017 Graz @ Die Brücke
18. März 2017 Wien @ Galerie Rauminhalt – Präsentation ‚Lyrics #2‘
23. März 2017 Hartberg @ Museum Hartberg
31. März 2017 Feldbach @ Spring Festival
1. April 2017 Öblarn @ Ku:L Öblarn
7. April 2017 Klagenfurt @ Lendhafen Cafen
8. April 2017 Wörgl @ Astnersaal
5. Mai 2017 Wolfsberg @ Container25
6. Mai 2017 Gleisdorf @ Kulturkeller
12. Mai 2017 Leibnitz @ Marenzihaus
13. Mai 2017 Wien @ Sargfabrik
16. Mai 2017 Ebensee @ Kino Ebensee
20. Mai 2017 Graz @ PPC
10. Juni 2017 Dornbirn @ Tivoli
22. Juni 2017 Wien @ Rhiz

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