Wanda - Bussi Baby
Texte
Instrumental
Songwriting
2.5STERNE

Ein Gespenst geht um in Österreich – es nennt sich Wanda.

Wanda - Bussi Baby - (c)Vertigo

Wanda – Bussi Baby – © Vertigo | Universal Music

Sie machen Arbeiter-Pop für Studenten und sind der Inbegriff einer neuen, heimischen Musikmentalität. Benannt nach Wanda Kuchwalek, der ehemals bekanntesten Wiener Zuhälterin, erschaffen sie Lieder für das Proletariat und all jene, die dazu gehören wollen. Der kometenhafte Aufstieg gelang letztes Jahr mit der kraftvollen und emotionsgeladenen Single Bologna. Das Wörtchen Amore hat sich in den Köpfen der Fans und stillen Zuhörer manifestiert. Auch wurde es über Nacht zu einer Parole des Feierns, denn ganz egal wohin du gehst und ganz egal wofür du stehst – du hörst Amore. Wanda sind unpolitische Rebellen, jedenfalls geben sie vor genau das zu sein. Sie haben mit ihren eigenwilligen Kompositionen und der „mir ist eh schon alles wurscht“-Mentalität einen Nerv getroffen und scharen Anhänger um sich. Ein Jahr ist seit dem Debütalbum vergangen, etliche ausverkaufte Konzerte wurden gespielt und das zweite Album Bussi Baby ist nun erhältlich. Die große Frage ist, ob und wie sich die Band weiterentwickelt hat – oder werden sie mit dem gleichen Schmäh punkten?

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Ungleich unterhaltsam

Die erste Nummer 1, 2, 3, 4 ist ein kurzweiliger Aufzählreim und führt gut ins Album hinein. Wanda haben sich kaum verändert und ich bin mir fast sicher, das Lied schon irgendwann auf der ersten Platte gehört zu haben. Trotzdem ist es eine richtig feine Austropop-Nummer, ebenso wie Meine Beiden Schwestern. Darauf folgt die derzeitige Hitsingle Bussi Baby. Der Anfang ist zwar ganz sauber und tanzfähig, jedoch wird die Nummer einfach von der nervigen Gitarre und dem schrillen Synthie zerrissen. Dazu kommt, im etwas über drei Minuten langen Song, 57 mal die Phrase „Bussi Baby“ vor und die steht mir schon nach dem zweiten Durchlauf extrem an. Dass Wanda auch anders können zeigen sie mit Nimm sie wenn Du’s brauchst. Wunderschöner Text, eingängige Melodie und etwas Abwechslung zu den gesamten anderen Nummern am Album. Zu diesem Highlight gesellt sich noch Sterne und das war’s dann leider mit den Hits von Bussi Baby. Insgesamt machen sie aus ihrem Potenzial aber viel zu wenig und verstecken sich zu sehr hinter Plattitüden, anstatt wirklich revolutionär zu sein.

Fazit

Man kann sagen, dass Wanda purer Austropop ist. Die Rock ’n‘ Roll und Indie Einflüsse sind nun schon marginal. Sie singen über die Liebe, den Tod und das Betrunken sein. Meistens auch über alle drei Dinge gemeinsam, was die Texte oft austauschbar macht. Instrumental passt alles stimmig zusammen, mit Ausnahme der Gitarre, die oft irgendwo zu sein scheint und manchmal einfach entbehrlich ist. Wanda versuchen immer wieder sich von gestandenen Größen wie Danzer oder Ambros die Rosinen heraus zu picken, um damit einen eigenen Strudel zu backen. Dazu kommt aber ihr eigenwilliger „Sandler trifft Schnösel“-Charme, den man in unseren Breiten noch nie so angetroffen hat. Sie sind einfach anders als alle Bands, die Österreich bis heute hervorgebracht hat und der Erfolg spricht für sich. Platz eins in den österreichischen und Platz fünf in den deutschen Albumcharts sind Hausnummern. Sie werden wahrscheinlich nie die musikalische Qualität einiger Austropop-Legenden, oder den Tiefgang eines Nino aus Wien erreichen, haben sich aber jetzt schon einen Fixplatz in der österreichischen Musikgeschichte erspielt.

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