Wanda - Niente
Sound
Instrumental
Abwechslung
Texte
3.2STERNE

Wanda, das Aushängeschild der neuen Austropop-Bewegung hat Nachwuchs bekommen.

2014 haben Wanda mit ihrem geografisch geschützten Welthit „Bologna“ eine neue Zeitrechnung in 0043 begonnen. Seitdem ist es wieder mondän, österreichischen KünstlerInnen zuzujubeln. Ihre Musik lässt sich zwischen vollen Aschenbechern und leeren Weinflaschen ansiedeln. Im kleinen Beisl, am letzten Tisch in der Ecke um halb drei Uhr früh. Die Grundstimmung ist bittersüß, berauscht und triefend vor Sehnsucht nach Dingen, die man grad nicht um sich hat. Genau dort sitzt auch „Niente“ und wirkt – so ruhig wie alleine.

Gelassene Nächte mit Italo-Hits und Verlängerten

Auf den Dächern vor der Müllverbrennung Spittelau. (c) Vertigo Records

Weiter, weiter“ eröffnet das mit zwölf Liedern bestückte Album. Der Rhythmus und das Riff könnten direkt aus der Feder des Peter Cornelius stammen. Auch textlich ist diese Nummer schon die stärkste auf Niente. Darauf folgen die beiden Singles, die schon vorab veröffentlicht wurden. „Columbo“ und „0043“ wobei Letzteres vernachlässigt werden darf. Die Stimme ist einfach unsäglich nervig und es wäre bestimmt besser gewesen, es von einem Wiener Sängerknaben einsingen zu lassen. Die Intention, an die Kindheit in der Heimat zu erinnern geht auf und trotzdem bleibt das Werk ohne Höhepunkt und fade. Das Liebesgeständnis an den zerknautschten Inspektor verfolgt eine niedliche Melodie, erschlägt einem am Schluss aber fast mit einer Überdosis Synthesizer. Mit „Lascia mi fare“ (Lass mich) verschmelzt die Band Sprachen und Stile. Es ergibt sich eine interessante Mischung aus klassischer Wanda-Strophe und Zucchero-Refrain. Wie sehr sich die beiden ähneln, wird einem erst nach mehrmaligem Hören wirklich bewusst. „Das Ende der Kindheit“ erinnert als einzige Nummer wirklich stark an die vergangenen zwei Alben. Aber man geht an wichtigen Stellen vom Gas runter. Sie entwickeln hier eine Dynamik, die für Wanda noch unbekannt war und haben damit ein wirklich außerordentliches Stück geschrieben. Auch an ein Wienerlied haben sie sich gewagt. Gut, weil für viele schon ein ausgestorbenes Genre. Schlecht, weil dermaßen dick aufgetragen, dass es einem die Streicher schon wie Mischmaschinen vorkommen.

Fazit

Ruhiger und nachdenklicher sind Wanda geworden. Die Hände sind frisch gewaschen aber der Dreck unter den Fingernägeln bleibt. Ihr Wiener Charme ist präsent wie am ersten Tag, doch die Musik ist gediegener. Die Texte bleiben zwar trivial, aber immer noch besser als auf „Bussi“. Der Plastik-Pop hat den Einzug gefunden. Viele Lieder klingen etwas unfertig; so als ob ihnen die Zeit ausgegangen wäre oder weitere Ideen gefehlt hätten. Dennoch ist „Niente“ ein solides Album, mit dem ein kleiner Stilwechsel eingeführt wird.

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