WarHoles - So schön können Probleme sein
Lyrics
Vocals
Instrumental
Gesamt
4.4Sterne

Dreck, Zerstörung und Eskalation können durchaus etwas Schönes sein. Zumindest in musikalischer Form und vor allem, wenn die Dinge von den WarHoles stammen.

Was musik-genretechnisch nicht schon alles tot gesagt wurde: Rock, Punk,… Schon seltsam, dass aber beide so rein gar nicht tot und still bleiben wollen. Ein neuer sehr kräftiger Lebensbeweis kommt mit der Energie eines gut platzierten Faustschlages von den Garage-Rockern und Punkern von WarHoles. Die Wiener Band setzt sich zusammen aus dem Sänger been Orelian, Vincent Dwight Hadriga an der Gitarre und am Bass und Ion Illus an den Drums. Die drei sind seit 2011 als Band unterwegs und bringen nun mit „Trouble, beautiful trouble“ ihr zehn Tracks starkes Debüt-Album bei Independent Audio Management raus.

Der Scheibe „Trouble, beautiful trouble“ kann man tatsächlich zumuten, dass sie Probleme hervorruft. Es handelt sich dabei nämlich um kein Album zum ruhig Dasitzen, während man den poetischen Lyrics von been Orelian lauscht, sondern vielmehr zum Aufspringen und kompletten Durchdrehen – kurz: „Trouble, beautiful trouble“ erzeugt eine wahre Serotonin-Flut beim Konsum. Es ist vollgepackt mit berauschenden Tracks wie „Sodomy“, die man nur zu gerne live hören möchte, als Teil einer springenden, tanzenden und schreienden Menge – ein Molekül in einem pulsierenden Organismus.

Wenn Lyrics zu Poesie werden

Die WarHoles selbst vergleichen ihre Gesänge etwa mit Jim Morrison, gewagt aber teilweise berechtigt, auch wenn es hier schon etwas roher zugeht und manchmal auch ein vokale Anklänge der Dead End Kennedys hervor blitzen. Besonders erwähnenswert sind auch noch die Lyrics, handelt es sich hierbei jedoch nicht um plumpe stupide Vertextlichungen von Oberflächlichkeiten, sondern um poetische Wortgetümmle. Auch wenn es gar nicht in der Absicht des Hörers liegt, muss man sich einfach auf den Inhalt der Lyrics konzentrieren, bringen sie einen doch immer wieder zum Aufhorchen. Wundern muss man sich darüber jedoch nicht, immerhin sind die WarHoles als musikalische Begleitung bei Lesungen von been Orelian’s Texten entstanden, der neben seiner Funktion als WarHoles Sänger auch noch ein Poet und selbsterklärter Narzisst ist.

Schon der Opener des Albums zieht den Hörer ganz in eine dunkle und desolate Zwischenwelt, die Lyrics fressen den Hörer förmlich und wollen nicht nur einfach gehört und vergessen, sondern überdacht und von allen Seiten betrachtet werden. „Kill the Messiah“ beginnt mit den beunruhigend schönen Worten „See the delta of the venus eating cocks alive. Let us kill the Messiah“, einem gleichmäßigen Ticken, das von einem Metronom stammen könnte, im Hintergrund hallenden Pfeifen und anschwellenden Flüstern. Der Klangmischmasch verdichtet sich, wird wütend und laut und wirft den Hörer in die erste richtige Nummer „The Man who could save the world“ hinein. Die beiden Tracks verschmelzen zu einem, „Kill the Messiah“ wird zum Vorspiel von „The Man who could save the world“, bezieht sich letzteres doch inhaltlich auf den Opener und greift immer wieder auf diesen zurück.

Zorn und Leidenschaft, Ruhe und Sturm

Sich für klarere Höhepunkte des Albums zu entscheiden, gestaltet sich als schwer. Nicht etwa, weil es an solchen mangeln würde, sondern weil je nach momentaner Gemütslage und Laune ein anderer Song in den Vordergrund rückt. Eine besondere Perle stellt jedoch unumstritten „Queen of 0“ da, der Track, der auch als Albumauskopplung fungiert. Komplette Verausgabung, voller Einsatz und Leidenschaft sprechen aus dieser Nummer. Been Orelian singt und schreit ins Mikro, seine Stimme wechselt zwischen verträumt, zornig und verzweifelt. Stellenweise schwingt auch so etwas wie ehrfurchtsvolle Verehrung darin. „Queen of 0“ gleicht einem wirbelnden, atemlosen Tanz und einem verzweifelten Kampf in einem.

Das Album endet beinahe ruhig mit „The last confession of the tamer“. Das Ticken aus dem Opener taucht wieder auf, unheilvolle verzerrte Orgeltöne erschaffen eine verstörende klangliche Atmosphäre, die Vocals sind ruhiger, nur ein kurzes letztes Aufbegehren gegen Ende der Nummer. Das Ticken wird hektischer und verstummt unvermittelt, die Geräuschkulisse implodiert gegen Ende förmlich.

Bei „Trouble, beautiful trouble“ handelt es sich um ein Album, das immer wieder und wieder gehört werden will. Die Tracks haben ihren eigenen Charakter, sind etwas eckig, kantig und unangepasst, aber auf unangepasste Art und Weise schön. Bei Freunden der düsteren, poetischen und zerstörerischen Musik werden die WarHoles schnell eine Platz im Herzen und „Trouble, beautiful trouble“ in den CD oder LP Regalen finden. Auch schon FM4 Stammhost Christian Fuchs hat sich in der Rock-Sendung „House of Pain“ wohlwollend über das Erstgeborene von den WarHoles ausgesprochen. Erwerben kann man die Scheibe hier und wer beim Durchhören erkannt haben mag, dass man die WarHoles mindestens einmal live gehört haben sollte, hat heuer auch noch die Möglichkeit dazu:

Wann & Wo?

23. September, Das Bach, Wien
08. Oktober, Sub, Wiener Neustadt

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