Wenn Headgrenades explodieren
Musikalische Performance
Einheit
Cover
Stimmung
3.7Sterne

Das Debüt-Album der Wiener Punk Rock Band Headgrenades hört auf den Namen „Faithless“ und kommt in kräftigem Kunterbunt.

Am Mittwoch, dem 23. März 2016, erscheint offiziell das erste Album der Wiener Band Headgrenades. „Faithless“ nennt sich das gute Stück und soll – vorausgesetzt, die Band hat noch einige Jährchen Bestand – den ersten Teil einer dreiteiligen Albumserie verkörpern. Thematisch geht es somit um Glaubensfragen, während die vierköpfige Konstellation uns musikalisch ein vielfältiges Menü serviert – angefangen bei Punk Rock über Post-Hardcore bis hin zu Pop-Elementen ist alles dabei. Freunde von Sum 41 und All Faces Down dürfen daher gerne die Ohren spitzen.

Das Album vor der Band

Headgrenades Band

Die aktuelle Besetzung der Headgrenades (c) Richard Belicky

Die Aufnahmen des Do-It-Yourself-Projekts begannen bereits vor einem Jahr bei Producer und Audio Engineer Norbert Leitner in Wien. Da die ursprüngliche Variante der Band damals in die Brüche ging, ist von der aktuellen Besetzung tatsächlich nur Rob „Noir“ Stecker (Gitarre und Gesang) zu hören. Nachdem die Instrumente eingespielt waren, stellte er das Album alleine fertig und machte sich erst danach auf die Suche nach neuen Mitgliedern. Mit Nika „la roux“ Meister am Bass, Sebastian „Alataire“ Jurecka an der Gitarre und den Backing-Vocals und Burni „aditur“ Brenner an den Drums scheint Rob nun aber seine vorläufig endgültigen Bandkollegen gefunden zu haben.

Um aus dem Album auch während dieser Umstrukturierung das Beste heraus zu holen, bediente er sich an diversen Features. So sind auf dem Album zusätzlich zu den Headgrenades auch Thus I End, Jioda, Anrainer, Fear Comes in Waves und Levitate zu hören. In einer dieser Zusammenarbeiten liegt auch der Ursprung des Bonustracks „Tsubasa“, welcher im Grunde genommen die japanische Version von „With Broken Wings“ ist. Kei von Jioda ist Halbjapaner und gepaart mit Robs Affinität für japanische Bands war ein teilweise japanischer Song wohl vorprogrammiert. „Tsubasa“ bedeutet übrigens so viel wie „Flügel“.

Ready to Explode

Abseits des Bonustracks zieren sieben Songs das Album. Den Anfang macht der Song „Misbelief“, welcher Zugleich der Liebling der Mehrheit der Bandmitglieder ist und zwar „weil’s afoch foat“. Das ist durchaus nachvollziehbar: Der Song ist nicht nur mit einer interessanten Mischung aus Clear-Vocals, Shouts und Screams ausgestattet, sondern auch die Songzeilen werden musikalisch sehr gut umgesetzt. Beispielsweise geht es nach der Textzeile „Are you ready to explode?“ so richtig los und man kann die Energie förmlich durch die Lautsprecher spüren und die Band vor dem inneren Auge abgehen sehen.

Ein weiterer Song, der mindestens genauso viel Gas gibt, trägt den Namen „Reflections“. Die Band beweist erneut Geschmack, immerhin ist dieser Song der Liebling von Mastermind Rob. Vor allem das Zusammenspiel von Drums, Gitarre und Gesang ist hier hervorzuheben. Aber auch der Bass kommt nicht zu kurz und darf sich gegen Ende des Songs behaupten. Generell scheint es eine Eigenschaft der Headgrenades zu sein, ihre Instrumente demokratisch zu behandeln und keines davon in den Vordergrund zu stellen, was sich positiv aufs Gesamterlebnis auswirkt.

(Zu) Kunterbunt

Mit privaten Vorbildern à la Rise Against, The Cure, Foo Fighters, La Dispute, Halestorm und Led Zeppelin ist der Geschmack der jetzigen vier Bandmitglieder in sehr unterschiedlichen Musikrichtungen beheimatet und auch die Members davor dürften ähnlich gesinnt gewesen sein. Dass sich das auch auf den musikalischen Output auswirkt, ist da nicht weiter verwunderlich. „Musikalisch ziehen wir relativ wenige Grenzen, da ich der Ansicht bin, dass diese einem den künstlerischen Freiraum nehmen“, so Rob Stecker. So bezeichnen Headgrenades ihren Stil zwar als Punk-Rock, verweigern aber auch keine poppigen Elemente oder Hardcore-Passagen.

Faithless Cover

„Faithless“ Cover Artwork (c) Verena Sykora & Rob Stecker

Manchmal kann diese Diversität aber auch in Richtung Chaos tendieren, wie es bei dem Titelsong „Faithless“ der Fall ist. Ausbaufähige Growls am Anfang, äußerst melodische Elemente, beinahe orientalische Gitarrenklänge und ein Breakdown können in der Kombination leicht verwirrend sein. Auch, wenn striktes Schubladendenken abgelehnt wird, wäre doch die ein oder andere Grenzziehung wünschenswert.

Fazit

Headgrenades liefern ein vielfältiges und kraftvolles Album ab, zu dessen Songs man einfach abgehen muss. Jedoch wurde hin und wieder zu viel Unterschiedliches in die einzelnen Nummern gepackt. Zwischen dem aggressiven und wüsten „Misbelief“ und dem bereits leicht kitschigen „With Broken Wings“ liegen beispielsweise Welten. Womöglich befindet sich der wahre Sound der Band irgendwo in der Mitte dieser beiden Nummern. Feststeht, dass nun auch die neuen Mitglieder ihren Teil dazu beisteuern werden und die Songs bestimmt noch in vielen Varianten an unsere Gehörgänge dringen werden.

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