Willi Landl und seine Band machen Musik, die etwas aussagen will. Sein Album „sex & violence“ ist nun erschienen.

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Willi Landl & Band

Es versuchen eine ganze Menge Künstler, doch nur den wenigsten gelingt der Spagat zwischen Kritik an der Gesellschaft und guter musikalischer Unterhaltung. Entweder leiden die Texte bzw. die Aussagen kommen beim Zuhörer nicht an, oder die Musik endet in einer Art kritischer Monolog mit klangreicher Untermalung. Willi Landl hat sich wieder dieser Aufgabe gestellt und sie mit seinem neuen Album „sex violence“ gar nicht schlecht gelöst.

Willis Aussagen wollen ankommen

Wie erreicht man Zuhörer, auf welche Weise lässt sich am besten meckern? Wahrscheinlich ist die Sprache das wichtigste, denn nur in der Muttersprache findet sich das beste Vokabular, um seinen Gedanken Ausdruck zu geben und zum anderen wird diese im Heimatland auf jeden Fall verstanden (was schon bei Englisch nicht mehr zu 100% funktioniert).
Willi Landl fokussiert, seine Spitzen in den Songs sind frech und enthalten eine Menge Wahrheit. So verarbeitet er Werbung, Fernsehen und Nachrichten in den Liedern. Dabei ist er nicht zurückhaltend, sondern redet nicht lange um den heißen Brei. Passagen wie „ich biete ihm an, dass ich ihm am klo ordentlich kräftig den hintern versohlen muss“ oder „mittlerweile weiß ich, du bist eine sexuelle wundertüte“ sind keine Seltenheit und finden ihren Höhepunkt im Track „sex & violence“, der gegen Ende der CD noch einmal das komplette Album zusammenzufassen scheint: „in diesem lied spritzt blut…und es wird gevögelt und gevögelt und andere schauen dabei zu“. Besonders interessant ist der Song „Dum dum dum“ bei dem nicht nur Willis Stimme zu hören ist, sondern sich auch „special guests“ zu Wort melden dürfen. Im Track „Immer dieselbe Leier“ geht es beinahe volkliedartig zu, sogar der Wiener Beschwerdechor darf sich darin äußern:

Willi Landl zeigt in seinen Songs, was Realität bedeutet und verschnörkelt seine kritische Sichtweise nicht. Und zugegeben, so hart die Texte beim Lesen teilweise klingen, so traurig ist manchmal auch die Wirklichkeit. Wir wollen Zickenkriege im Fernsehen verfolgen, freuen uns über übergewichtige Personen, die aufgrund ihres niedrigen Intelligenzniveaus untertitelt werden müssen und sind nicht mehr zufrieden, wenn es nicht unter die Gürtellinie im Programm eines Comedian geht.

Die Musik spielt nur zweite Geige

Insgesamt hat Willi Landl seine Aufgabe gut gemeistert. Er kann seiner Kritik musikalisch Ausdruck verleihen und kommt beim Zuhörer an. Die Lieder wirken nicht platt, sondern sprechen an. Im Song „betrunkene männer“ kann er beispielsweise seine Stimme gut entfalten, während er in anderen Songs eher rhythmisches Sprechen bevorzugt. Hier findet sich allerdings ein kleiner Kritikpunkt. Willi Landl versucht durch Betonung und Art des Sprechens den Inhalt seiner Texte gut rüberzubringen, wodurch er seine musikalischen Fähigekeiten nicht vollständig entfalten kann. Seine Begleitung Michael Hornek (piano), Stefan Thaler (Bass) und Christian Grobauer (Schlagzeug) halten sich dabei weitgehend zurück, sodass Willis Stimme in erster Linie überzeugen muss.
Fazit: Das Album legt seinen Schwerpunkt auf Gesellschaftskritik und weniger auf Kunstmusik, aber im monotonen Alltag von Mainstream, Niveaulosigkeit und Gleichgültigkeit ist das eine durchaus gelungene Abwechslung. Meiner Meinung nach ist eine Platte nicht das optimalste Format für Willis Vorhaben. Sinnvoller und unterhaltsamer ist es sicherlich ihn auf einem seiner Konzerte zu besuchen, um den Künstler und seine Band live erleben zu können:

03. April Sweet & Lovely, Zentrum für Musikvermittlung, 1140 Wien
07. April, 20 Uhr w Sweet & Lovely, Musikwerkstatt Wels @ Schl8hof
30. April, 20 Uhr Sargfabrik, Wien
09. Mai, 20 Uhr SiMM City, 5 Jahre Wiener Beschwerdechor + 5/8erl in Ehr´n + Willi Landl
15. Mai, 20:30 Uhr Jazzit Salzburg
25. Mai, 19 Uhr Dorf TV, Duo mit Michael Hornek, Linz
28. Mai, 19 Uhr Morzinplatz 1, Wiener Festwochen, Duo mit Michael Hornek
05. Juni, 20 Uhr KV KomA, Ottensheim
03. Juli, 20 Uhr Marktplatz Gallneukirchen mit Mieze Medusa
19. Juli, 20 Uhr Musikpavillon Donaupark Linz

Credits:
Photos by Rania Moslam

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