Worried man & worried boy sind noch immer beunruhigt
Abwechslung
Instrumentals
Lyrics
Aufnahmequalität
4.1Sterne

Eines der schöneren heimischen Familienprojekte hat sein zweites Album geschaffen. „Ruhig bleiben“ von Worried man & worried boy erscheint am 14. Oktober.

Manche Väter gehen mit ihren Söhne angeln, manche führen mit ihnen zusammen das in jahrelanger Arbeit aufgebaute Unternehmen weiter. Herbert Janata hingegen gründete mit seinem Sohn Sebastian gleich eine Band. Eigentlich ist das Zwei-Generationen-Projekt der beiden Janatas jedoch nur der logische Schritt – immerhin sind sowohl Vater als Sohn bereits Musiker und dazu nicht nur irgendwelche. Vater Herbert war vormals Frontman der Worried Men Skiffle Group, mit der er zusammen Songs wie „Der Mensch is a Sau“ oder „Schnucki ach Schnucki“ geschaffen hat. Den Zwanzig- bis Dreißigjährigen unter uns, denen das jetzt nichts sagt, ist Ja-Panik vermutlich eher ein Begriff. Die ursprünglich österreichische Band ist in der Zwischenzeit in Berlin beheimatet und zum Beispiel für die Nummer „LIBERTATIA“ bekannt – „Wo wir sind ist immer Libertatia; Worldwide befreit von jeder nation“, na klingelt’s?

Von Neuinterpretationen hin zu frischen Ideen

Nachdem das erste Album, das die Janatas gemeinsam veröffentlicht haben, noch hauptsächlich aus Neuinterpretationen von alten Worried man-Hits bestand, entwickeln sich Senior und Junior weiter in eine eigene Richtung. Auf „Ruhig bleiben“ findet man sechs Songs, die aus der Feder von Herbert stammen und vier Stücke von Sebastian. Von den zehn Tracks wurden bereits zwei im Vorhinein als Single veröffentlicht – „Handkuss“ und „Von Gschissn auf oasch“, über den wir bereits an anderer Stelle berichtet haben. Zu beiden Songs gibt es ein sehr ansehnliches Video, wobei die Illustrationen zu „Handkuss“ von Stefanie Sargnagel – oder, seit neuerem „Sprengnagel“ – stammen.

„Frühling“ ist der erste Track auf der Scheibe, durch den dem Hörer gleich die Vater-Sohn-Dynamik verdeutlicht wird. Mit den aufmunternden Worten „Scheiß di net so an und schau nach vorn“ wird einem Mut gemacht. Wie man auch bei den folgenden Nummern feststellen wird, neigen die Songs dazu, sich ins Trommelfell zu verkrallen und aufgrund der bissigen Texte zu Ohrwürmern zu mutieren.

Intelligentes Songwriting

Neben den beneidenswerten Toten, die in „Die Coolness von Toten“ von Sebastian besungen werden, wird auch von tierfreundlichen Schädlingsbekämpfungsmethoden in „Lavendellied“ durch Herbert berichtet. Inhaltlich bewegen sich die Songs der Janatas zwischen großen Gedanken, ganz klein verpackt und alltäglichen Plagereien. Genau das macht aber auch den Charme von „Ruhig bleiben“ aus. Die Instrumentalisierung bleibt einfach – so sind unter anderem neben Gitarren, ein Tamburin und ein Kazoo zu hören. In der letzten Nummer auf der Scheibe, die von Janata Senior gesungen wird, ist die Gesellschaftskritik am offensichtlichsten. Hier wird der Stereotyp vom Erste-Welt-Österreicher ins Visier genommen, dem es gut geht, und dem deshalb der Rest der Weltbevölkerung sonst wo vorbei geht: „Warum erzählst du mir vom Terror? Warum erzählst du des grad mir? I hab doch eh mei Wiener-Schnitzl und dazu mei Kriagl Bier.“

„Ruhig bleiben“ ist weder laut, noch um Aufmerksamkeit heischend, noch weist es eine atemberaubend fette-Instrumentalisierung vor. Stattdessen punktet es durch augenzwinkerndes Songwriting und eine angenehme Gemütlichkeit, die das Herz wieder im Ruhepuls schlagen lässt.

Das Album erscheint bei Problembär Records und kann hier erworben werden.

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