And There Come The Wolves 2016
Location
Bands
Atmosphäre
Preis-/Leistung
Sound
Stimmung
4.3Sterne

Am 22. und 23. August heulten in Wiesen die Wölfe: Die Premieren-Ausgabe des „And There Come The Wolves“ Festivals ging über die Bühne.

Mit dem „And There Come The Wolves“ Festivals ging vergangene Woche die erste Festivalsaison für Arcadia Live in Wiesen zu Ende. Wie sich das Festival, das vor allem für Fans der etwas härteren Gitarrenmusik interessant war, trotz Termin am Wochenanfang präsentierte, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Montag – Tag 1

Das And There Come The Wolves Festival in der Ottakringer Arena Wiesen ist eines der brandneuen Arcadia Live-Festivals, die heuer Premiere feierten. Neben Indie-, Hip Hop- und Electro-Veranstaltungen bietet das „And There Come The Wolves“ in der Fülle neu hinzugekommener Festivals auch etwas für Fans der härteren Gangart. Mit Bands aus dem Rock-, Punk- und Hardcore-Bereich weist das „Wolves“, wie es liebevoll von Veranstaltern und Besuchern genannt wird, neben dem altbekannten Standort einige Parallelen mit dem abgewanderten Two Days a Week auf. Eine ideale Alternative also für all jene, die nicht auf das jährliche Wiesen-Erlebnis mit der passenden Gitarren-Musik verzichten wollten.

Obwohl der erste Festivaltag auf einen Montag fiel, tummelten sich bereits früh viele Festivalbesucher auf und vor dem Gelände. Die Anreise mit Zug und Shuttlebus, der direkt am Bahnhofs-Parkplatz darauf wartete, alle Feierwütigen einzusammeln und zum Gelände zu bringen, verlief reibungslos und die etwas umgestaltete Ottakringer Arena konnte endlich begutachtet werden. Neben der zweiten Bühne, die sich im Stadl des Kerngeländes befand, gab es auch mit dem Wiesen Village am Campingplatz eine Neuerung. Dort wurden, neben weiteren Essens- sowie einem Piercingstand, auch laufend Workshops zu den Themen Siebdruck, vegane Ernährung und Screaming-Grundlagen angeboten.

Nach einem verspäteten Mittagessen, bestehend aus dem obligatorischen Erdbeerspritzer und einer Stärkung aus dem breitgefächerten kulinarischen Angebot, wurde es aber Zeit, das Künstlerangebot am „And There Come The Wolves“ zu begutachten. Der offizielle Startschuss folgte um 14:00 Uhr mit Blackout Problems, erste persönliche Anlaufstelle waren schließlich Ghost Town um 16:10 Uhr. Zwar trauten sich noch nicht allzu viele Zuschauer vor die überdachte Main Stage, das Trio aus Kalifornien wusste jedoch genau, wie es Fans zum Kreischen und zufällig Hinzugekommene zum Tanzen brachte. Der etwa 40-minütige Gig endete für die Band mit viel Applaus und für so manche Zuschauer mit einem Besuch am Merchandise-Stand, um etwas von der neu entdeckten Band zu ergattern.

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Wiesen Village (c) And There Come The Wolves / Arcadia Live

Sleeping With Sirens im Anschluss konnten das Auditorium vor der Main Stage zum ersten Mal an diesem Tag beträchtlich füllen. Band wie Fans strotzten nur so vor Motivation und feierten zu Songs wie „We Like It Loud“ und „Do It Now Remember It Later“ eine etwa 50-minütige Party. Weitaus düsterer wurde es um 18:40 Uhr bei Thrice, die ebenfalls auf der Main Stage gastierten. Zwar kam hier sowas wie Partystimmung nicht auf, das Quartett aus Kalifornien zauberte jedoch eine ganz besondere Atmosphäre und versüßte so vielen begeisterten Zuschauern den Spätnachmittag.

Für das Konzert von Fjørt um 20:00 Uhr wurde erstmals an diesem Tag die neu hinzugekommene Second Stage betreten. Der Clou: Da die Second Stage zeitversetzt zur Main Stage bespielt wurde (meist etwa drei Stunden nach dem Startschuss für die Main Stage), kamen höchstens 10- bis 15-minütige Überschneidungen zustande. Allerdings mussten für den Platz der Second Stage die Sitzmöglichkeiten innerhalb des Stadls weichen und wer sich während eines Konzerts dazu entschloss, sich eine Schnitzelsemmel oder Ähnliches zu holen, musste sich bei besonderem Andrang einen Weg durch die Menge bahnen. Bei Fjørt hingegen war dies zwar kein Problem, dennoch durfte sich die Truppe aus Nordrhein-Westfalen über einige Fans und Interessierte freuen und überzeugte mit deutschsprachigem Post-Hardcore.

Für das Konzert von Millencolin versammelten sich Punk-Jünger sämtlicher Generationen vor der Main Stage, um mit ihren Heroen ordentlich zu feiern. Mit Songs wie „Ray“ oder dem unabkömmlichen „No Cigar“ fiel das aber auch nicht sonderlich schwer. Nach über 20 Jahren Bandkarriere wissen die Schweden eben nach wie vor, wie man schweißtreibende Shows auf die Beine stellt und Punk-Herzen höher schlagen lässt. Für den Auftritt von Clutch erfolgte wieder ein Abstecher zur Second Stage, die bereits gut besucht war. Zu recht, denn Clutch erwiesen sich als sehenswerte Band, die ihre Anfänge im Hardcore hatte, mittlerweile aber gekonnt Stoner- und Blues Rock miteinander kombiniert. Die charakteristische Stimme von Sänger Neil Fallon tat ihr Übriges und so ging das Konzert viel zu schnell vorbei.

Mit Enter Shikari, die unterdessen bereits ihr Set begonnen hatten, wurde es wieder hektisch vor bzw. auf der Main Stage. Die Briten um Haupt-Energiebündel Rou Reynolds sind nach wie vor Garanten für wilde, energetische Shows, wie sie auch am And There Come The Wolves eindrucksvoll unter Beweis stellten. Songs wie „Destabilise“, „Radiate“ und „Anaesthetist“ ließen die Menge tanzen, springen und moshen, während auch die Bandmitglieder allerhand Bühnenakrobatik an den Tag legten. Zudem ließ Rou Reynolds den Namen endlich Programm werden und ließ die Wölfe heulen.

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Clutch (c) And There Come The Wolves / Arcadia Live

Brechend voll wurde es anschließend auf der Second Stage. Kein Wunder, hatten sich mit den Donots immerhin altbekannte Gesichter und immer wieder gern gesehene Gäste als Headliner der kleineren Bühne eingefunden. Nach über 20 Jahren Bestehen kann die sympathische Band aus Nordrhein-Westfalen auf ein beachtliches Repertoire an Songs zurückblicken und versorgte seine begeisterten Fans auch am And There Come The Wolves mit einem gelungenen Mix. Besonders viel Jubel gab es für die Gassenhauer „Whatever Happened To The 80s“ und „Calling“, „Stop The Clocks“ sorgte für einen ganz besonderen Moment und mit dem Twisted Sister-Cover „We’re Not Gonna Take It“ wurde ein zufriedenes Publikum in die Nacht entlassen.

Das große Finale des ersten Festivaltages sollte schließlich mit dem Auftritt der Punk-Legenden SUM 41 erfolgen. Vor den heurigen Auftritten am And There Come The Wolves und dem Open Air + Style im Februar war es bereits vier Jahre her, dass sich die US-Amerikaner zuletzt nach Österreich verirrt hatten und entsprechend groß war die Spannung. Die Band um Sänger Deryck Whibley wusste für die Wartezeit zu entschädigen und begeisterte das Publikum mit einer langen Liste an Evergreens, auf der sich Songs wie „The Hell Song“, „Over My Head (Better Off Dead)“ oder „Motivation“ finden ließen. „Motivation“ war sicherlich das Motto des Abends, wie begeisterte Fans und eine spielfreudige Band bewiesen. Eine handvoll SUM 41-Anhänger durfte sich außerdem über ein ganz besonderes Erlebnis freuen und die Show vom Bühnenrand aus genießen. Nach dem Zugaben-Trio „Still Waiting“, „Into Deep“ und „Fat Lip“ hieß es erstmal Luft holen und zufrieden ins Zelt fallen. Wer aber noch genug Energie und Motivation übrig hatte, konnte im Anschluss noch bei der Aftershow Party mit Karaoke Bash auf der Second Stage vorbei schauen und weiter feiern. Danach war aber wirklich Schluss, immerhin galt es, noch einen weiteren Tag im schönen Wiesen zu bestreiten.

Dienstag – Tag 2

Zweiter Tag am And There Come The Wolves Festival und gleichzeitig auch die letzte Möglichkeit, das idyllische Flair von Wiesen gepaart mit guter Livemusik in vollen Zügen zu genießen. Die erste Band für diesen Tag stand erst für den späten Nachmittag an. Stick To Your Guns betraten um 17:20 Uhr die Main Stage und wurden bereits von einer Schar Fans erwartet und freudig in Empfang genommen. Mit Songs wie „We Still Believe“, „Diamond“ und „Amber“ entstanden auch schnell erste Pits, allerdings nutzten auch viele die Gelegenheit der angrenzenden Wiese, um das Spektakel entspannt aus einiger Entfernung zu verfolgen. Ausgeschlossen wurde man deswegen aber noch lange nicht, Frontmann Jesse Barnett erkundigte sich auch bei den ganz hinteren Reihen nach deren Befinden und konnte so noch ein paar Extrapunkte in Sachen Sympathie sammeln. Mit „Against Them All“ wurde das Set schließlich beschlossen und Stick To Your Guns bewiesen ein letztes Mal, welch geeignete Festivalband sie sind.

Core-Fans blieben danach gleich bei der Main Stage, denn als Nächstes hatten sich Comeback Kid angekündigt. Seit mittlerweile 14 Jahren im Geschäft, haben die Kanadier schon längst den Status „Szenegrößen“ inne und sorgten entsprechend für Andrang vor der Bühne. Songs wie „Didn’t Even Mind“ oder „Wake The Dead“ sorgten weiterhin für Bounce-Action und vereinzelte Pits, während das Tageslicht weiterhin schwand. Stimmiger wurde es im Anschluss mit Arcane Roots auf der Second Stage. Das britische Alternative Rock-Trio vollführte eine gekonnte Mischung aus atmosphärisch-ruhigen Klängen, gewaltigen Gitarren-Riffs, vereinzelten Breakdowns und Refrains mit Ohrwurmcharakter, die gleichermaßen gut ankamen und mit denen Arcane Roots an diesem Abend einige neue Fans für sich gewinnen konnten.

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Blick von der VIP-Tribüne (c) And There Come The Wolves / Arcadia Live

Nachdem Mad Caddies ihre Fans mit gediegenen Ska-Klängen begeisterten, schlug auch The Gaslight Anthem-Frontmann Brian Fallon eher ruhige Klänge an. Mit seinem Soloprojekt Brian Fallon & The Crowes setzt er auf etwas sanftere Töne als mit seiner Hauptband und sorgte so für einen gemütlichen Ausklang zur eingesetzten Dunkelheit und dem nahenden Ende des Festivals. Einzuschlafen drohte man jedoch nicht, denn Fallon richtete das Wort regelmäßig an seine Zuschauer und unterhielt mit viel Witz auch in den Plauderpausen. Trotz mittlerweile später Stunde merkte man deutlich, dass an diesem Tag weniger Besucher nach Wiesen gekommen waren als noch am Vortag. Dennoch war das Festival auch am Dienstag recht gut besucht und nach dem Co-Headliner freuten sich alle nur noch auf eine Band: NOFX, die eine gewohnt unterhaltsame Show ablieferten und dem Punk ein letztes Mal huldigten, ehe die Erstausgabe des And There Come The Wolves Festivals auch schon wieder passé war.

And There Come The Wolves 2016 – Fazit

Das erste And There Come The Wolves Festival kann durchaus als Erfolg betrachtet werden. Eine gute Kommunikation über die sozialen Netzwerke im Vorhinein und eine gelungene Umsetzung vor Ort lassen an der Organisation kaum etwas bemängeln. Aufgrund der neu hinzugekommenen Second Stage gab es allerdings weit weniger Sitzgelegenheiten. Trotz zusätzlich aufgestellter Bänke hätte es gerade beim Bereich der Essensstände im Kerngelände mehr davon geben dürfen. Bei der Anzahl an Besuchern waren Bänke und Tische dieses Jahr zwar einigermaßen ausreichend vorhanden, da das Gelände allerdings eigentlich für mehr Besucher ausgelegt ist, wäre hier eine Ergänzung sicherlich wünschenswert.
Die Gestaltung des Areals ist Arcadia gut gelungen, der Wohlfühl-Faktor blieb weiterhin aufrecht. Vor allem der Leitspruch „Keep Wiesen Green“ gefiel mir sehr und wurde durch genügend Mistkübel und Aschenbecher bekräftigt. Sauberkeit war generell ein Thema, auch die WCs fand ich zu keinem Zeitpunkt in einem schlechten Zustand vor.
Kurz gesagt: Arcadia hat mit dem And There Come The Wolves Festival tolle Arbeit geleistet und konnte – trotz des mittlerweile doch recht hohen Festival-Angebots – einige Besucher anlocken und zufrieden stellen. Man darf gespannt sein, was 2017 bringt – dann aber hoffentlich mit einem Wochenend-Termin.

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