Sommerfeeling, tolle Stimmung und großartige Bands in der Arena Wien.

Sonntag, 26. April 2015. Um 14:00 kamen wir mit dem Auto bei der Arena an, dann wurde gleich mal das Gelände ausgecheckt. Leider war der Rasen der Open Air Fläche abgesperrt, dafür gab es Bierbänke und –tische als Sitzgelegenheiten. Das Wetter war sommerlich, sonnig und warm, perfekt also, um das Festivalfeeling noch zu verstärken. Die Merchstände wurden in die kleine Halle (gegenüber von der großen Halle) verlegt, wo sich schon einige Konzertbesucher eingefunden hatten, um die Shirts zu begutachten.

Pünktlicher Start und die “Kung Fu Kids”

Impericon_Fest

Das Wetter spielte auch mit!

Sehr pünktlich begann das Band-Programm um 14:30 mit Walking Dead On Broadway. Die Halle war zu Anfang des Sets noch ziemlich leer, verständlich, bei diesem Kaiserwetter. Das änderte sich allerdings relativ zügig und die deutsche Deathcore Band gab sich deutlich Mühe, das Publikum aufzuwecken und anzuheizen. Auch die “Kung Fu Kids”, wie ich die Jogginghosen-tragenden Halbstarken gerne nenne, waren schon auf den Beinen – beziehungsweise meistens eher das Gegenteil davon. Musikalisch gesehen war das Set von Walking Dead On Broadway nicht wirklich etwas Besonderes, mehr die übliche Mischung von unverständlichem Gegrowle mit zu vielen Breakdowns und Bassdrops. Viel Energie haben die Jungs aber, das muss man ihnen lassen.

Danach war dreckiger Hardcore/Metalcore von den Texanern Kublai Khan angesagt. Gleich aufgefallen sind die einleitenden Worte von Sänger Matt Honeycutt vor fast allen Songs – die Message ist ein essentieller Teil jedes Liedes. Besonders hervorzuheben ist (auch aufgrund der aktuellen Situation) der Song “Color Code”, in dem es darum geht, dass Menschen aller Farben diese Welt miteinander teilen und wir endlich den Hass und die Ignoranz ablegen müssen, um wirklich frei zu sein. Leider wirkte die musikalische Darbietung etwas unbeholfen und abgehackt, so, als ob sie nicht wirklich in die Performance reinkommen würden.

Etwas Abwechslung und einen guten Kontrast zu den doch sehr harten ersten zwei Bands boten dann Napoleon, die mit ihrem typisch britischen Melodic Hardcore (oder auch nach eigener Bezeichnung: “melodiposipassiongroove”) für gute Stimmung im Publikum sorgten. Circle Pits gab’s übrigens trotzdem, diesmal sogar mit einem besonders mutigen Kerl, der seine Akrobatikkünste mit Handständen in der Mitte des Pits vorführte. Was man nicht alles tut, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber zurück zur Band. Der neue Vocalist Wesley Thompson (ex Climates Vocalist) machte sich live toll, einen ersten Vorgeschmack seines stimmlichen Talents lieferte ja die erst vor kurzem veröffentlichte Single “Stargazer” schon. Auch die alten Songs (“Brought Here To Suffer”, “Of Jams, Smokes & Promises”) kamen gut an.

Malevolence rollten mit ihrem Set wie eine Lawine über die Arena hinweg, für die vorher erwähnten “Kung Fu Kids” ein gefundenes Fressen. Songs wie “Condemned To Misery” und “Serpent’s Chokehold” überzeugten mit schnellen, voll-auf-die-Fresse-Parts, komplexen Riffs und diversen, abwechslungsreichen Breakdowns. Langweilig wurde es auf jeden Fall nicht!

Kurze Stärkungspause…

Nach diesem brutalen, energiegeladenen Auftritt brauchte ich eine kurze Pause und machte mich auf, um das Essensangebot zu begutachten. Es gab leider nur einen Stand, die Würstelbude, der sonst bei Konzerten in der Arena auch meistens offen hat. Die spärliche Auswahl: Verschiedenste Würstel (auch eine vegane Option) in Hot Dog Form, Currywurst und Pommes. Nichts Besonderes, aber man wurde satt und es war relativ billig.

… und weiter geht’s!

Auf das Set von Adept freute ich mich besonders, es ist schon ewig her, dass ich die schwedische Band live gesehen habe. Noch glücklicher machte mich die Tatsache, dass sie endlich wieder mehr ältere Songs in ihre Setlist eingebaut haben. Das Publikum war sichtlich ebenso erfreut, aber auch die neue Single “Dark Clouds” fand allgemeinen Anklang.

Obey The Brave schafften es, die Crowd gleich in den Bann zu ziehen, die Singalongs, die wir von den Jungs ja schon kennen, funktionierten super. Vielleicht auch deswegen, weil sie mit dem Ändern ihrer Setlist  etwas nachlässig sind. Ich persönlich fand die Show etwas eintönig.

Mit lautem Klatschen und Rufen des Bandnamens wurden dann Carnifex in der Arena willkommen geheißen, als die ersten Töne des Intros durch die Halle schallten – die war mittlerweile übrigens gestopft voll, was das kollektive Hüpfen und Moshen etwas schwieriger machte. Ich genoss das Spektakel von der Tribüne aus, direkt hinter dem Mischpult war der Sound, genauso wie die Sicht, toll und ich musste mir keine Sorgen um meine körperliche Gesundheit machen. Außerdem waren meine Beine nach geschlagenen fünf Stunden Konzert schon ziemlich müde und brauchten eine Pause. Der epischste Moment des Sets war mit Sicherheit, als das gesamte Publikum die Worte “Hell Chose Me” brüllte. Gänsehaut pur.

Das mag jetzt wohl ignorant klingen, aber irgendwie waren Whitechapel für mich nochmal dasselbe in grün. Vielleicht hätte man die zwei Bands nicht gleich hintereinander spielen lassen sollen, aber mich fragt ja keiner. Bemerkenswert: Die Bassdrops fühlte man durch den gesamten Körper vibrieren, und das meine ich wörtlich.

The_Ghost_Inside

Warten auf The Ghost Inside…

Um 21:20 betraten dann Suicide Silence die Bühne. Allgemeine Begeisterung in der Crowd und auch bei mir auf der Tribüne, ist es doch das erste Mal, dass ich die Kalifornier live erleben darf. Der Circle Pit um das Mischpult, den Sänger Eddie Hermida gefordert hat, kam zwar nicht ganz zustande, aber es war trotzdem einiges an Action zu sehen. Zu hören gab’s einen guten Mix aus alten und neuen Songs – Klassiker wie “No Pity For A Coward” und “You Only Live Once” durften natürlich nicht fehlen. Etwas seltsam war der extreme Hall, der auf die Vocals gelegt wurde, aber das tat der allgemeinen Stimmung keinen Abbruch.

Endlich ist es soweit!

Nachdem der komplette Timetable den ganzen Tag fast minutengenau eingehalten wurde, ließen die Headliner The Ghost Inside dann ordentlich auf sich warten. Ich habe mich von meinem gemütlichen Platz auf der Tribüne wieder in die Crowd begeben, um das volle Programm zu erleben, Mitgrölen, Herumhüpfen und alles, was so dazugehört. Mit geschlagenen 20 Minuten Verspätung erschien die Band dann und startete gleich voll durch. Sänger Jonathan Vigil’s Lächeln war kaum zu übersehen, und auch der Rest der Truppe hatte eine sichtlich gute Zeit und freute sich über ein aufgewecktes Publikum. Sie hatten einige alte Songs mit im Gepäck (“Faith Or Forgiveness”, “Between The Lines”) und präsentierten einige Tracks des neuen Albums “Dear Youth”. So viel Energie habe ich selten bei einer Show erlebt, ich war beeindruckt. Ein Highlight war dann auch noch, als Jonathan ein Mädchen mit einem Poster aus der ersten Reihe auf die Bühne holte. Sie war komplett aufgelöst, als er sie umarmte und sagte “I used to be like that just a few years ago. I used to hold up signs like this for my favourite bands.”. Er sprach darüber, wie wichtig es ist, an seine Träume zu glauben und das zu machen, was man wirklich will.

FAZIT

Das Impericon Festival 2015 war ein voller Erfolg. Vom Wetter und der Organisation, über die Bands und den Ablauf und die Stimmung, war eigentlich alles perfekt. Natürlich können nicht immer alle Acts den Geschmack von jedem treffen, aber es gab zum Glück ja genügend Auswahl.

Fotocredit: Helena Becherstorfer

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