Wenn sich die Massen versammeln, rocken und feiern, dann ist wieder Festival-Zeit. Ich war beim Nova Rock 2015 dabei und was ich erlebte, erfahrt ihr hier.

Da ja bekanntlich „mittendrin statt nur dabei“ spannender ist als alles Andere, bin ich beim heurigen Nova Rock Festival als ganz normaler 3-Tages-Besucher (bzw. 4 Tage) in der Menge untergetaucht und habe somit auch abseits der Bühnen viel erlebt (und mitgemacht).
Darum habe ich die Rucksäcke gepackt, ein paar Freunde ins Auto gesetzt, Bier besorgt und bin mit Digi-Cam und Motivation in Richtung Nickelsdorf, geprescht um diese Großveranstaltung von seiner spannendsten Seite hautnah zu „spüren“.

Anreise leicht gemacht.

Aus logistischen Gründen sind wir bereits am Donnerstag in aller Früh gestartet, um möglichst viel Freiraum bei der Wahl des Zeltplatzes zu haben, da das dieser für vier Tage unsere neue Heimat sein würde.
Das Auto fachgerecht mit Krepp-Band modifiziert, konnte man nach der obligatorischen Verspätung (weil irgendjemand bekanntlich immer verschläft) starten. Vollgepackt bis zum letzten Kubikzentimeter in einem alten Vehikel in fragwürdigem Zustand, konnte die Reise aber doch angenehm vollendet werden, wenn man den Umweg für das lebensnotwendige Trockeneis nicht mitrechnet.
Am Parkplatz wurde auch schon die erste Neuerung im Geländeplan erkennbar: Das Eingangszelt ist viel näher als früher, da es jetzt gleich neben der Red-Stage liegt und über einen asphaltierten Weg erreichbar ist.

Am Camping-Platz selber wurde auch schnell ein strategisch wichtiger Posten bezogen, um die Gehzeiten zu allen wichtigen Locations (Stages, Toiletten, Nahrung, Uncle Emma Laden, etc.) gering zu halten, während aber auch ein großzügiger Sicherheitsabstand zu den Hauptwegen und den geruchsintensiven Dixi-Klos eingehalten wurde.
Leider ergaben sich die ersten Probleme bereits beim Aufbau des neuen Zeltes, dessen „Schnell-Aufbau-Mechanismus“ schnell den Geist aufgab und das Zelt unbrauchbar machte. Gaffa sei Dank konnte mit einer halben Rolle alles soweit repariert werden, dass es sogar dem Sturm am Sonntag standhielt.

Nach getaner Aufbauarbeit konnten am Abend endlich die ersten Biere getrunken werden und das neue Gelände samt Party-Zelt wurde auf Herz und Nieren geprüft. Das neue große Zelt ist dem alten größentechnisch überlegen, aber sonst blieb hier alles wie bereits aus den Vorjahren gewohnt. Der Einstand des neuen Zeltes wurde natürlich gebührend gefeiert und wie die Cowboys aus den alten Spaghetti-Western, zog ich am Morgen der aufgehenden Sonne entgegen Richtung Heimat bzw. Camping-Platz.

Tag 1

Bereits am Morgen knallte die erbarmungslose Sonne mit (gefühlter) Wüsten-Temperatur über die Pannonia Fields und sichtlich geschwächt vom Vor-Abend wurde der Vormittag mehr schlecht als recht mit Musik aus der selbst mitgebrachten Festival-Anlage überlebt.
Auch hier wurde wieder klar, wie auf dem Camping-Platz die kleinsten Dinge den Comfort gleich exponentiell steigern können. So ließ sich der Vormittag auf Camping-Sesseln, mit kühlen Getränken, im Schatten und mit guter Musik überleben.

Um Punkt 13:00 ging es dann auch zur Blue Stage, um die erste Band des Wochenendes zu sehen. Vinegar Hill aus Kapfenberg eröffneten offiziell und mit viel Lautstärke das Nova Rock 2015. Aufgrund der frühen Zeit waren die Bühnen noch recht spärlich besucht, aber alle die den frühen Weg zur Stage gewagt haben, wurden mit einem ausgezeichneten Einstiegs-Gig belohnt.

Vinegar Hill

Vinegar Hill

Hochkarätig ging der Tag für alle Metal-Hörer weiter: Godsmack, Parkway Drive, und Lamb of God konnten mit einem Song nach dem anderen die Menge zum durchdrehen bringen.

Hier möchte ich auch gleich einhaken und das neue Geländekonzept loben. Dadurch, dass die Bühnen seit heuer nebeneinander angeordnet sind, konnte durch einen kurzen Spaziergang durch den „Highway to Hell“ die Distanz zwischen den beiden Bühnen sehr viel angenehmer und schneller überbrückt werden als in den Vorjahren.

Auf der Red-Stage konnte ich die Guano Apes zum ersten mal live begutachten, die auch hier den Wavebreaker zum Beben brachten, wobei ich die teilweise recht seltsamen Ansprachen von Sängerin Sandra ein bisschen schräg fand.
Das erste ganz große Kino des Tages erlebe ich bei Rise Against, die Hit auf Hit in die, ohne Untertreibung, headliner-reife Menge schleuderten. Der Bereich vor der Stage war soweit das Auge reichte mit Menschen gefüllt. Man musste davon ausgehen, dass der Headliner auf der Blue-Stage wohl mit einem kleineren Publikum auskommen würde.

Doch auch bei Mötley Crüe fanden sich noch mehr als genug Fans ein und so wurden Lieder wie „Kickstart my Heart“ oder „Girls, Girls, Girls“ mehr als nur hörbar mitgesungen. Besonders die Pyro-Show der Alt-Rocker konnte überzeugen. So verwandelte Nikki Sixx seinen E-Bass kurzerhand in einen musikalischen Flammenwerfer und heizte den ersten Reihen ordentlich ein.

Das große (und für mich überraschende) Highlight des ersten Abends waren jedoch Scooter. Rund um H.P. Baxxter. Eine derartige Stimmung habe ich auf dem Festival noch selten erlebt. Bis in die letzten Reihen wurde zu Hits wie „Maria (I like it loud)“ und „Hyper Hyper“ mitgesungen, getanzt und gehüpft. Mit „englischen“ Ansagen und Bühnentänzern wurde das ganze auch noch unterhaltsam abgerundet.
Für mich der eigentliche Headliner des Freitags und auch in den Tagen danach konnte man reichlich „döp döp döp“-Chöre über die Felder schallen hören.

Tag 2

Die wechselnden Temperaturen und die ungewohnte Schlaf-Umgebung forderten langsam ihren Tribut. Mit krächzender Stimme und schmerzendem Hals bin ich aus meinem Zelt gekrochen. Gott sei Dank gibt es die netten Kaffee-Verkäufer, die einen sechsten Sinn haben und immer genau dann erscheinen, wenn der Bedarf nach einem erfrischenden Heißgetränk gerade am größten ist.
So gestärkt wurde der Vormittag großteils mit Musik, Vorratsaufstockung und dem Erfahrungsaustausch des bisher erlebten verbracht.
An der Wasserstelle konnte ich ein perfektes Beispiel für die immer wieder amüsanten Ideen der Besucher erleben. Um die Wartezeit zu verkürzen hat sich eine „Band“ bereit erklärt uns mit „Live-Musik“ (= Playback) zu beschallen. Einfallsreich wie sie waren, wurden neben Luftgitarren aus Gaffa Instrumente gebastelt und sorgten mit ihrer Performance für allgemeine Erheiterung in der brütenden Hitze.

Die erste Band die ich an diesem Tag sehen konnte war Callejon auf der Red Stage: Ein sehr starker Auftritt mit überraschend vielen Zuschauern.

Callejon

Callejon

Mein persönliches Highlight des Nachmittags waren In Extremo. Die deutsche Folk-Metal-Truppe konnte restlos überzeugen und dürften mit ihrer Pyro-Show und ihrem Hit-Bombardement die ersten Reihen wohl knusprig durchgebraten haben.
Die Stimmung stieg immer mehr in die Höhe und so konnten Papa Roach vor einem mehr als energetischen Publikum Songs wie „…to be Loved“, „Last Resort“ oder „Getting away with Murder“ zum Besten geben. Auch Sänger Jacoby war sichtlich motiviert aufgrund der Crowd.

Papa Roach

Papa Roach

Nach Papa Roach wurden wir aber leider von einem Regenschauer überrascht und so musste ich genervt zurück zum Zelt marschieren, um mich wetterfest zu machen.
Bei der darauf folgenden Performance von In Flames wäre das aber nicht mehr nötig gewesen, da man hier einfach nicht still bleiben konnte. Besonders lustig: Sänger Anders Fridén übernahm spontan das Handy eines Zuschauers als er bemerkte, dass es läutet und telefonierte live on Stage mit dem glücklichen Anrufer – ein Erlebnis, das der so schnell nicht vergessen wird.

Nightwish waren Headliner auf der Red-Stage, konnten aber mit Die Toten Hosen beim Publikumnicht mithalten und mussten so vor einer recht überschaubaren Crowd spielen.
Der Auftritt war dennoch mehr als gelungen und die neue Sängerin Floor Jansen konnte überzeugend ihren Einstand am Nova Rock feiern.

Tag 3

Alles hat ein Ende und so auch das Nova 2015. Komplett fertig aber motiviert startete der letzte Tag. Eigentlich wäre das alljährliche Frühschoppen der oberste Prioritätspunkt des Vormittags gewesen, aber meist kommt es anders als geplant.
Ein Spontanbesuch einer bärtigen, australischen Braut hielt uns auf. Wie sich herausstellte, war der gutgekleidete Australier aber dann doch Österreicher und zudem Kabarettist. Wie oft hat man schon die Chance auf Unterhaltung auf diesem Niveau (besonders auf einem Zeltplatz) und somit waren 2,5 Stunden voller Geschichten, Liedern und Pointen schnell vorbei. („Ernst mit Umgeher“ nennt sich die Kabarett-Formation falls sich Kabarettinteressierte unter den Lesern befinden.)

Gut unterhalten und in Top-Stimmung begann ich dann meinen Marsch in Richtung Blue-Stage, um mir Powerwolf anzuschauen. Da ich generell der Fraktion des Power-Metal sehr zugetan bin, war ich von der Leistung der Band mehr als überzeugt und auch die Zuschauer im Wavebreaker dürften ähnlich empfunden haben.
Das Highlight des Tages waren aber definitiv die Schweizer von Eluveitie. Perfekter Sound und eine sehr sympathische Stimmung der Musiker sprachen für sich. Besonders interessant war die schweizerdeutsche Version von „Call of the Mountain“, die bei einer Abstimmung mit dem Publikum der englischen Version haushoch überlegen war.

Eluveitie

Eluveitie

Nur das Wetter zog allen Campern am frühen Abend einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Ich war an „Stürme“ auf dem Festival durchaus schon gewöhnt (zB 2012 kurz vor Rise Against oder 2010), aber dieser plötzliche „Orkan“ war dann doch überraschend.
Er verursachte totale Zerstörung und Bewässerung von etlichen Pavillons und Zelten. Wind, Regen und Hagel, das war vielen Behausungen wohl zu viel… unter anderem auch meiner, die kopfüber ruhend vorgefunden wurde (von den Pavillons gar nicht zu reden).
Doch der Moment nach dem Sturm war unbezahlbar. Hunderte Menschen die aus ihren Zelten kriechen und alle spontan zu feiern beginnen… der für mich einprägsamste Moment meiner Festivalkarriere

Five Finger Death Punch

Five Finger Death Punch

Mit Verspätung und verkürzter Setlist ging es dann auch schon wieder loud und heavy mit Five Finger Death Punch weiter, die trotz der recht kurzen Spielzeit die durchnässte Menge wieder zum kochen brachten und so war die Menge bei Motörhead wieder bei bester Laune.
Motörhead spielten einen Klassiker nach dem anderen, jedoch war Lemmy sichtlich schwach und man merkte ihm seine Gesundheitsprobleme durchaus an.

Den krönenden Abschluss des diesjährigen Festivals machten Slipknot mit ihrer etwa zweistündigen Performance. Die letzten Energie-Reserven wurden nochmal gebündelt und so waren nicht nur die Fans, sondern auch die Band in einer Hochstimmung.
Ein extrem motivierter Corey Taylor strotzte nur so vor Stimm-Power und Charisma. Ein würdiger Abschied vom Festival und für mich einer der überzeugendsten Headliner seit ich Festivals besuche.

Fazit

Nach dem Festival ist ja bekanntlich vor dem Festival, Nova Rock 2016 darf kommen.
Die neuen Änderungen an der Infrastruktur und am Gelände machen allesamt Sinn und verwandelten das diesjährige Festival zu einem (überraschend sauberen) „Spaziergang“. Die Qualität der Bands war mehr als überdurchschnittlich und die Besucher (zumindest die mit denen ich Kontakt hatte) waren extrem nett und gut drauf.
So geht man gerne auf ein Festival!

See you in 2016 m/

Fotocredits: www.music-news.at

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