Die Festivalsaison in Österreich hat begonnen – zumindest was Rock und Metal betrifft. Das Nova Rock Festival fand mit einem zusätzlichen Warm Up Day von 9. bis 12. Juni 2016 statt.

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Sonniger Freitag Nachmittag am Nova Rock (c) Rössl Andreas

Dreck, Schlamm, Platzregen, Hitze, Sonnenbrände und einige Tage Campen. Festivals muss man mögen. Ein Ausnahmezustand, während Bands, Konzerten und dem Alkoholspiegel mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als der eigentlich doch so wichtigen Körperhygiene. So ein Phänomen durfte vom 9. bis 12. Juni 2016 auf den Pannonia Fields beobachtet werden. Die Rede ist vom Nova Rock. Neben Bands wie Billy Talent und Korn, die am Warm Up Day gastierten und das Publikum ordentlich auf die kommenden drei Tage vorbereiteten, ließen sich unter anderem Trivium, The Offspring, EAV, Viech, Dropkick Murphys, Alice Cooper, Heaven Shall Burn und die Red Hot Chili Peppers, die die Rolle des Finalisten eingenommen hatten, blicken.

Freitag – Nova Rock Tag 1

Drückende Hitze und kein Regen weit und breit. Die letzten Jahre rückblickend war es allerdings schon mal heißer auf den Pannonia Fields gewesen und ein paar Regentröpfchen konnten auch nie vermieden werden. Im Grunde waren uns die Wettergötter dieses Jahr mehr als gnädig gestimmt, vor allem in Anbetracht der mehr als miserablen Wettervorhersagen.

Das Jahr 2016 lies bandtechnisch minimale Déjà-Vus zu. Trivium gastierten auf der Red Stage, die den etwas „härteren“ Bands zur Verfügung gestellt wurde, und brachten die Menge wieder auf Touren. Nach einem Jahr Nova Rock Abstinenz ließen sich die Amerikaner auf den Pannonia Fields aufs Neue blicken. Songs wie „Like Light To The Flies“ und „In Waves“ stießen auf erfreute Fans.

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Trivium geben Gas (c) Rössl Andreas

Direkt danach wurden die Festival-Besucher auf der Blue Stage von The Offspring beglückt – 2015 auf dem FM4-Frequency Festival, 2016 zu Gast beim Nova Rock. Mit „You’re Gonna Go Far, Kid“, einem altbekannten Song der Punk-Rock-Kombo aus Kalifornien, wurde der Wavebreaker zum Beben gebracht. „Hit That“ und „Why Don’t You Get A Job“ folgten. Außer einem zurückhaltenden „Ich liebe dich“ scheuten sich The Offspring jedoch vor jeglichem Publikumskontakt, aber das störte die Fans kein bisschen: Es gab wohl keinen einzigen Song, den das aufgeheizte Publikum gesangstechnisch nicht begleitete – eh logisch, wenn das ganze Konzert nur aus Hits besteht.

Während Bullet for My Valentine und Disturbed auf der Red Stage ihre Arbeit taten, gastierte der österreichische Main-Act Wanda auf der Blue Stage. Das Konzert wurde mit „Luzia“ eingeleitet und nahm den typischen Verlauf eines Wanda-Gigs – No Future, Trostlosigkeit, die unglückliche Verliebtheit, Zigaretten und Schnaps, Schnaps, Schnaps. Schöne lange Intros und Soli verzauberten die doch so kurzen und knackigen Songs in festivaleske Stimmungsmacher. Dennoch passen Wanda viel mehr in städtische Kleinlokalitäten, denn nur dort können sie ihre Message richtig vermitteln, was sich durch das wenige Publikum auch bemerkbar machte.

Zum „Late-Night-Act“, den dieses Jahr unter anderem die EAV bildeten, war das Publikum wieder vereint und das aus gutem Grund. EAV sind für sozialkritische, aber auch lustige Songs, die zum Mitsingen anregen, bekannt. Klaus Eberhartingers jahrelange Bühnenkarriere machte sich bemerkbar: Sekundenschnelle Kostümwechsel, spaßige Song-Ankündigungen und eine stimmliche Leistung, die den Studioaufnahmen nahe kommt. Songs wurden dem Hier und Jetzt textlich angepasst sowie musikalisch getuned. All das machte die EAV zu einem guten „Late-Night-Act“ und treffendem Abschluss des ersten Tages.

Samstag – Nova Rock Tag 2

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Spärlich besuchte Bühne bei Viech (c) Clarissa Berner

Die Indie-Pop-Band Viech, kommend aus den zwei größten österreichischen Städten Wien und Graz, eröffnete den zweiten Festival-Tag auf der Red Stage. Mit „Zentrale“ wurde das Konzert eingeleitet und belebten hiermit die gestrige Vorfreude auf weitere Konzerte wieder. Die Songs unterschieden sich zwar zeitweise deutlich von Studioaufnahmen, doch die Motivation sowie das Engagement des Quartetts brachten das eher spärliche Publikum zum Tanzen.

Eine hingegen verstörende Atmosphäre schufen Slaves an diesem frühen Samstagnachmittag vor einer ebenso knapp besuchten Blue Stage. Dadurch hinterließ das britische Punk-Duo einen – bleibenden Eindruck. Wirklich sehenswert.

Aber nicht nur auf der Red sowie Blue Stage gastieren Bands. Die Red Bull Stage sowie das Jägermeister-Zelt schufen Platz für nicht allzu bekannte Bands. FAMP aus Wien spendierten zum Ausgleich zu der etwas härteren Musik soliden Indie-Rock. Im Jägermeister-Zelt konnte den grungig-alternativen Beats der Band Lausch im wahrsten Sinne des Wortes gelauscht werden. Lausch evozierten trotz der sehr Soli-lastigen Spielerei eine Chill-Out-Stimmung, die sich neben Jägermeisterexzessen als eine gute Begleitung darstellte.

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Metalcore mit dem gewissen etwas von August Burns Red (c) Rössl Andreas

Fernab jeglicher weichgespülten Musik konnten August Burns Red sehr überzeugen. Neben Dropkick Murphys waren sie sicherlich eines der Must-Sees am Samstag. Ihr Metalcore befindet sich auf höchstem Niveau und „schlägt einem einfach total in die Fresse rein“. Auch hier hätte man mehr Leute erwartet, der erste Wavebreaker war nur zur Hälfte gefüllt. Diejenigen, die kamen, wurden mit einer überwältigenden Show der energiegeladenen Truppe belohnt.

Das zweite Muss des Tages waren wohl die Dropkick Murphys. Irische Musik funktioniert immer und lässt Leute feiern sowie tanzen – besonders betrunkene Festivalgestalten. Die Zugabe „I’m Shipping Up To Boston“ ließ das Whiskey-Fass eindeutig platzen. Die Jungs aus Boston hätten viel mehr einen Main-Act-Platz verdient.

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Alice Cooper fasziniert die Menge (c) Rössl Andreas

Kultrocker Alice Cooper setzte dem bisher tollen Tag nun die Krönung auf. Tolle Lieder, gute Covers (unter anderem von Motörhead und David Bowie) und eine Bühnenshow, die seinesgleichen sucht. Man durfte erleben wie Alice Cooper unter der Guillotine zitterte und schließlich im wahrsten Sinne des Wortes seinen Kopf verlor. Glücklicherweise nur Teil einer anschaulich inszenierten Show. Abgerundet wurde das ganze noch durch ein mehrere Minuten langes Gitarrensolo der sehr talentierten Gitarristin. Die Menge war am Durchdrehen bei Hits wie „Poison“.

Einen regnerischen Abschluss bildeten Volbeat. Nach einer halben Stunde Verspätung erklangen die ersten Gitarrenriffs. Die Dänen waren bereits vor zwei Jahren am Nova Rock vertreten und lieferten wieder eine tolle Show.

Sonntag – Nova Rock Tag 3

Dragony starteten an der Red Stage mit solidem Powermetal und brachten Nerd Allüren à la Dark Souls ins Spiel. Härter ging es folglich bei Drescher zu und man durfte endlich den ersten Moshpits des Tages beiwohnen. Harmonika und E-Gitarre bilden einen perfekten Untergrund für den aggressiven Schreigesang im Dialekt. Selbst Falco kam auf seine Kosten. „Rock Me Amadeus“ erwies sich, wie erwartet, als ein durchaus hörenswertes Metalcover.

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Dragony (c) Rössl Andreas

Für einen kurzen Genre-Umschwung sorgten James Choice And The Bad Decisions, die auf der Brandwagen Stage gastierten. Die jungen Musiker überraschten sehr: Der fünfstimmige Gesang in Verbindung mit den wirklich eingängigen Melodien brachte einen sofort zum Tanzen.

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James Choice And The Bad Decisions (c) Rössl Andreas

Zurück zur Red Stage. We Came As Romans und Behemoth erwarteten ihre Fans schon. We Came As Romans animierten das Publikum – es folgten zahlreiche Circle- sowie Moshpits.
Wer bei Behemoth in den ersten Reihen stand durfte erleben, wie diese auf der Bühne eine Art satanisches Ritual vollzogen. Feinster Black Death Metal war die Folge.

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Behemoth (c) Rössl Andreas

Jesper Munk ließ einen wieder etwas runterkommen. Vor der Brandwagen Stage saßen viele Leute einfach nur da und lauschten seinem Bluesrock.

Nach dieser kurzen „Ruhephase“ konnte man den etwas härteren Klängen von Heaven Shall Burn unter einem wunderschönen, durch den leichten Regen entstandenen Regenbogen lauschen. Sänger Marcus sorgte fürsorglich für das Publikum. Er fragte nicht nur regelmäßig nach, ob es allen gut ginge, sondern er arbeitete auch mit seinen Fans. Es entstanden regelmäßig Circlepits, einmal sogar drei zeitgleich. HSB waren einfach mal wieder eine richtige Gönnung, Metalcore vom Feinsten.

„Forty And Fuck It!“ lautete das Motto bei Twisted Sister. Diese hatten den wohl fetzigsten Auftritt am Nova Rock 2016. Trotz fortschreitenden Alters der Bandmitglieder versprühen diese eine schier unendliche Energie. Ihr Auftritt war leider auch ein Abschied. Nur dreimal durften sie Österreich rocken. Das vierte Mal sollte nun das letzte Mal sein. Es folgten zahlreiche Dankesreden, unter anderem auch an Black Sabbath, Judas Priest und Kiss, dafür, dass sie die Musik erfanden, welche wir so lieben. Dies alles in Kombination mit Welthits wie „We´re Not Gonna Take It“ heizte die Menge einfach dermaßen an, dass es kaum in Worte zu fassen war. Ein würdiger Abschied und ein weiteres Highlight des Tages.

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Der Abschied fällt Twisted Sister sichtlich schwer (c) Rössl Andreas

Den Abschluss und das eigentliche Highlight beziehungsweise den Finalisten des ganzen Festivals sollten die Red Hot Chili Peppers bilden – dem war leider nicht so. Abgesehen davon, dass die ersten zwei, drei Songs Playback gewesen sein sollen, konnte Sänger und Frontmann Anthony Kiedis kaum einen geraden Ton herausbringen. Textliche Hilfestellungen lieferten auch nicht (wie erwartet) Fans, sondern, wie so manche beobachteten konnten, ein kleines Zettelchen, was aber nichts Neues ist, denn solche hat der Sänger bereits längere Zeit bei Live-Gigs an seiner Seite. Wer die Red Hot Chili Peppers kennt, weiß, dass die Band sich durch funkige Soli, die auf Studioaufnahmen schon fast zu lange erscheinen, auszeichnet. All jene wurden während der Show um gefühlte drei Minuten in die Länge gezogen und zusätzlich durch einzelne Fehlgriffe geziert, womit eher der Eindruck entstand, dass die kalifornische Band keine Lust auf das „ach so kleine“ Nova Rock hatte. Im Grunde war das gesamte Konzert soundtechnisch nicht das absolute Highlight, was sowohl technisches Versagen als auch die Tatsache, dass das Konzert auf das neue Album ausgelegt wurde, auslösten. Zusätzlich sei noch zu erwähnen, dass die Show sich deutlich von der letzten Show am Rock am Ring in Deutschland abgrenzt, sprich die Peppers spielen nun mal keine fix einstudierten Gigs, was so manche kleine Fehler erklärt.

Resümierend kann gesagt werden: Trotz so mancher Bands, die dann eben doch nicht den Erwartungen der Masse entsprochen haben, hat das Nova Rock 2016 dennoch komplett überzeugen können – man sei gespannt auf 2017.

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