Das war das Nu Forms 2017
Venue
Organisation
Visuals
Acts
Atmosphäre
Innovation
4.2Sterne

Die diesjährige Version des größten DnB-Konvents Österreichs setzte auf Beständigkeit: Grundlegende Änderungen zum Vorjahr blieben aus, dafür wurde der Kult-Charakter des Festivals ein Stück weit gefestigt.

Mit der Etablierung des „Neo Urban Art Forms“ im letzten Jahr bewegen sich die Veranstalter des Nu Forms ohne Frage am Puls der Zeit. Auch heuer wurde ein musikalisches Programm kreiert, das zahlreiche internationale Gäste von 29. Juni bis 1. Juli in das burgenländische Wiesen lockte. Das Wissen um das organisatorische Kollektiv bestehend aus niemand geringeren als Camo & Krooked und UAF Music Director Christian Lakatos schürten so manche Erwartungshaltung, die rückblickend absolut erfüllt wurde.

Venue, Organisation, Stimmung

Wiesen bringt’s einfach: Ein weitläufiges Areal, das durch seinen Waldreichtum und ansprechende Kulinarikvielfalt dem auditiven Spektakel das gewisse visuelle und gefühlsmäßige Extra verleiht – Wohlfühlfaktor on top. Was die Bühneninszenierung betrifft, konnten die Organisatoren wie letztes Jahr besonders durch die imposante Optik und den Fokus auf effektvolle Visual Arts punkten.
Hinreichend Lob gab es auch dafür, dass man sich an allen Bars gratis Wasser beschaffen konnte – gezahlt wurde lediglich der Bechereinsatz. Im Ganzen glänzte das Event durch seine organisatorische Qualität, woraus ein merklich einwandfreier Ablauf resultierte.
Wettertechnisch gab‘s ein Wechselbad der Gefühle: Immer wieder wurden die Festivalgemeinde vor möglichen Unwettern gewarnt. Gegen Abend und mit Beginn der Acts zeigte sich das 3000-Seelen-Dorf meist aber von seiner trockenen und sommerlichen Seite. Die Stimmung bewegte sich nichtsdestotrotz durchwegs im grünen Bereich – generell gingen alle drei Tage friedvoll und harmonisch über die Bühne.

Ruhe vor dem Sturm: Mainframe Stage, Freitag Abend (c) Knabb

Acts, Acts, Acts

Während der Eröffnungstag von der Wiener DnB-Eventreihe Switch! gehostet wurde und mit Künstlern wie Macky Gee und Upgrade b2b Nu:Elementz im Zeichen des Jump Up stand, läutete der Wiener Jung-Producer/DJ Kimyan Law (wir berichteten bereits hier über ihn) mit seinen experimentellen Soundgerüsten auf der Hauptbühne, der Mainframe Stage, den Freitagabend ein. Weiter ging es mit Producer und Singer/Songwriter Etherwood und den „Critical Music“-Vertretern Kasra & Enei auf der direkt nebenan situierten Futurebeatz Stage, die den versammelten DnB-Aficionados zum ersten Mal des Tages richtig einheizten.

Camo & Krooked b2b Netsky, Mainframe Stage (c) Knabb

Das eindeutige Highlight des Abends lieferten allerdings – wie soll es anders sein – die Festivalkuratoren höchstpersönlich gemeinsam mit einem belgischen Amtskollegen: Camo & Krooked und Netsky – mit MC Daxta und Script MC im Gepäck. Sowohl das aus Niederösterreich stammende, sich ständig neu erfindende Musikproduzentenduo, als auch der Szenevorreiter, dessen Künstlername auf einem Computervirus basiert (hierzulande kennt man Netsky alias Boris Daenen seit 2012 durch den in einem Pro7-Werbespot platzierten Track „Come Alive“) haben sich schon seit Jahren an der Spitze eingenistet, können auf immense Erfolge zurückblicken und zeichnen sich durch einen hohen musikalischen Wiedererkennungswert aus. Kein Wunder also, dass dem Kombo-Auftritt ein Platz in der „Primetime“ inklusive zweistündiger Spielzeit eingeräumt wurde. Ein ausgefeiltes, vielseitiges Set war das Ergebnis: Beide konnten Eigenkompositionen teils neu konstruieren, was für originelle Klangerlebnisse sorgte. Auch die Synthese zwischen den jeweiligen Musiksequenzen ist mehr als gelungen – Electro/Drumstep/Minimal meets Liquid Funk. Wenn man an dieser Stelle dennoch etwas bemängeln möchte, dann wohl folgendes: Es handelte sich um die mit Abstand poppigste Darbietung des Abends.
Den Samstag komplettierten DnB-Pioniere wie Goldie b2b Dillinja, The Prototypes, Andy C, Wilkinson, wobei das wirkliche Festivalende erst in den frühen Morgenstunden mit herrlichen Neurofunk-Klängen von Audio, InsideInfo und L33 b2b Aggressor Bunx besiegelt wurde.

Fazit

Summa Summarum konnte die diesjährige Ausführung des Nu Forms auf weiten Strecken überzeugen – einwandfreie Organisation, Top-Acts und eine durchwegs positive Festivalatmosphäre. In manchen Belangen trat allerdings ein gewisser Déjá-vu Effekt zutage: Ein dem Vorjahr extrem ähnelndes Line-Up und kaum abgewandelte Bühnenbilder/Lichteffekte dürften so manchen Backflash bewirkt haben. Vielleicht trug aber genau dieser Umstand dazu bei, den Weg für einen Kultstatus des Festivals zu ebnen – das dahingehende Social Media-Meinungsklima lässt dies zumindest stark vermuten.
Außer Frage steht, dass auch dieses Jahr einige Tracks von den Acts etwas häufiger aufgegriffen wurden, um es gelinde auszudrücken. Hier die Top 3 der totgespieltesten Songs des Festivalwochenendes.

1. Dimension – UK

2. Noisia – Dead Limit

3. TC – TAP HO

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