Am See Rock 2015 traf der dominierende Old School Metal von Judas Priest, Accept und Doro auf Nu Metal à la Korn, lokale Bands und Lateinamerika.

Regen, Wolken, Kälte statt Hitze – In diese trübe Gewandung kleidete sich der 30.07.2015. Doch so unbehaglich das Wetter auch sein mochte, es pilgerte dennoch eine große Schar an Old School Metal- und Festival-Fans vergangenen Donnerstag zum Schwarzl Freizeitzentrum. Es stand nämlich wieder einmal das jährliche See Rock Festival am Plan. Rund 5000 Feierlustige brachten das Freiluft-Areal neben dem Schwarzl See in der Nähe von Graz zum Beben. Bei den stählernen Klängen von Bands wie Doro, Accept, Korn und Judas Priest waren auch die nebelige Luft und der leichte Regen schnell vergessen.

Abgespeckt

Um 13:15 Uhr öffneten sich die Tore zum Festivalgelände, das dieses Jahr etwas kleiner ausgefallen war. Wo man 2014 noch gemütlich am Boden gesessen und den Bands von der Ferne gelauscht hatte, machten sich heuer bereits die Essensstände breit. Zwei Trucks von Rock Food boten Fingerfood und Deftiges zu Festival-üblichen Preisen an. Dazu gesellte sich ein Langos-Wagon und etliche Brezel-Stände auf Rädern, die vor allem zur späteren Stunde mit Brezeln um 2€ die Besucher versorgten. Wer Lust auf etwas Süßes bekam, wurde dieses Jahr leider enttäuscht: Den Donut-Truck suchte man vergebens. Stattdessen konnte man sich mit Zigaretten bestens ausstatten – es kann ja nicht jedes Laster abgelegt werden. So mangelte es auch nicht an der bierigen Verkostung. Wieder Festival-Preise, aber immerhin war das Mineralwasser etwas günstiger. Wer sich allerdings einen kühlen Genuss erhoffte, der konnte ab dem Set von Accept schnell enttäuscht werden: sommerliche Temperaturen gab es zwar nicht zum Atmen, aber ausreichend zum Trinken in Hinblick auf Puntigamer und Co. Hier sollte auch gesagt sein: egal wie warm das Bier ist, es in die Menge zu werfen ist keine so gute Idee. Auf einem Festival hat wohl niemand Lust auf eine unverhoffte Platzwunde.

Gelände See Rock 2015

Zwei Trucks von Rock Food verköstigten mit Finger Food und Co.

Abgesehen vom Gelände und dem Essensangebot hatte auch das Line-Up abgespeckt. Konnte man 2014 noch zwei Tage lang Festivalstimmung am Schwarzl See genießen, war das Programm heuer auf einen Tag beschränkt worden. Bekanntlich liegt aber auch in der Kürze die Würze und somit kam die gute Stimmung gebündelt an einem Tag zum Vorschein. Zwölf Bands – regional bis international – bespielten in knapp zwölf Stunden die Bühne. Ein bunter Mix aus den verschiedensten Subgenres des Metal hallte von den Bürogebäuden rund um das Gelände wieder. Dennoch dominierte auch dieses Jahr der Old School Metal. Urgesteine wie die Headliner Judas Priest, dicht gefolgt von Accept und Doro heizten dem Publikum ordentlich ein.

Aller Anfang ist … kurz

Die Rolle der Opener gebührte österreichischen Bands. In den ersten beiden Stunden bespielten fünf Gruppierungen, darunter vier aus dem Raum Graz, die See Rock Bühne. Viel Zeit hatten sie nicht, stand jede von ihnen doch nur knappe zehn Minuten auf der Stage. Dennoch waren Ebony Archways, Mad Soul Empire, Rest in Fear, Detraced und Cannonball Ride mit voller Leidenschaft dabei und stimmten die frühen Besucher auf den Tag ein.

Eine Band vermisste man allerdings: Die österreichischen Power und Symphonic Metaler Visions of Atlantis hatten fünf Tage zuvor offiziell bekannt gegeben, dass sie am See Rock 2015 nicht zu sehen sein werden. Da Visions of Atlantis fälschlicherweise als eine lokale Nachwuchsband behandelt worden waren und ein Zehn-Minuten-Set einen professionellen Auftritt nicht möglich gemacht hätte, entschieden sich beide Seiten, Band und Veranstalter, Visions of Atlantis vom Line-Up zu nehmen. Wer ihren Symphonic Metal in vollem Ausmaß bewundern möchte, der hat aber bald bei ihrer 15-Jahres-Feier im Explosiv Graz die Gelegenheit dazu.

Metallischer Glamour

Kissin Dynamite See Rock 2015

Mit glamourösen Outfits und geballter Energie beeindruckten Kissin‘ Dynamite.

Die erste Band, die länger auf der Bühne stehen durfte, war Kissin‘ Dynamite. Die fünf Jungs aus Tübingen, allen voran Sänger Hannes, brachten die Stage zum Explodieren. Starke Heavy Metal Sounds und Glam Rock Hymnen stimmten das Publikum auf die späteren Stunden ein. Die eindrucksvolle Energie der funkelnden Rocker übertrug sich auf die Besucher, und auch wer vorher noch nie etwas von ihnen gehört hatte, nickte bald im Takt mit. Mit ihren schillernden Outfits und der bewegten Bühnenshow gehörten sie bereits um 15:00 Uhr zu den Highlights des See Rock Festivals.

Gleich darauf folgte Beyond the Black, eine female-fronted Symphonic Metal Band aus Norddeutschland. Gothic Melodien, Gitarrensolos, einige starke Growls und dominierender klarer Gesang sind die Merkmale dieser jungen Gruppierung. Auch wenn die Moderation von Sängerin Jennifer Haben nicht an die Partymacher von Kissin‘ Dynamite heran kam, bespielten sie die See Rock Bühne souverän und konnten mit Sicherheit einige neue Fans gewinnen.

Latin Power und Old School Sounds

Ill Nino See Rock 2015

Der Mix aus lateinamerikanischen Rhythmen und Metal brachte das Areal zum Beben.

Die bunte Mischung der Bands machte auch vor dem Ozean keinen Halt: Mit Ill Niño aus New Jersey ging der Abend in die nächste Runde. Die sechs Jungs, die seit über siebzehn Jahren gemeinsam die Bühnen rocken, beschallten das Festivalgelände mit harten Metal Sounds gepaart mit lateinamerikanischen Rhythmen. Dass sie Spaß hatten und ihre Show genossen, konnte man daran erkennen, wie sie die Festivalbesucher bereits am Nachmittag motivieren konnten. Es wurde gejumpt und fleißig gebangt. Aber auch zum Schmunzeln hatte man einiges, waren die schauspielerische Darbietung des Gitarristen und das Dauergrinsen des Schlagzeugers doch eine Kategorie für sich.

Doro See Rock 2015

Metal Queen Doro Pesch heizte dem Publikum ordentlich ein.

Mit Doro erklangen am späteren Nachmittag letztendlich die ersten Old School Heavy Metal Klänge am Schwarzl See – und darauf hatten die Meisten wohl auch gewartet. Auch hinter dem Wavebreaker begannen sich die Zuschauer zu drängen und rissen mit Elan die Hände nach oben, wenn Frontfrau Doro Pesch zum Klatschen aufforderte. Nach über 30 Jahren im Metal-Business zeigte sich die Gruppierung energiegeladen wie eh und je. Spätestens nach dieser Show wusste auch jeder, wer das See Rock Festival 2015 gebührend abschließen würde: Waren Doro vor langer Zeit mit und durch Judas Priest groß geworden, priesen sie die Priester auch mit voller Leidenschaft an.

Accept See Rock 2015

Die Urgesteine von Accept stimmten auf Judas Priest ein.

Mit Accept folgte gleich darauf der zweite Heavy Metal Act. Zu den Erfolgen dieser Konstellation zählen unter anderem mehrmalige Ernennungen zum „Best Album of the Year“, Platz 4 in den deutschen Album-Charts und als Support von AC/DC konnte man sie auch schon bewundern. Classic Heavy Metal vom Feinsten also. Schreiende Gitarren vom Anfang bis zum Ende, melodische Solos und die typisch raue Stimme von Sänger Mark Tornillo – all das versprühten die fünf Urgesteine. Nachdem die letzten Sounds von Accept verklungen waren, war man bereit für Judas Priest. Doch da war ja noch eine Band im Line-Up…

Zwei unterschiedliche Headliner

Korn See Rock 2015

Jonathan Davis von Korn mit Dudelsack – ein interessanter Anblick.

Die Heavy Metal Party wurde von keinen geringeren als Korn unterbrochen. Die Mitbegründer des Nu Metal aus Bakersfield, Kalifornien, brachten das Old School Metal Konzept etwas durcheinander. Das merkte man leider auch etwas an den Festivalbesuchern, von denen sichtlich mehr in Stimmung auf Judas Priest waren. Korn sah man sich eben an – und Korn spielten eben. Nachdem sie mit der bekannteren Nummer „Blind“ ihre Show eröffneten hatten, waren populäre Nummern eher spärlich anzutreffen. Ein paar kommunikative Sätze suchte man vergebens und das Ende ihres Auftritts ließ einige Fragen offen. Dennoch waren Jonathan Davis und seine vier Band Kollegen mit voller Leidenschaft dabei und jeder Fan unter den See Rock Besuchern kam auf seine Kosten.

Judas Priest See Rock 2015a

Judas Priest begeisterten die See Rock Besucher bis zum letzten Ton.

Und dann kamen Judas Priest. Auf sie hatten wohl alle gewartet. Nach einem aufwändigen Umbau, der das Aufstellen einiger riesiger Bildschirme inkludierte, auf denen später beeindruckende Grafiken die Show untermalen sollten, war es endlich so weit. Die Heavy Metal Urgesteine aus England brachten das Gelände bis ins letzte Eck zum Beben. Es wurde mitgesungen, mitgeklatscht und einfach gerockt. Auch der Regen, der während Korn so manchen Ö-Ticket- oder Napalm Records-Poncho in die Menge gezaubert hatte, verabschiedete sich wieder. Der großartigen Show, gespickt von mitreißenden Gitarrensolos, glamourösen Outfits von Fronter Robert Halford und technischen Effekten, waren keine Grenzen gesetzt. Bis zum letzten Klang wurde gefeiert. Ein gebührendes Ende des See Rock 2015.

Credits: Flow Szemes

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