Drei Tage Waves Festival & Conference 2017
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4.3STERNE

Das siebente Waves Vienna Festival & Conference ist Geschichte. Eine ganze Menge von Eindrücken vom einzigen Showcase-Festival in Österreich müssen einmal verarbeitet werden. Hier der Versuch eines Ausschnitts aus über 100 Acts auf dreizehn Bühnen in und um das WUK in drei Tagen.

Um ehrlich zu sein, so ganz war es mir nicht klar, auf was ich mich da eingelassen hatte, als ich mich für das Waves 2017 akkreditieren ließ. Auch wenn ich in den vergangenen Jahren vom Waves gehört hatte, konnte ich mir unter der Bezeichnung Showcasefastival nicht viel vorstellen. Dreitägige Festivals gibt es ja in Wien über das Jahr verteilt so einige, auch ist Wien als Kongress- und Konferenzstadt ein begehrtes Pflaster. Aber eine Kombination aus beiden Eventtypen ist auch für einen Wiener, der geglaubt hat, dass er event-mäßig schon alles gesehen hat, etwas Neues.

Donnerstag: Alles auf Anfang

Doch alles der Reihe nach. Das Waves Vienna begann am Donnerstagnachmittag mit einer kleinen Eröffnungspräsentation im WUK Foyer. Es begann, wie man es auf einer internationalen Fachkonferenz erwartet. Das Organisatorenteam stellte sich vor und präsentierte den XA-Export Award, der dieses Jahr eigens geschaffen wurde. Zehn vielversprechende österreichische Newcomerbands wurden für diesen Award nominiert und auf das Festival eingeladen. Während den Shows dieser Bands befand sich immer eine zehnköpfige internationale Jury aus Labelbetreibern, Veranstaltern, Bookern und Musikjournalisten im Publikum, die nach der Liveperformance die Nominees bewertete. Gleich im Anschluss bat einer der Hauptsponsoren GLP zu einem Empfang, während auf den externen Stages um das WUK die ersten Bands aufspielten. Dementsprechend ist es niemandem möglich, alles zu sehen, da viele Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden. Der Vorteil daran ist, dass jeder Teilnehmer sich sein persönliches Festivalprogramm zusammenstellen kann. Jeder hat somit sein persönliches Waves-Erlebnis.

Gleich nach dem GLP-Empfang hatte das Taiwanesische Kulturzentrum sich im WUK Beisel aufgebaut und verwöhnte mit Buffet, Getränken und dem taiwanesischen Act April Red. So hatte man gleich am ersten Tag einen Einblick, wie in Fernost elektronischer Indie Pop klingt. Damit stellte das Waves Festival gleich klar, dass nicht nur die europäische Alternative-Szene im WUK zu Gast ist. Während Taiwan sich im WUK Beisel vorstellte, begann schon die tschechische Band Cold Cold Nights in der WUK Halle mit ihrer teils sphärisch, teils rockigen Show, die gerade durch die Kombination von Synthieflächen mit dem Sound der Trompete sehr spannend war.

Dann ging mein persönliches Programm mit einer österreichischen Band weiter, nämlich Little Big Sea, welche auf der Kellerbühne des Isaac’s ihr Konzert absolvierten. Da für den Besucherandrang der Keller des Isaac’s dann doch etwas zu klein war, ging es wieder zurück zum WUK und dort war es gerade Zeit für den kanadischen Folk-Pop Sänger Jordan Klassen, der im Gegensatz zu den eher elektronisch gehaltenen Sounds der bisherigen Bands das Publikum mit der Westerngitarre unterhielt. Wer die eigentlichen Headliner des Festivals Clap Your Hands Say Yeah sehen wollte, musste bis Mitternacht warten. Wer es solange aushielt, wurde aber in der vollen WUK Halle mit einem ausgezeichneten Konzert belohnt.

Freitag: Die Conference beginnt

Der Freitag begann wie eine Fachtagung, wie sie in jeder anderen Branche auch ablaufen könnte. Es gab ein Frühstück, das für viele Besucher zu früh angesetzt war, diese tröpfelten erst kurz vor Mittag in die Seminarräume des WUKs ein. Gleichzeitig fingen schon die Listening Sessions an, bei denen mehrere Songs vorgespielt und von einer Fachjury kommentiert wurden. Der Vorteil eines Showcase Festivals ist, dass sich zu so einem Anlaß wirklich wichtige Entscheidungsträger der Branche aus dem In- und Ausland anreisen, einerseits um die eigenen Künstler vor zu stellen, andererseits um sich ungezwungen zu treffen und jenseits des üblichen Termindrucks zu plaudern. Dementsprechend ist es ein Leichtes die Podiumsdiskussionen und Seminare mit Persönlichkeiten zu besetzen, die man sonst nicht auf einem Fleck zusammen kommen sieht. So fanden den ganzen Tag bis am späten Nachmittag verschiedenste sehr interessante Panels statt. Dieses Jahr stand das Waves Vienna unter dem Titel „East meets West“, das sich nicht nur in den teilnehmenden Bands, sondern auch in den Panels niederschlug. Besonders Vertreter der Musikszenen von Italien und Tschechien wurden dieses Jahr eingeladen, um im Gespräch die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der jeweiligen Szenen herauszuarbeiten.

Mit dem Nachmittag begannen wieder die Präsentationen der eingeladenen nationalen Verbände, so waren am späteren der Slovenische Kulturverband und gleich dannach der Verband für Popkultur in Bayern e.V., der die Sängerin Soia mit Band vorstellte, an der Reihe. Mein persönliches Festivalprogramm bestand für diesen Abend aus den Klangwolken des deutschen Projekts Lilly among Clouds und der Electronic Indie Perfomance der australischen Musikerin E^ST. Einen wieder exzentrischen Kontapunkt zu den vorangegangene Acts bietete dann als Abschluss Das Lusentrio, das eine humorvolle Mischung aus Rock, Lyrik und Ironie mit ihrer Show bot.

Samstag: Das Finale

Am Samstag, dem 30. September 2017 stand für alle Delegierten der Waves Conference die Austrian Heartbeats Tour auf dem Programm. Die Teilnehmer wurden in einen Bus gepackt und zu vier Stationen in Wien geführt. Erster Halt war das tschechische Kulturzentrum in der Herrengasse, in dessen Räumlichkeiten die tschechische Künstlerin Never Sol die Delegierten unterhielt. Dann hieß es: Meet the French! LE BUREAU EXPORT präsentierte das Songwriterprojekt AM STRAM GRAM, dessen Name sich von einem französischen Kinder-Auszählreim herleitet.

Als das französische Frühstück beendet war, ging es im Bus zum Wien Museum, wo die derzeitige Sonderausstellung über die Popmusikszene in Wien zu besuchen war, im Wintergarten des Museums performten NIHILS, die als erste österreichische Band durch das „European Talent Exchange Program“ (ETEP) auf das Eurosonic Noorderslag 2018 eingeladen wurden. Als letzte Station war ein Besuch im ORF Funkhaus eingeplant, wo man dem Livekonzert von J. Bernardt (BE) im FM4-Studio beiwohnen konnte. Stolz über die neuesten Radiostudios ließ es FM4 sich nicht nehmen, interessierte Delegierte auf eine Studiotour mitzunehmen.

Wieder im WUK angekommen, ging es mit einigen Panels weiter, während die ersten Abendveranstaltungen auf den 13 Bühnen begannen. Mein persönliches Konzertprogramm bestand aus At Pavillon (AT), die auf der Open Air Bühne für den Gewinn des XA-Export Award spielten. Nach der energiegeladenen Performance hätte sich die Band den Award durchaus verdient, doch war die Jury nicht meiner Meinung. Nach At Pavillon war es Zeit für ein wenig Garage Rock mit Chackamuck (DE). Einen weiteren starken Eindruck machte die österreichische Sängerin und Performancekünstlerin Lulu Schmidt, die sich nicht nur am Mikro, dem Synth und der Geige virtuos zeigte, sondern auch mit einer spannenden Körperlichtshow von sich reden machte. Einen wieder etwas extravaganten Schlusspunkt setzten die Australier von Client Liaison. So manchen Besucher erinnerte die Band an Modern Talking in den besten Jahren. Grelles achtziger Outfit, greller, tanzbarer Popsound, dazu eine absolut perfekt inszenierte Show – so kam diese Band daher und versetzte die gesamte Halle in ein Retro-Tanzfieber. Mein Festivalprogramm endete somit, wie es begann, etwas exotisch und skurril.
Zum Schluss stellte sich nur mehr die Frage, welche der zehn nominierten österreichischen Bands den XA-Export Award gewinnen konnte. Die Wahl der Jury fiel auf das Wiener Indie-Duo Cari Cari. Mit diesem Schlusspunkt gingen drei musikalisch ereignisreiche Tage zu Ende. Teilnehmer und Team des Waves Vienna 2017 trafen sich zur Aftershow Party im Isaac’s, wo bis in die frühen Morgenstunden der Erfolg des Festivals gefeiert und betanzt wurde.

Fazit

Dem Organisationsteam ist zu diesem großartigen Alternative-Spektakel zu gratulieren, das WUK war ein gut gewählter Platz, um ein Event dieser Größenordnung in einem möglichst gemütlichen, praktikablen und gleichzeitig familären Rahmen abzuhalten. Es war ein Stelldichein der internationalen Indie-Szene in Wien und wer bis jetzt noch nicht einer/eine der diesjährig 13.000 Besucher war, sollte dies für das nächste Jahr unbedingt einplanen.

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