Ein kulturelles Fest - Das war das Sziget 2017
Line-Up
Sound
Abwechslung
Organisation
4.0STERNE

Das Sziget wurde in der 25. Auflage seinem Ruf als Festival der Superlativen gerecht und bestach durch ein außergewöhnliches Rahmenprogramm.

Sengende Hitze hatte Budapest eine ganze Woche im Griff. Die BesucherInnen waren vorbereitet und bis an die Zähne mit Wasserflaschen sowie Sonnencreme bewaffnet. Mit jedem Meter, den man dem Eingang näher kam, vervielfachte sich die Laune der überwiegend jungen Menschen. Bunte Verkleidungen, bemalte Gesichter und ausgefallene Hüte vermischten sich in der Ferne zu einem Pollock’schem Action Painting. Typen mit Ganzkörpersonnenbrand liefen in die nächste Tankstelle, um sich noch eine Ration Wein zu sichern, bevor es auf das Gelände ging. Dort herrschte übrigens ein strenges Verbot für mitgebrachte, alkoholische Getränke.

Über 100 Nationen waren am Sziget vertreten. (c)Michael Köppel

Nun ging es darum, die verschiedenen Checkpoints hinter sich zu lassen. Die Bandausgabe verlief ebenso zügig wie problemlos und so konnte man sich endlich auf den Weg zur Insel mitten in der Donau begeben. Dort überquerte man noch eine alte Eisenbahnbrücke, die mit Sprinkleranlagen ausgestattet war und schon war man bei der letzten Kontrolle. Und die zog sich ewig hin, denn George Orwell ließ grüßen. Extrem genaue Rucksackkontrollen, Metalldetektoren und unfreundliches Personal begrüßen einen auf der “Island Of Freedom“. Es ist verständlich, dass in der heutigen Zeit Sicherheitskontrollen wichtig sind – besonders bei solchen Menschenmassen. Trotzdem schiebt man den Deckmantel der Terrorgefahr immer vor die Gewinnmaximierung. Alkoholische Getränke konnte man legal am Gelände kaufen. Alle anderen Drogen illegal vor den Bühnen.

Ein großer Zirkus mit tiefen Problemen

Dann war es endlich soweit und das riesige Gelände stand einem offen. Reizüberflutung par excellence wurde geboten und man wusste nicht, wohin man seinen Kopf als erstes wenden sollte. Es gab über 50 Bühnen für Musik aller Art. Von Weltmusik über Minimal Techno, von Art-Rock über EDM zu Indie-Pop. Für jeden Geschmack wurden Türen geöffnet und mit einer offenen Grundhaltung konnte man leicht neue Musik für sich entdecken. Dazu kamen Zelte, in denen Workshops angeboten wurden oder man sich massieren lassen konnte. Ballettvorstellungen konnten ebenso wie verschiedene Zirkusse überzeugen. Besonders konnte hier die Künstlervereinigung LATALAYA hervorstechen. Sie boten Akrobatik in zehn Metern Höhe mit eigens dazu gespielter Live-Musik.

Kasabian waren der Höhepunkt des Festivals. (c)Rockstar Photographers

Die Mainstage überraschte mit einer Größe, die selbst für europäische Verhältnisse überwältigend war. Egal, wo man stand, man hatte das Geschehen dank fünf Videowänden immer voll im Blick. Ein großes Problem war jedoch die Lautstärke. Viele Bands und KünstlerInnen waren ziemlich schlecht abgemischt und der Bass dröhnte über alles. Besonders ist es zum Beispiel bei dem sonst überragenden Auftritt von The Kills aufgefallen, auch wenn diese Band von den Tiefen lebt. Es kann nicht sein, dass bei einem Festival dieser Größenordnung der Bass derart dröhnend über der Menge liegt, vom Schlagzeug nur noch die Snare zu hören ist und die Stimme total untergeht. Das war auch bei anderen Acts auf dieser Bühne so und die zweite, kleinere OTP-Stage hatte die selben Probleme, nur etwas abgeschwächter.

Überraschungen an jeder Ecke

Mac DeMarco – Ein seltener Gast in Europa. (c)Michael Köppel

Dennoch war das musikalische Line-Up gut gewählt. Besonders Kasabian brachten das Publikum mit ihrem Set zum Beben. Mit einem Best-Of ihrer Bandgeschichte hinterließen sie bei den tanzenden Leuten einige blaue Flecken. Alt-J gab sich sphärisch schön und wussten mit ihren außergewöhnlichen Sounds umzugehen, während PJ Harvey ihre Lieder mit maskuliner Schönheit über die Insel schmetterte. Abseits der großen Bühnen gingen auch österreichische Formationen an den Start. Das Innsbrucker Trio Mother’s Cake eröffnete am vorletzten Tag die Europe Stage, während Leyya sie am letzten Tag schlossen. Man konnte seinen musikalischen Horizont auch mit Weltmusik erweitern. Es gab eine eigene World Stage, auf der man zum Beispiel neu interpretierte, russische Volksmusik, oder jüdischen Klezmer bestaunen konnte.

Fazit

Das Sziget war ein sehr besonderes Festival. Sieben Tage reichen kaum, um alles auf der Insel zu sehen. Die beinahe 500.000 Besucher feierten eine riesige Party – waren freundlich und zuvorkommend, was man leider nicht von allen MitarbeiterInnen am Gelände behaupten konnte. Die Veranstaltung war extrem gut organisiert. Das merkte man übrigens besonders bei den sanitären Anlagen, die durch die Bank jederzeit sauber waren. Das Line-Up war überaus abwechslungsreich, obwohl es besonders bei den großen Bühnen eklatante Soundprobleme gegeben hat. Insgesamt war das Sziget aber ein kulturelles und visuelles Erlebnis.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.