…zum Snowbombing Festival in Mayrhofen.

Durchwachsene fünf Stunden Autofahrt sollten mich am Weg nach Mayrhofen, zum hierzulande eher wenig bekannten Snowbombing Festival begleiten. Durch Regen, Schnee, Sturm und strahlende Sonne gekämpft, landete ich in diesem kleinen Wintersportort, der sich die nächsten Tage zum El Dorado sämtlicher Sport- und Musikbegeisterten verwandeln wird.

Mayrhofen

Mayrhofen

Kaum angekommen begrüßte mich ein Völkerwanderungs-ähnlicher Zustand – das ist normal für ein Skigebiet – allerdings nicht in dieser Woche, denn einmal im Jahr wird Mayrhofen zum Mittelpunkt elektronischer Musik, zu einer Art „kleinem London“, zur Zufluchtsstätte, Urlaubsort und Partylocation von rund 5000 Briten (und einigen Einheimischen). Nicht nur die hauptsächlich Englische Sprache, sondern vor allem das „Gehen auf der falschen Seite“ identifiziert das Inselvölkchen – vom restlichen Habitus abgesehen.
Bist du JETZT in Mayrhofen, BIST DU aus dem Land der Queen Mother.

Blick auf den Penkenberg

Blick auf den Penkenberg

Organisation, Wristband, Cashless is (not) Cashless

Was die OrganisatorInnen in Österreich (noch) nicht geschafft haben, setzen die Damen und Herren von SBH Events Ltd schon seit immerhin 16 Jahren durch: Ein Festival in einem anderen Land (als dem Heimatland), ein Festival in einem Ort in dem jede/r in einem Hotel einquartiert ist mit eigener Dusche/WC und natürlich einem kuscheligen Bett – gleichzeitig nimmt man an einem fünftätigen Halli-Galli teil, dass sich nicht nur auf die Veranstaltungen am Abend beschränkt.

Here you have the option to:

go skiing/boarding
do tours
party in snow/on ice
party in a pool
party in several clubs
party in the forest
party on the street

Was hier aufgestellt wird, davon kann jede/r FestivalbesucherIn nur träumen. Keine Frage – dieser Luxus hat natürlich seinen Preis. Was jedenfalls dazugehört ist das sogenannte „wristband“ mit Chip – you know – wie die Armbänder, die man in Thermen bekommt. Darüber laufen nahezu alle deine Finanzen fürs Snowbombing.
Durch simples Registrieren und Aufladen deines Chip-Bandes ist dir dein Aufenthalt gesichert… Das stimmt aber nicht so ganz, denn nicht alle der diversen Locations nutzen diesen sogenannten Cashless-Service, manche, z.B. die „Arena“ akzeptieren ausschließlich Barzahlung. Dumm gelaufen, wie manche kurz nach Betreten des Clubs feststellen mussten.

Das obligatorische Wristband mit Chip

Das obligatorische Snowbombing-Wristband mit Chip

Via eigens kreierter Festivalapp, hat man nicht nur Zugriff zum Wristband-Account, sondern auch auf den Timetable, die Locations und sonstige lebensnotwendige Informationen wie Office-Zeiten, Alkohol- und Drogenkonsum in Österreich, Notrufnummern etc.
Weiters kann man sich seinen eigenen Timetable zusammenstellen, in dem man seine Lieblings-Artists pro Tag tagged. Die App ist auch mit deren Kurzbiografien bestückt. Sie gibt aktuelle Informationen was wo gerade stattfindet und setzt dich über aktuelle Specials in Kenntnis. Natürlich gibt es aber auch ein App-Manco: Hat man ein etwas älteres Smartphone, muss man sich schon sehr gedulden.

Locations 2/?

Bis jetzt habe ich noch nicht herausgefunden wieviele Veranstaltungsorte es wirklich gibt. Deswegen beschränke ich mich zur Zeit auf die bereits erforschten: Die Arena und den Racket Club.

Die Arena liegt im Zentrum des Ortes und ist eine Kellerbar. Beim Betreten taucht man in einen mit blauem Licht durchfluteten Raum, dessen Mittelpunkt die Tanzfläche mit davorliegendem DJ-Pult bildet. An den beiden Seiten ist das Niveau erhöht, dort befindetn sich die drei Bars. Zahlreiche Sitzmöglichkeiten vom Sofa bis zu Barhockern sind im Raum verstreut. Ein abgetrennter, verglaster Raucherbereich ist seitlich des DJ-Pults. Die Toiletten sowie der Garderobenbereich befinden sich am Weg in die Bar.

Als ich kurz vor 23:00 Uhr das Lokal (welches zu dieser Zeit erst öffnete) mit einer kleinen Menge von ca. 40 Personen betrat, war ich vor allem von dem Bewegungsdrang der Snowbomber überrascht. Kaum wurde an der Bar das erste Getränk gecheckt, begaben sie sich auf den Dancefloor – in einem noch fast leeren Lokal. Ein Umstand, der mir aus unserer Fortgehkultur eher fremd ist. Eine knappe Stunde später war die Arena bereits gut gefüllt. Hauptattraktion des Abends sollte ShyFX sein, der sein Set um ca. 3:00 Uhr angesetzt hatte. Jetzt hätte ich auch fast das Wichtigste vergessen! Der Sound war unfassbar – unfassbar gut und top abgestimmt auf die Räumlickeiten.

Barbereich

Barbereich @ The Arena

Breakage @ Arena

Breakage @ The Arena

The Arena

@ The Arena

The Arena

@ The Arena

Der Racket Club hingegen erinnert an die Grazer Stadthalle: eine große Halle, die Bars mittig oder seitlich angeordnet, die Bühne an vorderster Front. The Racket Club hat seinen Namen nicht irgendwo her, denn es ist ein zum Club umorganisiertes Tennis-Center (engl. „racket“ = dt. „Schläger“).
Hier fanden sich um 00:30 Uhr knapp 2000 Fans zum Set von Dubfire und Carl Cox ein. Im Gegensatz zur Arena, wo die Wristbands vom Snowbombing-Personal erfasst werden, geht man im Racket-Club durch elektronische Schleusen, an denen man aufgefordert wird, den Chip an eine Stelle zu halten um seinen/ihren Eintritt zu vermerken. (So funktioniert übrigens auch die Zählung der BesucherInnen, denn jeder Club hat nur ein (klarerweise) begrenztes Fassungsvermögen.) Nachdem man die Schleuse hinter sich hat findet eine zusätzliche Personen- und Taschenkontrolle statt, wobei ich – ganz zu meiner Freude – meine volle Wasserflasche sogar behalten durfte.

Carl Cox @ Snowbombing Festival

Carl Cox @ Snowbombing Festival

Finally…

Nach Stunden des Mich-bedröhnen-lassens, machte ich mich auf den Weg zurück in meine Unterkunft. Zahlreiche Snowbombing-Schilder erleichterten mir die Orientierung im Ort. Heute wartet die Street Party auf mich. Das Motto lautet „Mad Hatterns Tea Party“ – wer’s nicht weiß: das ist der Hutmacher aus Alice im Wunderland. Die Street Party zählt zu den Snowbombing Highlights und findet nur einmal in dieser Woche statt. Sie ruft zum Verkleiden auf, dieses Jahr soll es also mindestens ein Hut sein. Ich bin gespannt was mich erwartet, denn bis jetzt habe ich von Haien über Bananen bis hin zum klassischen Tigerkostüm schon einiges herumlaufen gesehen.

Fotocredit: Julia Pirkenau

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