Frequency 2016 - gut, aber nicht besonders
Venue
Line-Up
Organisation
Atmosphäre
3.3STERNE

Vom 17. bis zum 20. August 2016 fand das diesjährige FM4 Frequency Festival statt und brachte kleine Veränderungen, sowie ein buntdurchgemischtes Line-Up mit sich.

An circa 120.000 Besucher durfte sich der alteingesessene österreichische Festival-Riese, der seit 2009 in St. Pölten stattfindet, erfreuen. Das Gelände, das 2014 noch 200.000 Besucher fasste, wurde aufgrund des geringeren Besucheransturms minimiert: Jahrelang mussten die Caravan-Besucher mit Bussen zu den Bühnen pendeln. Dieses Jahr waren sie auf der ehemaligen Camping-Fläche auf der rechten Seite der Traisen angesiedelt, was Sorge um genügend Platzangebot verursachte. Aber nicht nur seitens des Camping-Platz gab es Veränderungen: Das unermüdliche Green-Team war im Vergleich zum Jahr 2015 täglich unterwegs und entsorgte den Müll – dies wurde besonders am letzten Tag auffällig; Cashless-Karten ersetzten zum ersten Mal Bargeld und Securities arbeiteten mit Metalldetektoren.

Anreise-, Warm-Up-Tag oder auch Prequency

Das FM4 Frequency Festival bot auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit, bereits am Dienstag, dem 16. August 2016 anzureisen. Trotz des vorgezogenen Anreisetags, dem im Vergleich zu den letzten Jahren etwas kleinerem Gelände und der drückenden Hitze, die untypisch für das FM4 Frequency Festival ist, war es keine Herausforderung am Mittwoch Zeltplätze nahe der Bühnen, zu finden. Viel problematischer war es, auch nach jahrelanger Festival-Erfahrung, Pavillons aufzubauen. Nachdem die Hitze nachgelassen hatte, die Pavillons und Zelte standen, Cashless-Karten besorgt wurden und Bekanntschaft mit den Nachbarn geschlossen wurde, war es auch schon Zeit, den Warm-Up-Day, der im Vergleich zum Jahre 2014 kostenlos war, auszunützen. Der Warm-Up-Day bezog sich lediglich auf den UAF Floor und startete um 21:30 Uhr. Mit elektronischen Beats und künstlerischen Licht-Shows von Dumme Jungs, Tiga, Aphrodite und Illskillz konnte sich das Publikum eintanzen und auf die kommenden drei Tage vorbereiteten. Vorfreude auf den eigentlichen Start des Festivals war vorprogrammiert.

Tag 1 – Donnerstag

Nachdem die Nacht der elektronischen Beats verstrichen war, startete auch schon der eigentliche erste Tag. Während Besucher gegen ihren Kater, an einem neuen Rausch oder an beidem arbeiteten, trieb die Wiener Band Turbobier bereits ihr Unwesen am Camping-Platz und folgte einem Ziel: Das Bekanntmachen der „Bieristischen Glaubensgemeinschaft“ – aus dem Teufelswasser Radler werde Bier, ein Trichterbierfass diente als Altar.
Nachdem Turbobier für Aufregung, zahlreiche Biere und hitzebedingte Schweißausbrüche sorgten, brachten OK Kid wieder Klarheit und Abkühlung. OK Kid, die die letzten Jahre noch von Songs wie „Kaffee warm“ oder „Stadt ohne Meer“ profitierten, sind mittlerweile musiktechnisch auch erwachsen geworden, was sich besonders an Songs wie „Gute Menschen“ und „Bombay Calling“ bemerkbar machte: Ernsthafte, gesellschaftskritische Texte, die sich mit Problemen der Gegenwart beschäftigen. Getunte Beats lieferten das gewisse Etwas und verstärkten die Aussagekraft der Song sowie die Standhaftigkeit der Band bezüglich ihrer politischen als auch sozialkritischen Einstellung.

Raffael Kühle von OK Kid (c) Clarissa Berner

Die kräfteraubende Hitze hatte nachgelassen. Im Sonnenuntergang wurde es Zeit für die eigentlichen Headliner: Bilderbuch und Deichkind. Aufregung und Vorfreude treffen den einsetzenden Gefühlszustand am besten. Aufregung deshalb, weil die Jungs von Bilderbuch letztes Jahr ihre Fans wissen ließen, dass sie 2016 nur auf Festivals spielen (ergo: nicht auf Tour gehen werden) und die Band „in dieser Konstellation“ nicht mehr auftreten wird. Leider mündete die Euphorie schnell in Routine, denn obwohl Bilderbuch musikalisch einwandfrei performten, blieb die Show mit all jenen der letzten zwei Jahre ident. Eine Weiterentwicklung war schlichtweg nicht zu erkennen.

Deichkind (c) Clarissa Berner

Deichkind (c) Clarissa Berner

Deichkind, der letzte Act, der donnerstags auf der Space Stage gastierte, trieb die Menschenmenge mit ihrer altbewährten, verrückten Show wieder in Ekstase: Bunte LED-Lichtspiele, abstrakte Verkleidungen und „Krawall und Remmidemmi“. Deichkind funktioniert immer – als Abschluss des Day-Parks oder als Warm-Up für den Night-Park.
Ein Highlight des Night-Parks war unter anderem der Berliner DJ Frans Zimmer, besser bekannt unter dem Namen Alle Farben. Songs wie „Please Tell Rosie“ oder „She Moves“ geben ein gutes Resümee über Zimmers Schaffenswerk: ruhigere elektronische Musik mit gesanglicher Begleitung. Live hingegen verzauberte Alle Farben mit einem vergleichsweise hartem Set, das mit harten Beats, wie man sie von der Berliner-Elektro-Szene kennt, erstaunte.

Tag 2 – Freitag

Chefboss bildeten mit ihrem ersten Österreich-Konzert den Opener der Green Stage und überraschten mit einer perfekt abgestimmten Choreografie zwischen Tänzern und motivierenden Beats. Während der Großteil des Publikums wegen der Affenhitze nach einem schattigen Plätzchen suchte, war eine doch recht große Menschenmenge vor der Bühne anzutreffen. Nach der Hälfte des Konzerts wurden Handtücher verteilt und T-Shirts frei nach dem Motto „Wenn’s jeder macht, ist es nicht peinlich“ ausgezogen, die während Refrains neben wilden Herumgehüpfe im Takt der Beats geschwungen wurden.
Schon während Chefboss durften Turbobier-Fan-Gesänge wahrgenommen werden. Worauf einige schon gewartet haben, wurde nach einer Stunde zur Realität: Das donnerstags bereits angekündigte Turbobier-Konzert. Bier, Arbeitslosigkeit, die Bierpartei, Bier, Fußball, die bieristische Glaubensgemeinschaft und Bier – Themen, die Turbobier in erdigem Wiener-Deutsch-Punk abgehandelt haben. Für Überraschung sorgte der schon donnerstags im Einsatz gewesene heilige Trichterbierfass-Altar, mit dem die ersten Reihen redlich mit Bier versorgt wurden.
Frequency wäre nicht Frequency, wenn es nicht eine Vielfalt an Musik-Genres anbieten würde, so gastierte der Rapper Dame, der durch Computerspiel-Rap-Songs auf YouTube bekannt wurde, im Betonkasten auf der Weekender-Stage. Seine treuen bzw. pünktlichen Fans wurden belohnt, denn sein bekanntester Song „12 Millionen“ wurde in den ersten zehn Minuten gespielt.
Das eigentliche Highlight stellten jedoch The Last Shadow Puppets, mit dem Alex Taylor, dem Sänger der britischen Band Arctic Monkeys dar. Dieser englisch-alternative, einzigartige Indie-Style erinnert an heiße Sommernächte und Freiheit und kommt dem Schaffen der Ikone Pete Doherty fast gleich. Der einzige Unterschied: Die Briten standen auf der Bühne, nicht wie Pete, der bekannt dafür ist, Konzerte abzusagen.
Mit Parov Stelar als Main-Act konnte sich das FM4-Frequency-Team nicht übertreffen. Interessant war, dass das Hirn der Combo, der DJ Marcus Füreder selten im Bild war und der Fokus auf die Band, die seine Lieder nachspielten, gelegt wurde. In anderen Worten: Der DJ hielt sich dezent im Hintergrund, die Band davor, gefolgt von einer unüberschaubaren tanzenden Menge. Also viel swing, swing, pam, pam.

Tag 3 – Samstag

Auch der dritte Tag hatte es in sich. 257ers, The Kills, Bloc Party, WIZO und Die Antwoord standen auf dem Menüplan. Gegen 15:00 Uhr starteten 257ers bei abermals gleißender Sonne. 2016 gaben die 257ers bekannt, ohne Mitstreiter Keule und so nur noch als Duo aufzutreten. Das machte sich trotz aller Mühe bei dem Bühnenbild und den Remixes für das Partyvolk bemerkbar. Besonders bei Songs wie „Auseinanda“ konnte herausgehört werden, dass Keule ein essentieller Teil der Rap-Combo war. Der Refrain gipfelte in ungewollter Komik, er brachte die Fans eher zum Lachen und hörte sich wie das Herumgesinge zweier überhopfter Kiddies an. Dennoch hätten die 257ers einen späteren Spielplatz verdient, denn für einen Nachtmittags-Act waren überdurchschnittlich viele Leute vor Ort.
Neben Die Antwoord, wurden auch The Kills und Bloc Party, die auf der Space Stage ihr Unwesen trieben, sehr stark gehypt. Das Duo The Kills, bestehend aus Alison Mosshart und Jamie Hince gaben dem Frequency wieder seinen Indie-Touch und boten die Möglichkeit das eigentliche Festval-Flair zu spüren und zu genießen. Auch Bloc Party trugen dazu bei und verstärkten dies sogar durch Gemeinsamkeiten mit Bands wie Joy Division, Editors oder auch White Lies.

The Kills (c) Clarissa Berner

The Kills (c) Clarissa Berner

Auf der Green Stage gastierte zur selben Zeit die Deutsch-Punk-Gruppe WIZO, die mit einer klaren Message überzeugen konnten: St. Pölten ganz klar gegen Nazis. Ein weiterer Teil der Show war das neue Album „Der“, was noch ausgiebig während der kommenden Österreich-Tour vorgestellt werden wird. WIZO waren eine der wenigen Bands, die sehr stark auf den Publikumskontakt fixiert waren und dadurch ein durchsichtiges Band zwischen Publikum und ihnen kreierten und die anströmenden Besucher wie magisch anzogen.
Nachdem Limp Bizkit den eher härteren Part lieferten, hatte alles Warten auf den eigentlichen Publikumsreißer Die Antwoord sein Ende. Wenn es ein Wort gibt, dass das Konzert zusammenfasst, dann ist das wohl „skurril“. Einerseits, weil Die Antwoord ein musikalisches Mysterium sind. Alle nur erdenklichen elektronischen Elemente zusammengewürfelt, verfeinert mit amerikanischen Rap und Yolandis untypischen Stimme. Andererseits, weil die Bühnenshow, die, wie auch die Band, ein Kunstprojekt ist, mehr Eindrücke bot, als ein menschliches Auge je wahrnehmen kann.

Kritik und Fazit

So, wie am Nova Rock wurde auch am FM4 Frequency erstmals das Cashless-System angewendet. Längere Schlangen vor den Cashless-Points wirkten erschöpfend, der Überblick über die Abbuchungen und dem aktuellen Kontostand fehlten, sie wurden meistens nur gegen Nachfrage bekanntgeben. Dennoch sollte erwähnt werden, dass dieses System noch in seinen Kinderschuhen steckt und nächstes Jahr bestimmt besser über die Bühnen gehen wird.
Weder ein neues, noch ein überraschendes Problem, aber die Securitys waren schlecht bis gar nicht informiert. Auf die Frage, wo sich der Night-Park befindet, blieb es stumm.
Als Besucher des FM4 Frequency Festivals muss man sich über eines klar sein: Man besucht zwei Festivals auf einen Schlag – der Day- und der Night-Park – auch wenn der letztgenannte zumeist nur als Ausgleich dient und Hauptaugenmerk auf den Day-Park gelegt wird. Die Tatsache, dass das Frequency das größte Festival Österreichs ist und die Möglichkeit bietet, von Mittag bis in die frühen Morgenstunden zu feiern, bringt auch mit sich, dass man bereits am zweiten Tag mit diversen Zuständen, ausgelöst durch fehlende Energie, zu kämpfen hat.
Dadurch, dass es das Frequency schon sehr lange gibt, werden auch über die Jahre Veränderungen bemerkbar. Positiv ist durchaus, dass die Caravan-Camper endlich näher an die eigentliche Location platziert wurden. Das dadurch kleinere Gelände wirkte zwar nicht überschaubarer, hat aber dennoch platztechnisch ausgereicht. Ein großes Lob muss auch an das Green-Team, das tagtäglich dabei half, den Müll zu entfernen, ausgesprochen werden. Für ein Festival war beachtlich wenig Müll zu sehen.
Dennoch sollte man sich über eines klar werden: Obwohl das FM4 Frequency Festival mit der Zeit mitgeht, ist es leider nicht mehr das, was es einmal war. Den Ruf des kleinen Indie-Bruders des Nova Rocks, hat es schon lange verloren und ein wahrer Publikumsreißer war im Line-Up auch nicht wirklich vorhanden.

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