Impericon Festival Wien 2016
Location
Bands
Stimmung
Sound
4.0Sterne

Mittlerweile kann man es nicht mehr leugnen: Die Festivalsaison 2016 hat endlich Einzug gehalten. Eine der ersten Veranstaltungen der Saison, bei der richtiges Festivalfeeling aufkommt, ist das Impericon Festival Wien. Am vergangenen Freitag ging das hauseigene Festival des beliebten Merchandise-Shops bereits zum vierten Mal in unserer Bundeshauptstadt über die Bühne und konnte wieder hunderte Fans anlocken.

Auch in diesem Jahr mischten sich wieder Neuaufsteiger und alteingesessene Szenegrößen in die Billings der Festivals, die sich Stadt für Stadt unterschieden. Das Festival in Wien, das heuer zum nunmehr dritten Mal infolge ausverkauft war, war bereits die vorletzte Ausgabe für 2016, denn am darauffolgenden Samstag wurde in München auch schon wieder zum letzten Mal zum Mosh gebeten.

Breakdowns, Pits und Violent Dancing

Aufgrund einiger Umstände schaffte ich es leider erst gegen 16:45 Uhr beim Auftritt von Chelsea Grin in die Halle und hatte so bereits ganze drei Bands verpasst. Da das Festival schon seit fast drei Stunden in vollem Gange war, machte sich langsam aber sicher eine beträchtliche Wärme in der Halle bemerkbar. Kein Wunder, immerhin war der Pit auch bei Chelsea Grin, die eine gehörige Ladung Deathcore auf die Arena abfeuerten, am Toben. Das Quintett aus Utah hatte nicht nur einige Breakdowns in petto, sondern für alle Fans, die schon immer in den Live-Genuss von „My Damnation“ kommen wollten, ein Zuckerl parat. Diesen Song spielen sie auf ihrer aktuellen Tour erstmals außerhalb der USA live und konnten so vor der nächsten Umbaupause noch einige Extrapunkte einheimsen.

Blessthefall im Anschluss hatten zwischen den an diesem Tag allgegenwärtigen Breakdowns noch genug Platz für Melodie, kamen live allerdings dennoch erstaunlich hart rüber. Mit Songs wie „Hollow Bodies“ und dem viel umjubelten „Walk On Water“ wurde der Pit weiter am Leben gehalten. Bei so viel Bewegung war eine Abkühlung zwischendurch nicht verkehrt und so kam es gerade recht, dass Sänger Beau Bokan die vorderen Reihen nicht nur mit Nähe, sondern auch mit Wasserflaschen beglückte, die er über sie ergoss.

Für den Slot um 18:05 Uhr hatte das Impericon-Team etwas ganz Besonderes vorbereitet: die Deathcore-Urgesteine Despised Icon feierten auch hierzulande eine Reunion-Show. Ursprünglich hatte sich die Band nur für eine Handvoll Konzerte wieder zusammengefunden. Vor einigen Wochen wurde allerdings bekannt, dass noch in diesem Jahr ein neues Album die endgültige Wiederkehr besiegeln soll. Ensprechend voll war da natürlich die Arena und entsprechend motiviert die anwesenden Fans, die merklich bestens aufgewärmt waren. Übereifrige Violent Dancer und sprunghafte Ausgelassenheit waren hier keine Seltenheit, während Songs wie „Day Of Mourning“ oder „Retina“ – zusammen mit einem Stakkato-Blitzlichtgewitter und permanenter Penetration der Double Bass – auf die Meute losgefeuert wurden. Long story short: Despised Icon spielten ihre Show, als wären sie nie weg gewesen und dürften ihre Fangemeinde definitiv neugierig auf ihr neues Album „Beast“ gemacht haben.

Bei Bury Tomorrow, die als Nächstes in den Startlöchern standen, ging es da vergleichsweise fast schon ruhig zu. Das britische Quintett schaffte es aber dennoch, die Halle zu füllen und mit der Songauswahl, die sich ganz klar auf das Anfang des Jahres erschienene Album „Earthbound“ fokussierte, für gute Stimmung zu sorgen. Ohne ein wenig kollektive Bewegung kam man aber natürlich auch hier nicht aus und so ließ man sich zumindest beim letzten Song zu einem anständigen Pit hinreißen.

Das letzte Drittel

Die Stagetime der nächsten Band hatte mich im Vorfeld bereits leicht überrascht. Northlane so weit oben im Line Up vorzufinden, hätte ich tatsächlich nicht erwartet. Zum ersten Mal gesehen hatte ich sie vor etwa zwei Jahren, wo sie gerade den Status „aufsteigender Stern am Metalcore-Himmel“ innehatten. Einige Touren später dürften sie sich aber mittlerweile zu einer der Fixgrößen der Szene gemausert haben. Das merkte man auch am Andrang am Impericon Festival Wien, denn wer zu spät kam, hatte kaum bis keine Chancen mehr, noch einen guten Platz zu ergattern. Mit Songs wie dem Opener „Disposession“, „Rot“ und natürlich ihrem Hit „Quantum Flux“ brachten sie die Arena ordentlich zum Bouncen. Einzig der Sound schien mir nicht ganz optimal abgemischt, zumindest kam es mir oftmals so vor, als würde Frontmann Marcus Bridge von der Lautstärke her etwas untergehen.

Den Andrang konnten dann nur mehr die Co-Headliner Emmure toppen, die die Bühne um kurz vor 21:00 Uhr in Beschlag nahmen. Nachdem alle Bandmitglieder – bis auf Frontmann Frankie Palmeri – der Band vor einigen Monaten den Rücken kehrten, stand eine Frage ganz besonders im Fokus: Werden Emmure nochmal die Kurve kriegen oder muss man den Rettungsversuch als gescheitert betrachten? Emmure – das sind derzeit Frankie Palmeri und Glass Cloud. Obwohl diese Kombo erst seit kurzer Zeit besteht, wirkte die Band auf der Bühne bereits perfekt eingespielt und konnte die Massen von sich überzeugen. Zwar ließ der Andrang Pits & Co kaum zu, dafür wurde zu Songs wie „Drug Dealer Friend“, „Most Hated“ oder „When Keeping It Real Goes Wrong“ ordentlich gebounced.

Mittlerweile waren über acht Stunden vergangen, seit sich die Tore für das diesjährige Impericon Festival Wien geöffnet hatten und es wurde Zeit für die letzte Band des Tages. Um 22:00 Uhr kam der langersehnte Headliner Hatebreed auf die Bühne und fuhr zu später Stunde nochmal schwere Geschütze auf. Mit dem Opener „Destroy Everything“ wurde keine Zeit verloren, der Name war – wie sollte es auch anderes sein – vernichtendes Programm. Hatebreed wissen einfach, wie man das Publikum zum Toben bringt und dieses zog begeistert mit. Die letzten Energiereserven des Tages wurden mobilisiert, was auch notwendig war, da die Band gar nicht erst Zeit für Aufwärmphasen oder gar Verschnaufpausen ließ. Das Publikum fraß Fronter Jamey Jasta erwartungsgemäß aus der Hand und prügelte und moshte sich begeistert durch Hits wie „Live For This“, „To The Treshold“ oder „Doomsayer“. Natürlich wurden aber auch neuere Songs á la „Honor Never Dies“ nicht vernachlässigt und die Werbetrommel für das am kommenden Freitag erscheinende Album „The Concrete Confessional“ wurde ordentlich gerührt. Egal, ob es ein Song aus 2016 oder 1997 war – die Lyrics saßen im Publikumsbereich ebenso perfekt und wurden der Band, die sich sichtlich über so viel Energie freute, nur so entgegengebrüllt. Mit permanent durchgedrücktem Gaspedal ging es dann aber schon langsam aber sicher dem fulminanten Ende zu, das natürlich standesgemäß mit den Übersongs „In Ashes They Shall Reap“ und „I Will Be Heard“ beschlossen wurde.

Fazit

Etwa neun Stunden Laufzeit, 2.000 Besucher und eine Breakdownparty mit permanenter Moshpit-Action – das war das Impericon Festival Wien 2016. Eines von vielen Festivals, die Impericon wieder auf die Beine gestellt hat und mit neun Standorten in sechs verschiedenen Ländern auch in dieser Festivalsaison weiter gewachsen ist. Schmerzende Nacken, blaue Flecken und die ein oder andere Schramme werden alle glücklichen Besucher noch für einige Tage an eine weitere erfolgreiche Auflage der Impericon Festivals erinnern.

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