„Und am Ende der Straße steht ein Haus am See“, das so einige Probleme bereitete…

Vergangenes Wochenende befanden wir uns am wortwörtlich heißesten Ort Österreichs, Obergrafendorf am Ebersdorfer See nähe St. Pölten – der mit rund 37,3 Grad Celsius nicht nur die Zelte in Schwitzhütten verwandelte, sondern auch die Festivallaune zum Kochen brachte.

Rundschau

Das Love Lake Festival soll vor allem für das gemeinsame Feiern und die Verbindungen verschiedenster Musikrichtungen, die im großen und ganzen im elektronischen Genre angesiedelt sind, stehen. Der erst vor kurzem revitalisierte Ebersdorfer See zeigte sich vor allem an diesem Hitzerekord-verdächtigen Wochenende als ideale Location. Während die umfunktionierten Maisfelder des Caravan und Campingplatzes den Anschein machten, sich jeden Moment in Opfer der spontanen Selbstentzündung zu verwandeln, spendete der im Tal gelegene See musikalischen Genuss auf rund drei Bühnen und kühles Nass, um Kopf als auch Körper auf annähernd akzeptable Temperaturen herunterzukühlen.

Wie am hier befindlichen Geländeplan ersichtlich, musste man sich den Weg ins Vergnügen erst erstampfen. Vom östlich gelegenen Caravan-Areal am Hügel gelangte man über zwei Wege zum eigentlichen Zeltplatz, wo sich sowohl Kassa als auch ein Duschcontainer und mehrere Mobiltoiletten befanden. Hatte man sich sein Festivalband für rund 30 bis 70 Euro (je nach Tages- oder Wochenendaufenthalt) ergattert, stand einem der Weg frei, um das relativ überschaubare, jedoch keineswegs kleine Kerngelände zu erforschen. Der Gang über die Pielach – dem dort liegenden Fluss – zeichnete den täglichen Weg in Richtung Mainstage. Spätestens auf der die Pielach überquerenden Brücke wusste man, dass man auf einem Festival war: Die BesucherInnen tümpelten im Flussbett, kühlten ihre Bierdosen im Wasser und saßen mit Campingsesseln hüfthoch darin – das klassische Bild einer stressfreien Entspannungszone.

Geländeplan

Keine zehn Meter später warteten die Securities der Eingangsschleuse zum obligatorischen Check. Ab hier bahnte man sich den Weg zur Mainstage (sog. Love Field Stage), die mit ca. zehn Metern Länge, einem Funktion One Sound System und 3D-mapping-fähigen Visuals ausgestattet war. Hier fehlte es an nichts. In kleinstem Umkreis befanden sich eine fixe Dusch- und WC-Anlage, ein Essensstand, die Bars, eine Shop-Area und Sandor Buz – der es sich auch am Festival nicht nehmen ließ, die Kunst der Glasbläserei live zu zeigen. Aber das war ja noch nicht alles.

Der kurze Verbindungsweg durch ein Waldstück führte zur kleinsten Stage auf diesem Festival. Diese machte es sich hauptsächlich aus Lagegründen zur Aufgabe, den Gastrobereich des sogenannten Betreibers namens „Haus am See“ ganztägig zu beschallen. Spätestens hier konnte man den See nicht nur fühlen sondern auch sehen. Bereits am ersten Festivaltag erfreuten sich viele BesucherInnen der Option, den Dancefloor gegen erfrischendes H2O zu tauschen, während die Klänge der Love Lake Stage für Unterhaltung sorgten.

Switching Stages – ein Versuch

Wie uns der Veranstalter Dominik M. von ZoiD Event Productions in unserem Gespräch verraten hat, handelt es sich beim Konzept der sich verändernden Stages um einen Erstversuch. Was hat es damit auf sich?
Für gewöhnlich hat jedes Musikgenre seine eigene Bühne auf den diversen Veranstaltungen, nicht so hier: Um allen BesucherInnen die Möglichkeit zu bieten, am See und andertags am Feld zu feiern, wurden täglich die Genres auf den Bühnen gewechselt. Um das vielleicht etwas besser zu veranschaulichen: An Tag 1 befand sich die Techno-Stage am Feld, an Tag 2 am See usw. Prinzipiell eine gute Idee, sorgte allerdings für etwas Verwirrung, zumindest bei uns.

Die Schattenseiten

Dass es auf Festivals hier und da kleine Problemchen gibt, ist nichts neues. Diese zeigten sich allerdings erst während des Ablaufs und man versuchte so schnell wie möglich Lösungen hierfür zu finden.
Gröbere Unstimmigkeiten stellten sich am Love Lake vor allem im Bereich Gastronomie heraus. Es gab nur eine geringe Auswahl an Speisen, die zusätzlich mit horrenden Preisen (zum Beispiel 8,50€ für einen Plastikteller mit Hühnercurry) für starke Kritik seitens der BesucherInnen sorgten. Auch die Getränkepreise standen dem nichts nach. Aufgrund zahlreicher auf facebook eingegangener Nachrichten diesbezüglich, äußerte sich der Veranstalter heute wie folgt:

„Das am häufigsten erwähnte Thema ist die Gastronomie mit warmen Getränken, wenig Auswahl an Speisen, etc. Hierbei müssen wir leider abermals betonen, dass dies, wie schon mehrfach angedeutet, nicht in unseren Einflussbereich gefallen ist. Auch wenn viele meinen ein Veranstalter einer Feier hätte zwangsläufig auf alles Einfluss und Mitbestimmungsrecht – dem ist leider nicht immer so. Um die Location als solche überhaupt nutzen zu können, war eine gemeinsame Zusammenarbeit mit dem Haus am See verpflichtend notwendig und vertraglich fixiert bzw. Grundvoraussetzung, um das Festival an diesem Ort überhaupt stattfinden zu lassen. Unser Angebot dem Haus am See festivalerfahrenes Personal zur Verfügung zu stellen und unterstützend tätig zu sein, wurde leider ausgeschlagen. Abgesehen davon wurde weder die Preisgestaltung sowie die Gestaltung der Essens- und Getränke-Angebote in keinster Weise wie mit uns ausgemacht, auch umgesetzt und so abgestimmt. Die eigentlich wünschenswerte Zusammenarbeit war hier leider nicht gegeben. Auch unser Personal mussten wir dementsprechend kurzfristig anderwärtig verköstigen. Mit dem vor Ort platzierten SPAR haben wir versucht eine kleine Alternativ-Möglichkeit zu schaffen. Wir verstehen euren Frust, und arbeiten was diese Thematik betrifft an groben Veränderungen für das nächste Jahr, damit so etwas nicht noch einmal passiert.“ (Quelle: Facebook)

Ein weiterer Punkt war der am Campingplatz stehende Duschcontainer, welcher entweder gar nicht funktionierte, überschwemmt war oder knappe 80 Grad warmes Wasser hatte.
Was den Sound betraf, beschränkten sich die Schwierigkeiten auf die Love Field Stage, deren davorliegende Gastrozelte vor allem im hinteren Bereich den Schall taktversetzt zurückwarfen. Einige Beschwerden bezüglich des Müllpfands und der anscheinend zu großen Zahl an Securities, konnten wir seitens der Redaktion nicht nachvollziehen.

Fazit

Auch wenn der Termin zeitgleich mit dem Ozora Festival in Ungarn gewählt war, pilgerte eine große Anzahl an Progressive Trance Fans nach Ebersdorf, die vor allem mit ihrer Gesamterscheinung für lockere Stimmung sorgten. Im Vergleich dazu kam das Line-Up für Drum-and-Bass-Jünger etwas zu kurz, denn es bediente lediglich an Tag 1 mit Artists wie Twisted Technique, Body&Soul, Smooth und Neonlight die Love Lake Stage. Obwohl Tech-House und Techno mit KünstlerInnen wie Elektroschneider, Kaiserdisco, Martin Freudentanz, Format:B, Florian Meindl, Drumcomplex, etc. zum täglichen Programm zählten und sogar sonntags mit der von „Kein Sonntag ohne Techno“-Crew bis 18:00 Uhr für ausgelassenes Feiern sorgen sollten, blieben die HörerInnen bis auf Tag 1 größtenteils aus. Gleiches galt für die Raggae-Artists. Das Love Lake Festival baute dieses Jahr vor allem auf österreichische KünstlerInnen – möglicherweise eine Erklärung dafür, warum sich so manche Genres nicht so vielen BesucherInnen erfreuen konnte.
Eine Gästezahl von rund 3000 Menschen spricht allerdings für sich, das Love Lake Festival konnte mit seiner Erstauflage auf alle Fälle einen großen Erfolg verbuchen! Nicht nur der See und das Wetter sorgten für ein optimales Festivalwochenende, sondern auch die professionellen Aufbauten von Bühne und Sound, die aufwendigen Dekorationen & Visuals, sowie nette Kleinigkeiten wie zum Beispiel kostenfreie portable Aschenbecher-Röhrchen oder die sich überall am Gelände befindlichen Wegweiser mit netten Sprüchen und vieles mehr. Wir freuen uns auf nächstes Jahr und vielleicht findet sich ja der eine oder die andere in unserer Festivalgalerie wieder.

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