Wenn St. Pauli zum Festivalgelände wird…

Vom 17.-20. September hat in Hamburg zum neunten Mal das renommierte Reeperbahnfestival stattgefunden. Dabei handelt es sich um Deutschlands größtem Clubfestival, welches sich in über 70 verschiedenen Locations im Stadtteil St. Pauli abspielt. Der Schwerpunkt liegt auf Konzerte, jedoch werden zudem zahlreiche Kunstausstellungen, verschiedene Street Art Touren und teilweise auch Lesungen angeboten. Außerdem steht Unternehmern und Organisationen aus dem Musikbusiness ein breit gefächertes Konferenzprogramm zu den unterschiedlichsten Themen aus der Musikwirtschaft zur Verfügung. Demnach ist das Reeperbahnfestival nicht nur Anziehungspunkt für Festivalliebhaber und Musikinteressierte, sondern auch einer der wichtigsten Standorte für die Musik- und Digitalwirtschaft in ganz Europa.

Ich habe das Festival dieses Jahr zum ersten Mal besucht und mich hauptsächlich mit den Bereichen Musik und Kunst auseinandergesetzt. Dabei waren alle Auftritte so gut und erwähnenswert, dass ich über jedes einzelne Konzert einen eigenen Artikel schreiben könnte. Damit das alles aber im überschaubaren Rahmen bleibt, werde ich nun kurz auf die Highlights des Festivals eingehen:

Die unvergesslichsten Auftritte

Den tanzwütigsten Auftritt hat uns Gramatik im Club Uebel&Gefährlich beschert. Der amerikanische DJ versteht es, dem Publikum mit seinen elektronischen Beats ordentlich einzuheizen. Genremäßig bewegt er sich zwischen Dubstep und Hip-Hop. Was seinen Auftritt so besonders macht, sind die verschiedenen Musikinstrumente, die von seinem Partner eingesetzt werden. Eingeleitet wurde das Konzert mit einer Querflöte, dazwischen gab es des Öfteren Saxophon- und Trompetensolos zu hören und abschließend noch ein paar Keyboardklänge.

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Gramatik

Die Sängerin der französischen Indie-Pop Band The Dø lieferte uns die sportlichste Choreografie. Ihr Musikstil erinnert stark an Dance-Aerobic Musikvideos aus den 80ern. Verstärkt wurde dieser Effekt durch den Einsatz von E-Drums. Außerdem trug Olivia Merilahti einen knallroten Overall und weiße Turnschuhe, dazu machte sie zwischendurch fitnessartige Übungen und boxte heftig mit ihren Armen durch die Luft. Das Publikum wurde auf jeden Fall dazu animiert, mitzumachen.

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The Dø

Das interessanteste Konzept stammte vom britischen Duo Public Broadcasting Service. Die zwei Musiker standen mit Schlagzeug und Gitarre bzw. Banjo auf der Bühne und das im spießigen Nachrichtensprecher Outfit – sprich Cordhose, Hemd, Krawatte und Fliege. Im Hintergrund war ein riesiger Fernsehbildschirm aufgebaut, welcher alte TV-Ausschnitte zeigte. Die zwei haben ausschließlich über Knöpfe mit den Zuhörern kommuniziert, indem sie Gespräche aus Sendungen mitgeschnitten haben und diese unter anderem als Lyrik in ihre Musik einfließen ließen.

Die erotischste Bühnenshow und ein tobendes Publikum bescherte uns die grandiose Schweizer Band Kadebostany im Mojo, einem der exklusivsten Hamburger Clubs. Diese Gruppe schafft es immer wieder, ihre Gäste mit Begeisterung auf eine Reise in ihr fiktives Land „Kadebostany“ mitzunehmen. Orientalische Klänge, elektronische Beats, hypnotisierende Stroboskopeffekte vermischt mit anturnenden Saxophonklängen und grölenden Posaunenmelodien. Dazu eine außerordentlich gute Tanzperformance der talentierten Sängerin/Rapperin Amina. Eine unvergessliche Konzertatmosphäre!

Mutiny on the Bounty sorgten im Kaiserkeller für die schnellsten, massivsten Beats auf dem Festival. Die Musiker aus Luxemburg bezeichnen ihr Genre als Math-Rock, welches sich anhört wie eine Mischung aus Hardcore und Post Rock. Das Konzert lief rein instrumental ab. Ihre Songs sind meist von sphärischen Melodien durchzogen und enden mit einem energiegeladenen Hardcore-Part. Dabei ist es fast unmöglich während des Konzertes ruhig stehenzubleiben, weil man von der Musik und vor allem von der energischen Performance der Musiker beinahe mitgerissen wird.

Das musikalisch schönste Konzert wurde von Hozier in der großen Freiheit gespielt. Der irische Musiker sorgte mit seiner wunderschönen Stimme für Gänsehauteffekt. Dazu standen sechs weitere Musiker mit ihm auf der Bühne, die teilweise alle als Background Sänger fungierten und somit schon fast einen mehrstimmigen Chor bildeten. Seine melancholischen Lieder in Kombination mit Piano und Cello schaffen ein einzigartiges, rundum perfektes Konzerterlebnis.

Fazit

Soviel zu meinen musikalischen Eindrücken auf dem Reeperbahnfestival. Alles in allem ist das Festival super organisiert. Trotz Einlassbeschränkungen in den jeweiligen Clubs, gab es nie Probleme bezüglich Platzmangels. Die Veranstaltungsräume waren perfekt auf die über 400 Bands abgestimmt. Überdies hinaus sorgte das großzügige Angebot und die vielen unterschiedlichen Programmpunkte für pausenlose Unterhaltung von hohem Niveau. Eine einzigartige Festivalatmosphäre, die man erlebt haben sollte!

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